Ernährungstalk zum Thema „Paleo“ mit Bernadette Hörner – sportblog.cc

Ernährungstalk zum Thema „Paleo“ mit Bernadette Hörner – sportblog.cc

Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Interviews, das Bernadette Hörner von sportblog.cc mit mir geführt hat. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich, so ein Interview! 🙂 Es hat Spaß gemacht und wir haben uns auch abseits der Kamera sehr gut unterhalten und dabei natürlich über Sport und Ernährung gesprochen (schaut doch mal auf sportblog.cc vorbei)

Aber, bei so einem kurzen Videobeitrag kann natürlich auch nur eine begrenzte Menge an Information rübergebracht werden. Damit ich euch hier noch weitere Details liefern kann und damit keine Missverständnisse aufkommen, gibt es nun noch einen ausführlicheren Beitrag zu diesem Thema aus der Sicht einer Diätologin!

Ich freue mich, dass ich hier zeigen kann, dass ich den verschiedenen Ernährungsformen auch Positives abgewinnen kann und nicht nur auf die klassischen Ernährungsempfehlungen fixiert bin. Was mir jedoch immer wichtig ist: Genuss, Alltagstauglichkeit, Gesundheitswert, individuelle Auslegung und wenn es um Krankheiten geht auch Leitlinien und Evidenzen. In diesem Sinne ist auch der Beitrag zu lesen.

Los gehts, das Thema des Ernährungstalks war:

Paleo und Sport? Kann es funktionieren? Wie funktioniert es? Für wen funktioniert es?

Link zu Bernadette´s Blog

Link zum Video

Grundsätzlich: Relevant sind bei der Auswahl der Nahrung vor, während und nach dem Sport – und entsprechend auch bei der gewählten Ernährungsform – immer folgende Fragen:

  1. Um welchen Sport handelt es sich (Kraft, Ausdauer/Ultraausdauer, Schnelligkeit, Teamsport, ästhetische Sportarten, beim Teamsport ist auch die Spielposition relevant)
  2. Trainingsphase, Wettkamphase?
  3. Amateur-, Hobby-, professioneller Sportler?
  4. Was ist das Hauptziel? Fit werden, Körperfett abbauen, für einen Bewerb trainieren? Entsprechend der Ziele ist die Ernährung anzupassen und bei mehreren Zielen zu priorisieren.
  5. Was mag der die Sportler, was verträgt er / sie (hier wirklich im Sinne von Verträglichkeit bezogen auf das Magen-Darm) – es spielt also auch noch die Person selbst eine große Rolle. Es geht nicht um einen One-fits-all Ansatz.

Wenn man von einer bestimmten Ernährungsform spricht, dann muss man auch definieren und Kriterien festlegen, wie diese gestaltet ist:

Bei Paleo ist das gar nicht soo einfach. Paleo ist nicht gleich Paleo, es gibt „strengere“ Varianten und „lockerere“ Formen. Der Begriff Paleo leitet sich vom englischen Begriff paleolithic ab. Wikipedia definiert die Paleo Diät wie folgt:

„Steinzeiternährung, Steinzeitdiät oder Paleo-Diät (richtig eigentlich Paläo-Diät) ist eine Ernährungsform des Menschen, die sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit orientiert; gemeint ist die Zeit vor der neolithischen Revolution (beginnend vor ca. 20.000 bis vor ca. 10.000 Jahren), in der Ackerbau und Viehzucht vermehrt betrieben wurden. Anders als in der kohlenhydratreduzierten Ernährung sind in der Steinzeitdiät unbegrenzte Mengen hochglykämischer Anteile, wie getrocknete Datteln oder Feigen, erlaubt. Falls natürlich gewachsene Früchte und Honig weniger Anteil haben, entspricht die Steinzeiternährung einer Diät nach dem Low-Carb-Prinzip.“ (Wikipedia 2015d).

