Rehbraten in Rotwein-Wurzelsauce

Rehbraten in Rotwein-Wurzelsauce

So ein herbstlicher Schmausebraten vom Rehlein, das ist fein. Zartes, mageres Fleisch in einer köstlichen Rotweinsauce.

rehbraten im speckmantel mit wurzelgemüse

Die Zutaten für 2 -3 Portionen:

  • ca. 400g Fleisch vom Reh (Schlögel)
  • 100g Bauchspeck
  • 160g Karotte
  • 160g Sellerie
  • 160g Pastinake
  • 1 Zwiebel
  • Pfeffer, Wacholderkörner, Piment, Zimt, Nelken
  • Lorbeerblatt, Preiselbeeren
  • Salz
  • 1 TL Senf
  • 30g Butterschmalz, Butter etwas Olivenöl
  • 1/4l Rotwein

Die Zubereitung:

Den Rehschlögel wenn nötig zuputzen. Alle Gewürze bis auf das Lorbeerblatt, Salz und die Preiselbeeren miteinander vermischen, die Körner grob zermörsern und mit etwas Olivenöl zu einer Paste verarbeiten. Den Rehschlögel gut damit einreiben und am besten über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Erst kurz vor dem Braten noch salzen.

Das Gemüse putzen und in ca. 1cm große Würfel schneiden. Mit etwas Butterschmalz in der Pfanne anrösten. Dann mit dem Wein aufgießen, das Lorbeerblatt und etwa 2TL Preiselbeeren dazugeben und beiseite stellen.

Den Rehschlögel rundherum gut anbraten und in einen Bräter legen. Mit dem Speck bedecken, danach das Gemüse in den Bräter dazugeben.

Den Schlögel bei 180° für ca. 60min schmoren lassen. Immer wieder mit der entstehenden Sauce übergießen und ein Flöckchen Butter daraufsetzen. Wenn man den Braten eher rosa haben möchte, dann müssen Temperatur und Garzeit reduziert werden. Das habe ich allerdings mit so einer eher kleinen Portion noch nicht ausprobiert und kann daher keine genaueren Angaben machen.

Letzter Schritt ist jedenfalls: aufschneiden und genießen! Eventuell noch mit einem Glas vom guten Rotwein dazu. Wenn noch was da ist. Kochen macht schließlich durstig. 😉

Dazu passt: Rotkraut, Krautsalat, Kohlsalat, Preiselbeeren, Pfirsich, Birne, Serviettenknödel, …

Guten Appetit!

Eure Diätologin

 

Foto: Birgit Barilits

Kohl die Dritte… (Salat)

Kohl die Dritte… (Salat)

Kohl Salat 

Ja da gibts jetzt gar nicht viel zu sagen :). Es ist Kohl. Aber ich mag Kohl glücklicherweise und ich hoffe ich kann ihn euch auch ein bisschen schmackhaft machen!

So einen Salat macht man ja klassischerweise mit Weißkraut bei uns, zum Schweinsbraten beispielsweise. Aber auch mit dem Kohl schmeckt er ganz wunderbar. Da kann man auch mal eine ganze Schüssel ohne sonst was verdrücken!

Die Zutaten:

  • Kohl
  • Speck
  • Kümmel, Salz, Pfeffer, Apfelessig, ev. Olivenöl

Die Zubereitung:

Den Kohl fein nudelig schneiden, dabei die groben Blattrippen entfernen. Den Speck in feine Streifen oder Würfel schneiden und langsam knusprig rösten. Aus der Pfanne nehmen und auf Küchenpapier beiseite stellen. In die Pfanne zum Fett dazu* den Kümmel geben, mit Apfelessig ablöschen und noch einen Schuss Wasser dazugeben. Das ergibt die Marinade. Die noch warme Marinade über den Kohl gießen. Den knusprigen Speck unterheben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die warme Marinade macht den Salat so richtig „quatschig“, aber er bleibt noch knackig.

*Je nachdem wieviel Fett der Speck ausgelassen hat, kann natürlich ein Teil davon entfernt werden. Eine weitere Option ist auch das Speckfett ganz wegzulassen und nur etwas Olivenöl zum Salat zu geben. Gesunde und aktive Personen vertragen das Speckfett in Maßen wahrscheinlich gut, aber es muss nicht sein. Für Fragen zum Thema Fett an sich und „welches Fett für welchen Zweck“ stehe ich gerne zur Verfügung! 🙂

Eure Diätologin

 

Fotos: Birgit Barilits

Die Gutachtenerstellung vor einer bariatrischen Operation

Die Gutachtenerstellung vor einer bariatrischen Operation

Gutachtenerstellung – Was ist DiätologInnen dabei besonders wichtig?

