Projekt Unbeschwert – Episode 8

Projekt Unbeschwert – Episode 8

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Wenn der Körper anders reagiert als der Kopf

Hallo liebe LeserInnen!

Ich hoffe, es geht Ihnen und euch gut. Schön, dass Sie noch dabei sind bei meinem Weg bzw. Willkommen, falls Sie erst kürzlich dazu gestoßen sind.

Das Thema heute “Wenn der Körper anders reagiert als der Kopf”. Was meine ich damit? Die OP ist kein Spaziergang und oft nimmt man sich die tollsten Sachen nach der OP vor…

und dann sagt einem der Körper aber recht deutlich, dass man noch kürzer treten sollte. So tat er es zumindest bei mir.

Die schwierigste Zeit für mich nach der OP bisher war etwa einen Monat später. Ich ging wieder arbeiten und freute mich an den kleinen Portionen und dem schnellen Sättigungsgefühl. Hin und wieder spürte ich jedoch einen leichten Schmerz im Bauch. Schmerzen im Bauch sind nach so einer OP immer ernst zu nehmen. Es können ganz harmlose Ursachen sein, es kann aber auch sein, dass z.B. etwas mit den Nähten nicht stimmt oder es ein Problem mit dem Darm gibt. Deshalb sollte man bei Schmerzen nicht lange warten, sondern relativ bald zum Arzt gehen. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig. So bin dann auch ich nach 2 Tagen Schmerzen, die eher mehr als weniger wurden, zum Arzt. Ein Ultraschall brachte uns nicht weiter und man überlegte, was das wohl sein könnte. Schlussendlich haben wir dann die Ursache gefunden. Bei der OP wird, um an Magen und Darm zu kommen, auch Nervengewebe “durchstochen”. Einer dieser Nerven schien das nicht so toll gefunden zu haben, dass man ihn “geärgert” hat und irgendwie ist dieser Nerv eingeklemmt gewesen.

Die Folgen dieses eingeklemmten Nervs waren wirklich blöd und zwangen mich dazu, kürzer zu treten. Sitzen war kaum möglich und verursachte starke Schmerzen. Lediglich beim Gehen/Dtehen und Liegen ließ es sich aushalten. Hier fiel mir auf, wie viel man eigentlich im Sitzen verbringt und wie “unsozial” das Leben ist, wenn man nicht richtig sitzen kann. Ein Freund hatte Geburtstag und feierte den auf der Donauinsel. Alle saßen fröhlich beieinander und plauderten, ich habe dann “stehend” gratuliert und den Rückweg angetreten, hinsetzen war einfach nicht drin… Ein wirklich blödes Gefühl und ich fühlte mich sozial ziemlich isoliert. Aber es blieb mir nichts anderes übrig, als die Situation anzunehmen und zu akzeptieren, dass der Körper noch Zeit brauchte, um “Wieder ins Gleichgewicht” zu kommen. Gegen eingeklemmte Nerven kann man auch nicht wirklich etwas machen, so half mir nur Abwarten. Gottseidank hatte ich nette Freunde, die mich wieder ein wenig aufgefangen haben und meine – zugegebenermaßen miese – Laune ertrugen und mich aufmunterten. Hier hat sich bezahlt gemacht, dass ich die OP nicht verschwiegen habe und ich erfuhr viel Unterstützung, die mir sehr geholfen hat.

Dieses “Wieder ins Gleichgewicht kommen” des Körpers merkt man aber auch noch an anderen Dingen. Beispielsweise am Haarausfall. Viele Operierte berichten davon, dass sie nach der OP Haare verlieren. Dies ist eine Folge der Hormonumstellung oder – wenn man nicht ausreichend Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe zuführt- kann dies auch eine Folge von Mangelerscheinungen sein. Der Organismus des Körpers “überspringt” eine Wachstumsphase der Haare, was dazu führt, dass diese ausfallen. Dieses Schicksal ist auch mir nicht erspart geblieben. Ich hatte darüber schon vor der OP gelesen und mich “geistig” darauf eingestellt, es war aber trotzdem nicht angenehm. Nach dem Haare waschen und kämmen hatte ich regelmäßig die Hände voller Haare. Allein der Gedanke, dass dies wieder vorbei gehen würde, kann einem dabei helfen, dass man gelassen bleibt. Meine Haare sind jedoch nicht büschelweise ausgefallen, es hielt sich im Rahmen und man merkt soweit nichts, wenn man es nicht weiß. Auch heute, gut ein Jahr nach der OP, verliere ich immer noch mehr Haare als “üblich”, ich hoffe, dass sich das irgendwann legt.