Als Pioniere scheinen im Wikipedia Eintrag die Nahmen Walter L. Voegtlin, der 1975 dazu Thesen erarbeitete, Boyd Eaton folgte 1985 und Loren Cordain in den 90ern. Auch Nicolai Worm publizierte im Jahr 2000 ein Buch zum Thema: „SYNDROM X oder ein Mammut auf den Teller – Mit Steinzeitdiät aus der Ernährungsfalle“, er sieht sich selbst aber ausdrücklich nicht als Vertreter der Steinzeitdiät. (Wikipedia 2015d). Auch die Paleo Diät erfuhr verschiedene Abwandlungen und Auslegungen und wird je nachdem mehr oder weniger streng angewandt. Zusammengefasst liegen folgende gemeinsame Prinzipien zu Grunde:

  • EW aus: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Nüsse und Samen
  • KH und Ballaststoffe aus: Gemüse und Obst
  • F aus: Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Nüssen und Samen

Alle diese Lebensmittel sollten möglichst Bio-Qualität haben, Fleisch und Fisch sollten aus Wildfang stammen beziehungsweise von weidegefütterten Tieren kommen. Es sollen keinerlei verarbeitete Lebensmittel konsumiert werden. Getreide sowie Hülsenfrüchte in jeder Form und von jeder Sorte werden bei den meisten Formen abgelehnt. Milchprodukte stehen bei den meisten Formen eher nicht oder nur sehr selten auf dem Speiseplan. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben beschreibe ich hier vier häufige Varianten dargestellt:

  • Die Paleo Diät nach Loren Cordain
  • „The primal blueprint“ von Mark Sisson
  • „Die Bulletproof Diät“ von Dave Asprey
  • „Perfect Health Diet“ von Paul Jaminet und Shou-Ching Jaminet
  1. Die Paleo Diät nach Loren Cordain

Auf der Seite „thepaleodiet.com“ werden die Grundprinzipien der Diät dargestellt. Im Unterschied zur durchschnittlichen westlichen Ernährung sollten etwa 19-35% der Energie aus EW stammen, hauptsächlich aus Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten wie sie auch in der modernen Welt zu finden sind, allerdings möglichst unverarbeitet. KH sollten etwa 35-45% des Tagesenergiebedarfs ausmachen und aus Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index stammen. Dazu zählen Gemüse und Obst mit niedrigem Stärkegehalt. Diese sollen auch den Ballaststoffbedarf decken. F soll in „moderaten bis hohen“ Mengen aufgenommen werden, vornehmlich aus einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren wobei der Gehalt an Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren sorgfältig ausgewählt werden soll, da Transfette und Omega 6 Fettsäuren den Cholesterinspiegel ansteigen lassen (Cordain 2015). Eine Übersicht der Lebensmittel die gegessen beziehungsweise nicht gegessen werden sollen sieht entsprechend wie folgt aus (Cordain 2015):

  • Empfehlenswert: Fleisch von weidegefütterten Tieren, Fisch und Meeresfrüchte, frisches Obst und Gemüse, Eier, Nüsse und Samen, gesunde Öle (Olivenöl, Walnussöl, Leinöl, Macadamiaöl, Avocadoöl, Kokosnussöl)
  • Nicht verzehren: Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, raffinierte Zucker, Erdäpfel, verarbeitete Lebensmittel, Salz, verarbeitete pflanzliche Öle.
  1. „The primal blueprint“ von Mark Sisson

In seinem Buch präsentiert Mark Sisson 10 Gesetze, die sich nicht nur auf die Ernährung beziehen, sondern auch den Lebensstil stark miteinbeziehen. Um den Rahmen nicht zu sprengen hier nur die Nummer eins, „Eat lots of plants and animals.“ Damit ist gemeint, dass für die Eiweißzufuhr Fleisch von weidegefütterten Tieren und/oder aus biologischer Landwirtschaft gewählt werden soll. Wild, Fisch und Meeresfrüchte aus Wildfang sowie Eier ergänzen den Speiseplan. Eine möglichst bunte Auswahl an Obst und Gemüse liefert KH, Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Auch und besonders bei der Auswahl der Nahrungsfette soll auf die Qualität geachtet werden. Das Fett stammt von Tieren, Avocado, Butter, Kokosnussprodukten, Nüssen und Samen, Oliven und Olivenöl. Hier scheint also mit der Butter auch ein Milchprodukt in der Liste auf. Für die Nährstoffverteilung gibt es keine genauen Angaben, die Empfehlungen um Gewicht zu reduzieren, hier gemeint als Fett verbrennen, beziehungsweise um Gewicht zu halten gehen von 0-50g bis zu 100-150g KH, EW je nach Grad der Aktivität von den empfohlenen 0,8g/kg KG bis zu 1-2g/kg KG. Der Fettanteil ergibt sich aus der Menge und Kombination der beiden anderen Makronährstoffe (Sisson 2012).