Die Gutachtenerstellung stellt einen besonders wichtigen Schritt bei der Genehmigung eines adipositaschirurgischen Eingriffes dar. Das diätologische Gutachten wird bei der zugehörigen Krankenkasse eingereicht. Diese bewilligt daraufhin die lebensverändernde Operation oder lehnt diese Form der Behandlung ab.
Ehrlich, so objektiv wie möglich, genau und vollständig – so sollte das Gutachten am Ende aussehen.
Dies ist natürlich nur mit Ihrer Mithilfe möglich! Ohne ausführliche Informationen aus vielen Bereichen Ihres Lebens kann das Gutachten nicht ausführlich erstellt werden, was eine Bewilligung bei der Krankenkasse folglich erschwert. Aber welche Informationen sind im Gutachten wichtig?

Angefangen bei Ihren persönlichen Daten über Ihren aktuellen körperlichen Zustand (Diagnose, Größe, Gewicht, BMI) bis hin zu einer ausführlichen Diäthistorie, Ihrer körperlichen Aktivität bis zur detaillierten Ernährungsanamnese – all diese Informationen sind essentiell für die Gutachtenerstellung.

Was uns DiätologInnen abschließend noch besonders am Herzen liegt, ist die Aufklärung über die Wichtigkeit regelmäßiger ärztlicher und diätologischer Nachkontrollen sowie bei den meisten Operationsmethoden einer lebenslangen Vitamin- und Mineralstoffsubstitution. Dies muss Ihnen VOR einem bariatrischen Eingriff klar sein und DANACH natürlich eingehalten werden, um langfristig Komplikationen und Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Als zertifizierte Gutachterinnen für PatientInnen vor adipositaschirurgischen Eingriffen bekennen wir uns zu folgenden Grundsätzen:

  • Die PatientInnensicherheit steht immer an erster Stelle.
  • Die Erstellung des Gutachtens erfolgt nach bestem diätologischem Wissen und Gewissen.
  • Die PatientInneninformationen werden wahrheitsgemäß und unverändert im Gutachten integriert.
  • Die festgesetzten und akkordierten Honorarrichtlinien des Verbandes der Diaetologen Österreichs werden eingehalten (eingerechtfertigter höherer Preis oder zusätzliche Leistungen anzubieten ist möglich).
  • Jeder Patient/jede Patientin erhält präoperativ die gleichen Informationen und wird optimal aufgeklärt, um sich mündig für oder gegen einen adipositaschirurgischen Eingriff zu entscheiden.

Mag. Birgit Barilits, BSc (Wien), Raphaela Lebeth, BSc (Korneuburg), Diätologinnen

Vor der Entscheidung zur OP/ der Gutachtenerstellung

Die Bedeutung „konservativer“ Therapie zur Gewichtsreduktion in unseren Augen

Was verstehen wir darunter? Die konservative (nicht-operative) Behandlung der Adipositas umfasst einerseits die qualifizierte Ernährungsberatung und -umstellung mit Hilfe einer Diätologin, die Bewegungstherapie sowie bei Bedarf eine psychologische Beratung. Den es ist nicht nur ein Bauchthema, sondern auch ein Kopfthema… Auch die Operation ist leider keine Wunderpille, keine einfache Lösung, sondern Arbeit.

Viele Betroffene, die sich eine Operation überlegen, haben schon einige gescheiterte Diätversuche hinter sich. Diäten gibt es wie Sand am Meer. Von Atkins-, Kartoffel- oder Kohlsuppendiäten über FDH bis hin zu noch gefährlicheren, radikaleren Varianten (zB Abnehmtabletten etc.). Häufig finden diese Diäten unter Eigenregie, also nicht diätologisch begleitet statt. Es kommt aber auch vor, dass Betroffene noch keine diätologisch und/oder ärztlich begleitete, nachhaltige Gewichtsreduktion versucht haben, sondern v.a. am JoJo-Effekt durch durchgeführte Crashdiäten gescheitert sind. Hier wäre es wünschenswert, dass der betroffenen Person noch einmal eine Chance gegeben wird. Besonders, wenn es sich um sehr junge PatientInnen handelt. Natürlich gibt es auch Personen, bei denen die Operation dringend gemacht werden sollte, da bereits massive gesundheitliche Probleme bestehen. In solchen Fällen fehlt dann häufig die Zeit für einen (weiteren) konservativen Versuch.