Nach der OP hatte ich eigentlich erwartet, dass ich mich müde und schlapp fühle. Schließlich nahm ich nicht wirklich viel Nahrung zu mir. Woher sollte also die Energie kommen? Aber ich war verblüfft: Dem war nicht so! Nichts desto trotz war ich noch vorsichtig mit meinen Aktivitäten, vor allem sportlicher Natur. Ich wollte nicht irgendwo zusammenklappen, weil ich nicht mehr konnte. Dies merkte ich beispielsweise auf einer Reise nach Südtirol. Wir waren eine Gruppe und wanderten in den Bergen. Ich hatte keine Ahnung, wie lange die Wanderung noch dauern würde und wie mein Körper reagieren würde. Ich war zwar nicht erschöpft, aber mein Körper signalisierte mir nach 1 ½ Stunden, dass ich eher etwas kürzer treten sollte. Ich war enttäuscht. Mein Körper machte mir einen Strich durch die Rechnung. Sowas kannte ich ja schon von vor der OP. Die Abnahme lief zwar super, aber auch mit 120 kg ist es noch viel anstrengender in den Bergen zu wandern als mit 65 kg. Ich musste mich also noch etwas gedulden. Noch konnte ich nicht mit Normalgewichtigen mithalten.

Gerade in solchen Situationen, wie ich sie da erlebt habe ist es wichtig, sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen und auf ihn zu hören. Ich hatte so lange nicht auf meinen Körper gehört und ihn so lange vernachlässigt, ich musste erst eine neue “Beziehung” zu ihm aufbauen. Der Körper ist nun einmal das physische Gebilde, welches um unseren Geist herum ist und es kann dem Geist nur gut gehen, wenn es auch dem Körper gut geht. Es gilt also diese beiden in Einklang zu bringen, damit man sich auf beiden Ebenen wohlfühlt.

Diese “Schattenphasen” gibt es immer wieder im Laufe der Abnahme, manche haben sie häufiger, manche seltener. Wichtig ist in diesen Phasen zu akzeptieren, dass einem der Körper (noch) Grenzen setzt und wirklich darauf zu achten die Signale des Körpers ernst zu nehmen. Die OP bietet die Chance, dass man sich wieder auf den Körper und die körperlichen Reaktionen konzentriert. Man ist durch die ganze Umstellung auf allen Ebenen gezwungen, sich sehr intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, und dies kann eine große Chance sein wieder mit seinem Körper in Kontakt zu kommen und eine liebevollere Beziehung zu ihm aufzubauen. Auch wenn es Phasen gibt, wo man am liebsten aus seinem Körper springen würde, weil man enttäuscht oder genervt von den Reaktionen ist.

Wie erwähnt, der Haarausfall ist noch (abgeschwächt) da, die Sache mit dem Nerv hat sich aber gottseidank nur etwa 3 Wochen gehalten. Auch das Gefühl, nicht mithalten zu können und nicht zu wissen, wieviel man sich körperlich zutrauen kann, wurde immer besser. Inzwischen ist es ganz verschwunden. Dies liegt auch definitiv daran, dass ich wieder mehr essen kann, als noch zu Beginn (logisch, ich kann mich ja nicht ein Leben lang von ½ Semmel ernähren).