  1. Die Bulletproof Diät“ von Dave Asprey

Diese Diät basiert ebenfalls auf der Paleo Ernährung. Der Erfinder, Dave Asprey geht in seiner Einteilung der Nahrungsmittel jedoch noch einen Schritt weiter, in dem er die Nahrungsmittel, die in der Paleo Diät erlaubt sind nochmals nach verschiedenen Kriterien in „Bulletproof“, „Suspekt“ und „Kryptonit“ einteilt. Die Bezeichnungen hat der Autor wohl gewählt um darzustellen, das manche Lebensmittel so gesund seien, dass sie, metaphorisch gesprochen Kugelsicher machen würden, und andere Lebensmittel wie Kryptonit wirken würden, also wie dasjenige Metall, das auch Superman schwächte :). Exemplarisch werden in der Tabelle unten einige Lebensmittel aus den Hauptkategorien aufgelistet:

  1. „The Perfect Health Diet“, Paul Jaminet und Shou-Ching Jaminet

Auch die Perfect Health Diet der Jaminets basiert auf dem Konzept der evolutionären Ernährung, der Paleo Diät. Allerdings gehört sie zu den gemäßigteren Varianten, indem sie mehr der sogenannten „safe starches“ erlaubt. Dazu gehören stärkereiche Gemüse, sowie im Fall der Perfect Health Diet auch Reis und Kartoffeln. Milchprodukte werden wie bei uns die Süßigkeiten als „pleasure foods“ bezeichnet und dürfen in kleinen Mengen konsumiert werden. Aber auch hier sind die klassischen Getreide, Hülsenfrüchte, Pflanzenöle und raffinierte Zucker auf der Liste der Lebensmittel, die nicht konsumiert werden sollen. Ihren Recherchen nach bestand die Ernährung in der Steinzeit zu etwa 15-20% aus KH, mit Ausreißern in Richtung 50% je nach Verfügbarkeit kohlenhydrathaltiger Nahrungsmittel. Der Großteil der Kalorien kam aus fettem Fleisch. Süße Früchte standen nur selten auf dem Speiseplan. Die Verteilung der Makronährstoffe in dieser Form der Paleo Diät lautet dementsprechend wie folgt (Jaminet und Jaminet 2012):

  • Protein: 10-20% oder 200-600kcal
  • KH: 20-35%, Fruktose unter 25g pro Tag
  • F: mit Fokus auf einfach ungesättigte und gesättigte Fettsäuren 50-60% der Tagesenergie

Paleo und Sport:

Lehrbücher zur Ernährung im Sport, Positionspapiere, die Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften, … sind immer eher auf Kohlenhydrate ausgerichtet (Ausdauersport). Also auf 55 – 60% KH Anteil in der Ernährung. Je nach Kalorienbedarf verändern sich dann auch die Anteile der Makronährstoffe in der Ernährung. Daher stellt sich auch die Frage, wenn sehr viele kcal benötigt werden, wie schafft er/sie es, diese zu essen, zB 7000 – 8000 kcal (Tour de France, bis zu 10.000kcal pro Tag teilweise nötig), der Magen-Darmtrakt hat schon Grenzen hinsichtlich dessen, was er aufnehmen und verarbeiten kann. Da muss dann auch mit Nahrungsergänzungen gearbeitet werden, wenn es um den Hochleistungssport geht. Zudem ist der Energieverbrauch sportartspezifisch und trainingsspezifisch! Trainierte Sportler brauchen für die gleiche Leistung weniger Energie als Untrainierte, der Stoffwechsel arbeitet ökonomischer.