Ein weiterer Vorteil eines solchen „konservativen“ Abnehmversuches ist, dass dabei Ernährungswissen vermittelt wird und Gewohnheiten langfristig zum Positiven verändert werden können. Selbst, wenn der Versuch nicht zufriedenstellend gelingen sollte, werden immerhin wichtige Ernährungsskills und Verhaltensweisen vermittelt, die für die Zeit nach der Operation im Alltag der PatientInnen enorm wichtig sind!

 

Eure DiätologInnen

 

Foto: Fotolia

Logo: Verband der Diätologen Österreich, mit freundlicher Genehmigung

Kohl die Zweite: „Carbonara“

Kohl die Zweite: „Carbonara“

Ich liebe Spaghetti, mit Bolognese, Carbonara, Arrabiata, … Damit es aber nicht jedesmal eine Kohlenhydratbombe wird, gibt es auch mal „Gemüsespaghetti“. Passend zum Trend Low Carb Ernährung und ketogene Ernährung habe ich also heute hier ein Rezept, dass die Low Carb Herzen höher schlagen lassen sollte! 🙂

kohl carbonara 

Die Zutaten für 1 -2 Portionen:

  • 250g Kohl (5-6 große Blätter)
  • 1 EL Olivenöl
  • 60g Pancetta
  • 2 ganze Eier und 1 Dotter
  • 20g Parmesan
  • Salz, Pfeffer

Die Nährwerte in Summe: 712kcal, 44g EW, 55g F, 9g KH, 7g Blst

Die Zubereitung:

Die Kohlblätter waschen und bissfest dünsten, dann gut mit eiskaltem Wasser abschrecken. Den Strunk herausschneiden. Gut abtropfen lassen! Die Blätter zusammenrollen und nudelig schneiden.

Den Speck in 1cm breite, aber feine Streifen schneiden und im Olivenöl leicht anrösten (Das Öl kann man übrigens auch leicht weglassen wenn man möchte, der Speck lässt auch Fett aus. Den Kohl zum Pancetta geben und etwas mitbraten, so, dass alles gut heiß ist.

Eier und Eigelb in einer Schüssel verquirlen und 1 Prise Salz sowie den geriebenen Parmesan unterrühren. Dann die Pancetta-Kohl Mischung dazugeben und gut vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. In der Pfanne funktioniert das Mischen auch, aber Achtung, dass es keine Eierspeise wird 😉

Guten Appetit!

 

Eure Diätologin

 

Fotos: Birgit Barilits

 

Regen und Nebel – Lust auf würzig und kräftig?

Regen und Nebel – Lust auf würzig und kräftig?

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Ein gewaltiger Kohlkopf wartet darauf verarbeitet zu werden… Das könnte eine Kohl-Serie werden ;). Kohl ist ja ein heimisches „Superfood“. Er enthält besonders viel Vitamin A, C, K und den sekundären Pflanzenstoff Sulforaphan. Diese Kombination stimuliert das Immunsystem und macht fit für den Winter! 🙂

Abgesehen vom klassischen Wirsing gibt es noch den Palmkohl, Grünkohl, Chinakohl, … und das was bei uns in Österreich Kraut heißt: Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl. Zur Familie der Kreuzblütler oder Brassicaceae (Sheldon Cooper weiß es) gehören aber auch noch der Rosenkohl (Kohlsprossen), Karfiol (Blumenkohl), Brokkoli, Kohlrabi, Romanesco, … Aber nun zum Kräftigen und Würzigen.

Faschiertes und Kohl (Wirsing)

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Die Zutaten für 3 Portionen:

  • 250g Kohl (5-6 große Blätter)
  • 1 Zwiebel
  • 500g Rinderfaschiertes
  • 20g Butterschmalz/Ghee/Kokosöl
  • 1 roter Chili
  • Zimt, Garam masala (1 TL), Salz, Pfeffer

Die Nährwerte  pro Portion: 420kcal, 37g EW, 29g F, 3g KH, 3g BLST

Die zubereitung:

Die Kohlblätter waschen und bissfest dünsten, dann gut mit eiskaltem Wasser abschrecken, damit die schöne Farbe erhalten bleibt. Den Strunk herausschneiden. Die Blätter zusammenrollen und in 1cm breite Streifen schneiden.