Wie meine Entwicklung in Bezug auf Essen war und wie meine Ernährung nun aussieht, das erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

 

Fotos: Birgit Barilits, Patientin (anonym)

Projekt Unbeschwert – Episode 7

Projekt Unbeschwert – Episode 7

„Ganz viele Erste Male“- Die ersten  Wochen nach der Operation

Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Kann ich xyz nach der OP noch essen? Werde ich je wieder etwas genießen können nach der OP? Solche und ähnliche Fragen hört man recht häufig von noch nicht Operierten. Und eine definitive Antwort kann man nicht geben. Denn jeder Körper ist anders, jeder Körper reagiert anders auf Nahrung. Nach der OP gibt es 100te “Erste Male”. Die ersten Male nach der OP, die man etwas tut. Sei es etwas probieren, was man vorher ganz selbstverständlich gegessen hat, sei es etwas Neues ausprobieren und, und, und. Auch jetzt, ein Jahr nach der OP, habe ich noch viele erste Male. Jetzt sind es vor allem die ersten Male, die ich etwas machen kann, was ich mit höherem Gewicht noch nicht machen konnte (oder es mir eingebildet habe nicht machen zu können). Nach der OP war es aber ganz klar das Austesten, welche Nahrung mein Körper gut verträgt oder eben nicht.

Ich bin immer eine große Freundin des Kaffeetrinkens gewesen (und bin es auch heute noch). Ob ich Kaffee wohl nach der OP noch vertragen würde? Zwei Tage, nachdem ich wieder daheim war, war tolles Frühlingswetter. Wir gingen im Prater spazieren. Es war alles noch ein bisschen beschwerlich, aber vier Tage nach der OP war meine gesundheitliche Verfassung im Grunde wirklich super! Wir setzten uns in ein Café und es roch nach Kaffee. Ob ich es wohl wagen sollte, einen zu probieren? Gesagt, getan. Ich bestellte mir noch Wasser dazu, um den Kaffee eventuell zu verdünnen. Ganz vorsichtig nahm ich einen mini-mini Schluck und wartete. Hörte auf meinen Bauch, jederzeit bereit die Toilette aufzusuchen. Aber nichts geschah. Weder mein Magen noch mein Darm rebellierten. Juhuuu!!! Ich konnte also wieder Kaffee trinken! Für mich der Inbegriff von Genuss. Dann noch zwischen blühenden Kirschen und Marillen- das Leben war schön.

Nach 10 Tagen wurden mir die Klammern entfernt, ich war froh, dass sie endlich weg waren. Und ich durfte gleich danach das nächste “Erste Mal” erleben! Radfahren! Die Ärztin hatte mir erlaubt langsam wieder mit Sport anzufangen. Ganz langsam stieg ich aufs Rad. Es zwickte schon ein bisschen, aber ich fuhr! Mehr als zwei km schaffte ich an dem Tag nicht, aber: Auch das klappte! Es ging also Stückchen für Stückchen weiter.

Es gab aber auch erste Male, die nicht so gut geklappt haben. Etwa 1 ½ Monate nach der OP habe ich ein Puten-Frankfurter essen wollen. Das war keine gute Idee. Es drückte sehr im Magen und ich hatte das Gefühl, als würde es in der Speiseröhre stecken bleiben. 30 Minuten lief ich durch die Wohnung, in der Hoffnung, es würde besser werden. Dann versuchte ich es mit einem Schluck Wasser “hinunter zu spülen”. Keine gute Idee. Mir wurde nur noch übler. Das war wohl noch ein wenig zu früh mit den Puten-Frankfurtern. Heute, nach einem Jahr sind die Puten-Frankfurter aber kein Problem. Der Körper braucht Zeit, sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen und diese Zeit muss man ihm einräumen und gut auf ihn hören. Puten-Frankfurter wurden also erst einmal vom Speiseplan verbannt.

Das erste Eis gab es im Sommer, ca. zwei Monate nach der OP. Natürlich muss die Ernährung nach der OP umgestellt und angepasst werden und natürlich isst man kleinere Portionen. Es heißt aber nicht, dass man sein Leben lang asketisch leben und auf alles verzichten muss. Mit der OP bekommt man die Chance, von kleineren Portionen satt zu werden und nicht mehr so viel essen (zu können). Die Kunst ist es einen genuss- und maßvollen und gesunden Umgang mit dem Essen zu lernen. Das ist schwerer getan als gesagt, hatte ich doch vorher das Maß völlig verloren.