Die Paleo Ernährung wird häufig als Low Carb Ernährung beschrieben. Nun, das lässt sich auch bei Paleo steuern. Baue ich mehr Obst und stärkehaltige Wurzelgemüse ein oder setze ich mehr auf Fette? Und auch Low Carb ist nicht gleich Low Carb. (Feinman et al. 2015):

  • Very low-carbohydrate ketogenic diet (VLCKD): mit 20 bis 50g KH pro Tag führt eine solche Diät bei den meisten Personen zur Ketose
  • Low-carbohydrate diet (LCD): mit weniger als 130g KH pro Tag oder weniger als 26% des Tagesbedarfs an Energie
  • Moderate-Carbohydrate diet (MCD): mit 26 bis 45% des Tagesbedarfs an Energie in KH

Und Paleo kann von VLCKD bis MCD alles sein, je nachdem welche LM man auswählt. Unter High Carb versteht man übrigens nicht die klassischen Empfehlungen von 55-60% sondern einen noch wesentlich höheren Kohlenhydratanteil! Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Knochensuppe & Co: Warum ist das gerade ein großer Trend?

  • Es gilt als Paleo und Paleo ist nach wie vor sehr aktuell. So eine Knochenbrühe ist reich an Proteinen, besonders Proteine die man vermeintlich im zugeputztem „schönen“ Fleisch, den Filetstücken nicht so viel hat, zB Kollagen, Gelatine, spezielle AS wie Glycin, Prolin die für Knochen und Knorpel gut sind. Dazu muss ich aber sagen, dass mir jetzt keine Studien bekannt sind, die dezidiert nachweisen das diese Stoffe aus der Knochenbrühe auch genau dort landen wo sie gebraucht werden. Was Proteine betrifft, zerlegt ja unser Darm alles in AS und baut diese dann da ein wo er sie braucht, es ist also schwer zu sagen, wo es dann wirklich ankommt.
  • Knochensuppe enthält Mineralstoffe wie etwa Calcium und Phosphor in geringen Mengen. Diese Inhaltsstoffe lösen sich beim Kochen aus dem Knochen, allerdings braucht es da einen niedrigen PH, etwas Essig in der Suppe soll also helfen, und eine sehr lange Kochzeit.

Aber aufpassen: Bei erhöhter Harnsäure und Gichtneigung kann sich so eine Suppe auch negativ auswirken, da sie sehr viele der sogenannten Purine enthält, die in die Suppe übergehen.

Jedenfalls: Knochensuppe/Brühe oder wie auch immer man es nennt schmeckt gut, ist sättigend, befriedigend, weckt sicher auch Erinnerungen an die Kindheit. Sie tut gut wenn man krank ist oder war, dient zur Kräftigung. Zudem erfüllt sie auch Aspekte der Nachhaltigkeit und Ökonomie – das ganze Tier wird verwertet. Außerdem ist es auch einfach wieder angesagt selbst zu kochen, nachhaltig zu kochen. So werden traditionelle, gute, alte Rezepte wiederentdeckt, das ist eigentlich ein schöner Trend.

Pro Argumente: Welche Vorteile siehst du in einer Paleo-Ernährung?

Ein Vorteil ist sicherlich der Fokus auf Lebensmittel von hoher Qualität, also BIO, unverarbeitet, Fleisch aus Freilandhaltung, Wild… Das Tier „ist ja auch was es isst“ und wenn das Tier artgerecht frisst und wächst, ist auch das Fleisch besser und von höherer Qualität und hat auch ein etwas anderes Fettsäurenmuster als „Turbofleisch“. Bei Paleo werden Fertigprodukte, industriell verarbeitetes, Zusatzstoffe, … vermieden. Durch diesen Fokus muss man sich notgedrungen wieder mit LM beschäftigen und wie man sie gewinnt, lagert, zubereitet und nachhaltig verwendet. Persönlich finde ich, dass es, wenn man auf eine gute Zusammensetzung achtet und nicht allzu streng ist mit dem Weglassen bestimmter Lebensmittel schon eine recht gesunde Ernährungsform ist, die auch dauerhaft eingesetzt werden kann. Bei guter Zusammensetzung hat diese Ernährungsform eine sehr hohe Nährstoffdichte, also viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und auch Ballaststoffe in den LM. Aufpassen heißt es allerdings, dass der Fokus nicht allzu sehr auf Protein liegt und dass genügend Calcium aufgenommen wird.