Den Zwiebel fein hacken und in zB Butterschmalz anrösten. Das Faschierte dazugeben und mitrösten. Die Gewürze dazugeben und weiterrösten bis das Fleisch durch und etwas gebräunt ist.

Kohl und Fleisch vermischen und die fein geschnittene Chili darüberstreuen.

Genießen…

PS: Wer kein Garam masala findet, kann sich das Gewürz auch selbst mischen – Kardamom, Koriander, Zimt, Nelke, Pfeffer und Kreuzkümmel mischen. Von jedem bis auf den Kreuzkümmel 1 – 1,5 TL nehmen, vom Kreuzkümmel 1 EL.

Guten Appetit und viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Diätologin

 

Fotos: Birgit Barilits

Kürbispfanne mit Tofu und Sesamdressing – Alltagsküche

Kürbispfanne mit Tofu und Sesamdressing – Alltagsküche

Ich poste nun schon seit einer ganzen Weile meine „Alltagsküche“ auf Instagram. Wenn du mal hineinschauen willst – du findest mich übrigens als birgit.barilits … Inzwischen sind es schon über 400 Beiträge!

Hier kommt das Rezept beziehungsweise die Zutaten zur Kürbispfanne – allerdings ohne Mengenangaben und Berechnung, denn meistens mische ich zusammen was gerade da ist! Spontan, nach Lust und Laune!

Was war drin in meiner herrlichen, asiatisch angehauchten Kürbispfanne:

  • Kürbis
  • roter Paprika
  • Jungzwiebel
  • Knoblauch
  • Tofu

Alles in Würfel und Ringerl geschnitten oder feingehackt. Dann habe ich alles mit

  • Sesam
  • Sojasauce
  • Chiliflocken

mariniert und in der Pfanne mit etwas Öl angebraten und weichgedünstet.

Da so ein Kürbis ja meistens mehr ausgibt als ein Gericht, wurde aus dem Rest eine cremige Kürbis-Selleriesuppe… Garniert mit schwarzem Sesam und Kürbiskernöl.

Kochen kann ganz einfach sein, geht mit etwas Übung sehr flott und es macht auch Spaß! Das könnt ihr mir ruhig glauben ;).

Eure Diätologin

 

Fotos: Birgit Barilits

Projekt Unbeschwert – Episode 2

Projekt Unbeschwert – Episode 2

Der Weg von der Entscheidung bis zur OP-Freigabe: Über Ärzte, Adipositaszentren und Gutachten

Hallo liebe LeserInnen!

Nachdem Sie ja im letzten Beitrag mehr darüber erfahren haben, wie es zum Entschluss für die bariatrische OP gekommen ist, erfahren Sie in diesem Beitrag etwas darüber, welche Schritte und Untersuchungen notwendig sind, um so eine OP überhaupt von der Krankenkasse genehmigt zu bekommen.

Mit dem Entschluss für die OP im Kopf ging es als Erstes zu meinem Hausarzt. Er ist ein Hausarzt, wie er im Buche steht, einfach toll. Immer ein offenes Ohr und ein riesiges Repertoire an Fachärzten, an die er überweist. Ich berichtete ihm also von meinem „Problem“ und erzählte von dem Wunsch mich operieren zu lassen. Er war auf meiner Seite und stimmte mir zu, dass es so nicht weiter gehen konnte. Ich verließ die Praxis mit einer Adresse für ein Spital in Wien, die eine Adipositasambulanz haben und sehr erfahren sind bei der Durchführung solcher OPs.

Zwei Wochen später hatte ich den Termin. Vorher hatte mich schon ein wenig in das Thema eingelesen und mich über die unterschiedlichen OP-Methoden informiert. Der Termin selbst war relativ unspektakulär und ich war fast schon etwas enttäuscht. Nachdem ich kurz meinen „Werdegang“ beschrieben hatte, riet man mir zu einem so genannten Omega-Loop Bypass, auch „Mini-Bypass“ genannt. Außerdem bekam ich einen DIN A4 Zettel voller „Aufgaben“, die ich zu erledigen hatte, bevor ich zur Krankenkasse gehen konnte, um die OP zu beantragen. Zudem bekam ich die Auflage, dass ich bis zur OP noch 5kg abnehmen sollte.  Aufgeregt verließ ich das Spital und hatte 1000 Gedanken im Kopf, wie es weiter gehen sollte und wo ich anfangen sollte. Immerhin arbeite ich Vollzeit und es war schon einiges zu erledigen.

