Die Frage nach der Milch…

Die Frage nach der Milch…

Milch ist halt immer so ein Thema. Bei fast jedem Ernährungsvortrag oder Workshop kommt DIE Frage nach der Milch.

Um diese ranken sich viele Mythen und Meinungen, es wurden auch von den verschiedensten Seiten Beiträge, Posts etc. geschrieben, Studien mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen gibt es zu Hauf. In meiner täglichen Praxis kommt mir trotzdem immer wieder die Frage unter: „Was ist jetzt mit der Milch, ist sie gesund oder ungesund?“ Und das Fazit: Die ultimative Wahrheit gibt es in der Ernährungswissenschaft nicht.

„Also wie ist das jetzt mit der Milch…?“ Mit solchen Fragen tue ich mir halt schwer… Was ist schon gesund und was ungesund? Und wie soll ich das in einer Minute beantworten? 😉 Kein Lebensmittel ist nur gesund oder nur ungesund. Alles hat Vorteile und Nachteile. Einflüsse gibt es von Seiten der Produktion/Herstellung, der Menge und Häufigkeit des Konsums, der Zubereitung, der Verträglichkeit.

Milch aus Massentierhaltung, von unglücklichen Tieren, die nicht artgerecht gefüttert und gehalten werden ist sicherlich anders – wenn man will in dem Sinne „nicht so gesund“, als Milch von Bio-Viecherln aus Weidehaltung. Persönlich kaufe ich BIO Produkte und sehe Milch als Lebensmittel, das vielleicht mal in den Kaffee kommt oder in die Palatschinke ;). Ansonsten halte ich mich an vergorene Milchprodukte und köstlichen Käse.

Ein Naturjoghurt, mit einer Portion frischem Obst und Nüssen ist sicherlich „gesünder“ als ein fertiges, gekauftes Fruchtjoghurt mit Knusperflocken und Schokoflakes.

Wenn ich einen fertigen Joghurt-Fruchtsmoothie einmal pro Woche trinke, ist das vermutlich unproblematisch, wenn ich das jeden Tag konsumiere, gemeinsam mit weiteren weniger günstigen Gewohnheiten, sehr wahrscheinlich nicht so gut.

Wenn ich Laktose nicht vertrage, dann ist für mich normale Milch „ungesund“, weil es mir Beschwerden verursachen wird, laktosefreie Milch im Kaffee (und da sehe ich schon die nächste Diskussion auf mich zukommen 😉) wird unproblematisch sein.

Bei entzündlichen/rheumatischen Erkrankungen ist auf die Arachidonsäure zu achten, diese ist natürlich in sehr fetten Milchprodukten vermehrt zu finden.

Weitere Behauptungen, wie „Milch verursacht Osteoporose“, „Milch macht dick“ oder „verschleimt“ rechne ich eher der Welt der Ernährungslegenden zu. Ausnahmen bestehen jedoch eventuell… 2-3l Milch pro Tag als Getränk, oder süße Kakaomilch, oder sehr fetter Käse in großen Mengen, tragen zu einem möglichen Kalorienüberschuss bei. Wobei es auch Studien gibt, die darauf hinweisen das ein hoher Konsum von Milchprodukten zur Gewichtsreduktion beitragen kann – es kommt halt drauf an, wie man es macht.

Nach einer Mandeloperation empfehlen DiätologInnen möglicherweise einmal keine Milchprodukte zu nehmen, die sich an den Rachen anlegen, da diese eine Weide für Bakterien bieten könnten. Ansonsten – es gibt keine eindeutigen Hinweise aus Studien, die darauf hindeuten, dass Milch verschleimen würde, bei Erkrankungen der Atemwege kontraproduktiv wären.

Das sogenannte „Kalzium-Paradoxon“ bedeutet, dass es in Ländern wo kaum Milch konsumiert wird weniger Knochenbrüche gibt. Hier wird angenommen, dass der Phosphoranteil in der Milch die Kalziumaufnahme behindert, oder das der hohe Eiweißanteil die Calciumausscheidung begünstigt. Der in der Milch enthaltene Eiweißbaustein Lysin unterstützt aber beispielsweise die Calciumaufnahme im Darm, und auch ein hoher Eiweißkonsum (aber nicht dauerhaft zu hoch) scheint sich positiv auf die Knochendichte auszuwirken. Man kann also weder sagen, dass viel Milch vor Osteoporose schützt, noch, dass viel Milch Osteoporose begünstigt. Es spielen einfach zu viele andere (Ernährungs- und Lifestyle) Faktoren mit.

Mein Fazit ist also wieder einmal der Spruch „von überall ein bissi was und von nix zu viel“ 😉. Klingt langweilig, ist aber so. Zudem überwiegen bei den (vergorenen) Milchprodukten meiner bescheidenen Meinung nach die Vorteile: Hochwertiges Eiweiß, gutes Fett, Milchsäurekulturen, schöner Calciumgehalt, fördert die Verdauung und nicht zuletzt der gute Geschmack! Wir sind halt Omnivoren, wir dürfen genießen, und Genuss bedeutet nix in Massen zu verspeisen. Wenn man Milchprodukte gut verträgt und gerne hat, nur zu! Und ja, man kann durchaus auch ohne Milch ;). Allerdings halte ich es für sinnvoll, die entsprechenden Ersatzprodukte genau zu begutachten hinsichtlich Inhaltsstoffen.

Wenn Sie sich zu einem Thema beraten lassen möchten, sei es die Prävention oder Ernährungstherapie von Osteoporose, Laktoseintoleranz, gesunde Gewichtszu- oder abnahme, wenden Sie sich gerne an mich.

Herzlichst, Ihre Diätologin

Mag. Birgit Barilits, BSc, Ernährungsberatung mit Genuss

PS: Ich halte es für ein Qualitätsmerkmal, wenn in einer Beratung etwas differenziert dargestellt wird, und auf die individuellen Bedürfnisse und Anliegen geachtet wird.

Fotos: Fotolia

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