Kontra-Argumente: Welche Nachteile hat Paleo?

Das kommt ein bisschen auf die Auslegung an. Es werden eben ganze Lebensmittelgruppen weggelassen, teilweise sehr streng, also Getreide, Hülsenfrüchte, Erdäpfel, Milch u. Milchprodukte, das ist nicht unbedingt nötig. Und gerade das Mollenprotein mit einem hohen Anteil an BCAAs ist für SporlerInnen doch wertvoll. Es besteht bei sehr strenger Auslegung und/oder schlechter Komposition die Gefahr, dass Verdauungsbeschwerden entstehen und auch zu wenig Calcium aufgenommen wird. Darüber lässt sich aber auch wieder streiten – der hohe Gemüseanteil liefert sehr wohl viele Ballaststoffe und auch Calcium. Es ist schwierig zu beurteilen, ob ausreichend Ca aufgenommen wird. Wenn weniger Ca verfügbar ist, erhöht sich die Aufnahme im Darm beispielsweise, zu viel Eiweiß behindert die Aufnahme, aber Eiweiß ist auch wieder sehr wichtig für die Knochengesundheit. Der Calciumhaushalt ist eine fein ausgewogene Geschichte. Irgendwie lustig finde ich ja Erdäpfel wegzulassen und dafür Süßkartoffeln einzubauen, …

  • TEUER? Ein Argument ist immer wieder, dass diese Ernährung teuer ist. Ja klar, LM von hoher Qualität sind teurer, da gilt es abzuwägen was einem wichtig ist. Vielleicht bekomme ich auch nicht alles im Supermarkt um die Ecke sondern muss mich auf die Suche nach neuen Geschäften, Fleischer…. machen.
  • MÜHSAM? Fleisch, Fisch, Gemüse kaufen… ich empfinde das jetzt nicht als so mühsam, eine gute Planung ist natürlich schon wichtig, besonders, da ja nichts Fertiges mehr gekauft werden kann. Bei einem sehr dichten (Arbeits-) Alltag und je nachdem wie viele Personen im Haushalt leben kann das schon anstrengend werden.
  • ZEITAUFWENDIG? Ja, es ist sicher aufwendiger als ein Mikrowellenmenü J Aber auch genussvoller und gesünder.
  • UNGESUND? Viel Fleisch ist hier das Argument – das kommt auch wieder auf die Zusammensetzung an. Es ist bei Paleo nicht vorgeschrieben und auch nicht nötig, jeden Tag Berge von Fleisch zu essen! Lebensmittelgruppen wie Milchprodukte und Getreide weglassen – kommt darauf an wie man es macht. Viel Fett? Hier scheiden sich die Geister, inzwischen zeigen Studien, dass Fett/Cholesterin nicht die absoluten Bösewichter und Grund für Herzinfarkt und Schlaganfall sind (Siehe 3 Studien-Beispiele unter dem Punkt „Weiterlesen für Interessierte“). Trotzdem ist es wichtig sich anzusehen, welche Art von Fett und wieviel ich zu mir nehme.
  • NACHBAUTEN UND NEM? Manche folgen der Paleo Ernährung und bauen dann Brot, Kuchen, Süßes aus alternativen LM wie Nussmehlen, Wurzelmehlen etc. nach, verwenden Mengen an Ahornsirup, Honig, Birkenzucker etc., das ist auch nicht ideal und sicher auch nicht der Grundgedanke der Paleo Ernährung. Manche folgen der Paleo Ernährung und nehmen zusätzlich NEM wie sogenannte MCT Öle, Kollagen/Gelatine, oder spezielle „entgiftete“ Kaffeesorten. Das ist definitiv teuer und bei einer ausgewogenen Ernährung nicht unbedingt nötig.
  • SOZIAL NICHT KOMPATIBEL? Möglicherweise, aber das kann auch bei anderen extremen Ernährungsformen passieren.

Wie stehst du zum Paleo-Ansatz? Gscheit oder nicht?