Zuvor ging es jedoch noch einmal zurück zum Hausarzt, der mir eine Menge Überweisungen zu Fachärzten gab: Zum Ultraschall und Röntgen, zum Kardiologen, zur Magenspiegelung, zum Lungenfunktionstest  und in ein Labor. Neben der Abklärung der „Hard Facts“ sind aber im Rahmen der Genehmigung noch zwei weitere Termine von großer Wichtigkeit: Der Termin bei einem Psychologen/einer Psychologin und bei einer zertifizierten Diätologin (nur zertifizierte und bei der Krankenkasse gelistete DiätologInnen dürfen ein solches Gutachten ausstellen). Beide müssen ein (objektives) Gutachten erstellen und darlegen, was für oder auch gegene eine Operation spricht.

In manchen Spitälern werden all diese Untersuchungen im Haus selbst gemacht, bei mir fanden die Termine alle extern statt. Beim Termin mit dem Arzt, der mir die Magenspiegelung machen sollte, erlebte ich jedoch eine böse Überraschung. Eine Magenspiegelung ambulant ist auch mit einer kurzen Betäubung möglich, dies konnte bei mir jedoch auf Grund des vielen Übergewichts nicht mehr gemacht werden. Außerdem sei es fraglich, ob seine Liege mich aushalten würde, meinte der Arzt. Alles nachvollziehbare Fakten und Faktoren, dies wurde jedoch in einer Art und Weise hervor gebracht, dass dies mehr als erniedrigend war. Dies ist leider ein Faktum, mit dem sehr übergewichtige Menschen immer wieder konfrontiert sind: Das Reduzieren der eigenen Person nur auf das Gewicht. Nicht nur im gesellschaftlichen Leben, sondern auch bei ÄrztInnen. Dabei würde man sich gerade von ihnen in Hilfestellungen und Beratung wünschen. Alle Leiden und Beschwerden kommen laut vieler ÄrztInnen nur vom Gewicht und eventuelle andere Ursachen werden erst gar nicht in Betracht gezogen. Dies mag in vielen Fällen stimmen, jedoch nicht in allen und umso schwieriger ist es für uns PatientInnen, ÄrztInnen zu vertrauen.
Die Art und Weise, wie der Arzt mit mir gesprochen hat veranlasste mich dazu, ihm den Rücken zu kehren. Ich spürte förmlich, wie ekelhaft oder abstoßend er mich fand und diesem Arzt wollte ich nicht ausgeliefert sein, wenn er mir eine Kamera in den Magen schiebt.
Gottseidank war mein Hausarzt da, er hatte wieder einmal die richtige Arztempfehlung und dieser Arzt nahm mich als Patientin so an, wie ich war und schien nicht pauschal über mich zu urteilen. Zumindest gab er mir nicht das Gefühl.

Gespannt war ich auf das Gespräch mit der Psychologin und der Diätologin. Beim psychologischen Gespräch geht es vor allem darum herauszufinden, ob man an der so genannten Binge-Eating Störung (oder anderen Essstörungen) leidet, was ein Grund für eine Ablehnung einer OP sein kann. Auch geht es um die Abklärung der Ursachen für das hohe Übergewicht. Da ich ja bereits einiges an Erfahrung mit PsychologInnen gemacht hatte, ging ich relativ relaxed dorthin. Was ich dort jedoch vorfand, schockte mich. Das ganze „Gespräch“ mit der Psychologin dauerte lediglich 10 Min. Die einzigen Fragen, die mir gestellt wurden waren, wie groß und schwer ich war und ob ich irgendwelche Vorerkrankungen habe. Die Fragen des Leitfadens über die Gründe der Adipositas und dem Erforschen ob eine Binge-Eating Störung vorhanden ist, beantwortete sie selbst, ich wurde gar nicht danach gefragt. Schwups war das Gespräch auch schon fertig, ich wurde noch gebeten, ich solle mich doch einige Zeit nach der OP noch einmal melden, dann könne man ja noch einen Kaffee trinken, es sei immer erstaunlich wie gut die Leute abnehmen würden. Rechnung über 120€ und draußen war ich. Ich verließ die Praxis und war äußerst irritiert. Was wäre, wenn ich nun wirklich ernsthafte psychische Probleme gehabt hätte und eine OP nicht wirklich ratsam gewesen wäre? Es wurde einzig und allein nur der Profit gesehen, alles andere war egal. Gerade bei einer Psychologin hätte ich mir etwas anderes erwartet.