Ich persönlich finde den Ansatz gut. Ich würde die Ausgestaltung individuell anpassen und eher einen 80/20 Ansatz verfolgen, also eine gemäßigte Variante, die auch durchaus wertvolle gut schmeckende Lebensmittel wie Erdäpfel oder mal ein gutes Vollkornschrotbrot erlaubt, oder Käse 🙂

Wem würdest du sowas empfehlen?

Empfehlen direkt nicht, ich bin schließlich Diätologin und „empfehle“ oder „verordne“ Niemandem eine mehr oder weniger extreme Ernährungsform oder gar Diät. Ich würde Elemente davon einbauen – denn als Diätologin ist es natürlich auch mein Anliegen, dass die Leute langfristig gesund bleiben, sich mit gesunden Lebensmitteln auseinandersetzen, selbst kochen (zumindest manchmal), …

  • Paleo bei Übergewicht? Da ist es eine Möglichkeit, aber nur mit professioneller Begleitung. Zudem ist Übergewicht nicht gleich Übergewicht.
  • Paleo für den / die HobbysportlerIn? Da ist es eine Möglichkeit, aber nur mit professioneller Begleitung.
  • Für Ausdauersportler vs. Kraftsportler? Ich habe gelesen, dass viele Kraftsportler und Crossfitter der Paleo Ernährung folgen und damit gut zurechtkommen.
  • Profiathleten? Auch hier: einige kommen lt. Berichten und Literatur damit gut zurecht, das hängt wohl wieder von der Sportart und den Zielen ab. Dazu muss ich aber sagen, dass ich selbst nicht mit Profi-Athleten zusammenarbeite, sondern mit Personen die Gesundheitssport betreiben oder gar erst wieder mit dem Sport beginnen.
  • Paleo bei speziellen Krankheitsbildern? Die Paleo Ernährung ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht meiner Meinung nach. Es gibt keine Langzeitstudien. In keiner Leitlinie gibt es eine Empfehlung für diese Ernährungsform bezüglich bestimmter Krankheitsbilder. Auf verschiedenen Webseiten, Foren wird die Paleo Ernährung als die Lösung für vielerlei Probleme gesehen, von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis zu Autoimmunerkrankungen. Nachweise für den Erfolg, abgesehen von Erfahrungsberichten, gibt es aber derzeit noch keine.  Daher eindeutig nein bei speziellen Krankheitsbildern. Es gibt aber Untersuchungen, die eine Verbesserung der Blutwerte (Cholesterin, HDL, LDL, Leber, …) zeigen. Paleo ausprobieren kann gerne jeder der möchte, insofern er / sie prinzipiell gesund ist und sich ausreichend informiert über die Vor- und Nachteile, die geplante Umsetzung mit einer Ernährungsfachkraft bespricht (DiätologIn, ErnährungswissenschafterIn).

Wie setzt man Paleo als Hobbysportler sinnvoll um? Welche Fehler sollte man vermeiden?

Wie wird Hobbysport/Breitensport/Gesundheitssport definiert? Spaß, Hobby, Gesundheit stehen im Mittelpunkt? Geht es um eine bestimmte Leistung? Viele trainieren ja trotzdem für einen Marathon oder um ein bestimmtes Gewicht zu stemmen. Ich denke jede/jeder, der 3-5mal die Woche Sport betreibt, kann auch ganz gut mit Paleo, wenn sie/er das so will. Fehler sind wie bei jeder Ernährungsform:

  • Einseitigkeit
  • sich nicht damit auseinandersetzen
  • Klassiker wie vor dem Training zu viel / zu schwer essen, dann ist es egal ob das Paleo oder Vegan oder was auch immer war, das Training kann darunter leiden.
  • Die Empfehlung lautet bei jeder gravierenden Ernährungsumstellung ganz klar, sich Unterstützung von Ernährungsprofis zu holen.

Paleo Ernährung und Hormonausgleich?

Wie man im Interview sieht, habe ich dazu keine Antwort 😉 – Als Diätologin kann ich sagen, dass das Weglassen oder starke reduzieren von verarbeiteten Lebensmitteln, Fertigprodukten und vor allem einem Kohlenhydratüberschuss aus schnell resorbierbaren Kohlenhydraten den Zuckerstoffwechsel und den Fettstoffwechsel und die daran beteiligten Hormone wieder ins Lot bringt. Stichwort Insulinspiegel.

Wie sich diese Art der Ernährung auf beispielsweise die Schilddrüsenhormone auswirkt (Einzelberichte sprechen von Verbesserungen bei Hashimoto) kann ich nicht sagen, da wäre wohl ein Hormonspezialist die bessere Anfragestelle.

Paleo ohne Fleisch?

Geht, ja klar, aber gesund ist das nicht. Aufpassen! Bei der veganen Ernährung ist grundsätzlich unbedingt eine sehr genaue Planung und Zusammensetzung der Nahrung nötig. Die Gefahr von Mangelerscheinungen ist ansonsten sehr groß. Wenn, wie es diese spezielle Ernährung „vorsieht“ auch Hülsenfrüchte weggelassen werden sollen, was bleibt dann noch? Das wäre ja dann die einzig relevante alternative Eiweissquelle… Wenn sich jemand für vegane Ernährung grundsätzlich interessiert oder bereits vegan lebt, kann ich gerne an Kolleginnen verweisen die damit große Erfahrung haben beziehungsweise selbst vegan leben. 🙂 (Kritische Nährstoffe bei der veganen Ernährung: B12, EPA, DHA, Riboflavin, D, Calcium, Eisen, Jod, Zink, Selen)

Zum Weiterlesen für Interessierte/Literatur:

  • Asprey, Dave (2015): Die Bulletproof-Diät. Verliere bis zu einem Pfund pro Tag, ohne zu hungern, und erlange deine Energie und Lebensfreude zurück. 1. Aufl. München: Riva.
  • Cordain, Loren (2015): The Paleo Diet. Online verfügbar unter http://thepaleodiet.com/, zuletzt geprüft am 28.02.2017.
  • Feinman, Richard D.; Pogozelski, Wendy K.; Astrup, Arne; Bernstein, Richard K.; Fine, Eugene J.; Westman, Eric C. et al. (2015): Dietary carbohydrate restriction as the first approach in diabetes management: critical review and evidence base. doi: 10.1016/j.nut.2014.06.011.
  • Chowdhury R. et al. (2014): Association of dietary, circulating, and supplement fatty acids with coronary risk: a systematic review and meta-analysis. doi: 10.7326/M13-1788.
  • Patty W. Siri-Tarino et al. (2012): Saturated Fatty Acids and Risk of Coronary Heart Disease: Modulation by Replacement Nutrients. doi:  10.1007/s11883-010-0131-6
  • Jaminet, Paul; Jaminet, Shou-Ching (2012): Perfect health diet. Regain health and lose weight by eating the way you were meant to eat. 1. hardcover ed. New York NY u.a.: Scribner.
  • Sisson, Mark (2012): The primal blueprint. [reprogram your genes for effortless weight loss, vibrant health, and boundless energy]. Paperback ed., updated and expanded. Malibu: Primal Nutrition.
  • Wikipedia, Die freie Enzyklopädie (2015d): Steinzeiternährung. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Steinzeitern%C3%A4hrung&oldid=161421444, zuletzt geprüft am 28.02.2017.
  • Ying Rong et al (2013): Egg consumption and risk of coronary heart disease and stroke: dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. doi:  10.1136/bmj.e8539

PS: Da ich dem Thema Paleo und Low Carb einiges abgewinnen kann, findet Ihr/finden Sie unter meinen Rezepten einige paleo und low carb taugliche Gerichte! 🙂

PPS: Ich habe mir im Rahmen meiner Abschlussarbeit des Diätologie Studiums einmal die Mühe gemacht und von verschiedenen Ernährungsformen/Diäten ein Tagesbeispiel berechnet und mit den Empfehlungen der DGE/ÖGE/SGE verglichen. Ich kann nur sagen, spannend! 🙂 Den Post dazu gibt es nächste Woche zu lesen!

PPPS: Geplante weitere Ernährungstalks: Low Carb, High Carb

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