Umso erfreulicher war dann aber die ernährungsmedizinische Beratung und Aufklärung. Im Internet hatte ich eine passende Diätologin für das Erstellen von ernährungsmedizinischen Gutachten gefunden. Im Vorhinein hatte ich ein Ernährungstagebuch geführt und die Gutachtenerstellung umfasste nicht nur Fragen zum aktuellen Status, sondern es fand auch eine umfassende Beratung über die ernährungsmedizinische OP Vorbereitung statt sowie eine BIA Messung, um die Körperzusammensetzung festzustellen. Und natürlich ging es auch um die Ernährung nach der OP, denn jedeR OperierteR muss sich darüber im Klaren sein, dass man seine Ernährungsgewohnheiten nach der OP radikal umstellen muss. Zum einen wird die Anatomie des Magen-Darm Trakts verändert und dies bedeutet beispielsweise, dass man Essen und Trinken trennen soll, dass man extrem gut kauen muss und sich auch im Klaren darüber sein muss, dass man sein Leben lang zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe nehmen muss. Der Körper kann nicht mehr genügend davon aus der Nahrung aufnehmen (und gerade in der ersten Zeit isst man ohnehin sehr, sehr wenig). Wenn man nicht konsequent Vitamine und Mineralstoffe einnimmt, dann besteht langfristig ein großes Risiko für grobe und gefährliche Mangelerscheinungen. Der zweite Grund ist natürlich das Thema „Was soll man essen“. Nach der OP gibt es erst einmal einen Kostaufbau, der Magen-Darm Trakt muss verheilen, die Nähte müssen verheilen und die Hormone müssen auch erst einmal mit der Umstellung klar kommen. Deshalb soll man die ersten zwei Monate nach der OP Schonkost essen, dann erst darf man zu Vollkost übergehen. Und natürlich muss man auch dann darauf achten, was man isst. Es ist sehr wichtig, dass man genügend Eiweiß zu sich nimmt, gerade beim Abnehmen ist dies sehr wichtig, damit der Körper Fett und keine Muskelmasse abbaut. Und natürlich funktioniert die Abnahme auch nur, wenn der Körper weniger Energie erhält, als er verbraucht. Mit einem radikal kleineren Magen ist das natürlich viel einfacher, nichts desto trotz sollte man sich damit auseinandersetzen, was man zu sich nimmt und hoch-kalorische und sehr fettige und süße Lebensmittel und Speisen eher meiden. Die allgemeinen Ernährungsempfehlungen waren mir natürlich bekannt, ich hoffte nur inständig, dass ich nach der OP mich konsequenter daran halten kann, als vorher. Denn Wissen ist das Eine. Umsetzen das andere. Bei diesem Teil der OP-Vorbereitung hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich richtig aufgeklärt war und fühlte mich bereit für die OP.

Es hat etwa 2 Monate gedauert, bis ich alle Untersuchungsergebnisse beisammen hatte. Dann musste ich zum chefärztlichen Dienst der Krankenkassen. Man hatte mir vorher schon signalisiert, dass es bei mir wohl überhaupt gar kein Problem sei, die OP genehmigt zu bekommen. Schließlich war mein BMI bereits jenseits der 50. Trotzdem, man weiß ja nie. Aufgeregt saß ich im Bus und fuhr meinem „Urteil“ entgegen. Nach einer Wartezeit, die mir ewig vorkam saß ich dann vor dem Arzt, er fragte noch ein paar Dinge und genehmigte mir dann die OP. Juhu!!!!! Geschafft!!!! Nun waren alle Hürden genommen und ich konnte  wieder zurück zum Spital und die nächsten Schritte planen und einen OP Termin festmachen.

Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich entschied, dass ich es FreundInnen und ArbeitskollegInnen sagen werde. Meine Familie hatte ich schon zu Beginn der Untersuchungen „eingeweiht“, es war mir wichtig, dass sie hinter mir standen.

Wie die Reaktion der Menschen war, denen ich das erzählte und Gedanken darüber, ob man es überhaupt jemandem erzählen sollte, das erzähle ich euch beim nächsten Mal…