Anmerkung Diätologin: Achtung, mögliche Dumping-Gefahr* – wie auch weiter unten im Text beschrieben! Beachten Sie, was Sie in den Ernährungberatungen gelernt haben und dass Sie nicht wieder in alte Muster hineinrutschen – besonders wenn Sie zu den glücklichen Personen gehören, die danach alles vertragen!

*Erklärung:

Da nach der Magenresektion die Pylorusfunktion (Schließmuskel zum Darm hin) fehlt, kommt es zur raschen Entleerung des Nahrungsbreis in den Darm. Süße Lebensmittel und Getränke bewirken eine sogenannte Hyperosmolarität. Dadurch kommt es zum massiven Flüssigkeitseinstrom in die Darmlichtung. Direkt im Anschluss (daher „Frühdumping“) an die Nahrungsaufnahme treten möglicherweise krampfartige Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Brechreiz, starke Müdigkeit sowie Kreislaufsymptome auf.

Beim „Spätdumping“ wird Glukose schnell resorbiert und führt zu einem schnellen und hohen Blutzuckeranstieg mit einer vermehrten Ausschüttung von Insulin. Dadurch wird der Blutzucker schnell wieder aus dem Blut entfernt. Niedriger Blutdruck, Schwächegefühl, Hunger und Schwitzen sind Symptome des Spätdumpings – quasi die Symptome des Unterzuckers.

Auf ein weiteres erstes Mal war ich sehr gespannt. Das erste Mal Reis essen. Ich hatte von einigen Operierten gelesen, dass sie keinen Reis mehr vertragen haben. Das wäre für mich sehr, sehr blöd gewesen, denn ich bin beruflich immer mal wieder in Asien unterwegs. Und dort ist das Grundnahrungsmittel nun einmal Reis. Als ich nach zwei Monaten wieder “normale” Vollkost essen durfte, probierte ich also Reis. Wenn ich etwas das erste Mal probiert habe, dann habe ich immer nur ein kleines bisschen gegessen und erst einmal abgewartet, wie der Körper reagiert. Ich nahm also eine kleine Gabel, kaute gut und wartete. Und siehe da: Es passierte nichts! Juhuu!! Also ging auch Reis! Ich war sehr erleichtert, jetzt stand der nächsten Dienstreise nichts mehr im Wege.

Es wird immer wieder gefragt, ob und wann man nach der OP Alkohol trinken kann. Durch den kleinen Magen und den verkürzten Darm verändert sich auch die Aufnahme des Alkohols ins Blut. Manche berichten, dass sie sehr schnell betrunken sind, andere spüren keine Veränderung. Da Alkohol die Fettverbrennung hemmt und (für mich) nicht unbedingt lebensnotwendig ist, habe ich die ersten 9 Monate nach der OP nichts getrunken. Ich wollte nichts riskieren und habe auch kein Verlangen danach gehabt. Das erste ¼ Glas Wein habe ich an Weihnachten getrunken.

In meinem Falle sind die “ersten Male” wirklich fast alle positiv verlaufen. Ich vertrage sehr viel, manchmal vielleicht sogar zu viel. Vor allem beim Magenbypass berichten Operierte, dass sie beispielsweise nach viel Zuckerkonsum ein Dumping hatten. Ein Dumping hat man dann, wenn sich der Inhalt des Magens “sturzartig” in den Darm entleert. Warum passiert das? Nach dem Bypass gibt es keinen Magenpförtner mehr, der den Nahrungsbrei gleichmäßig in den Darm abgibt. Im Magen findet die Vorverdauung statt, bevor die Nahrung in den Darm gelangt. Wenn jetzt aber die Nahrung zu schnell in den Darm kommt, findet eben diese Vorverdauung nicht statt und das Essen kommt fast unverändert in den Darm. Dies kann bei vielen zu Übelkeit, Zittern, Müdigkeit, Blutdruckabfall oder anderen Symptomen führen. Es gibt Operierte, die haben damit große Probleme, andere haben das noch nie gehabt. Aber auch dies ist eine ernst zu nehmende Reaktion des Körpers, der einem ziemlich zuverlässig mitteilt, was er braucht oder auch nicht. Dies hatte ich bei meinen vielen ersten “Essensmalen” immer im Hinterkopf und habe die meisten neuen Sachen dementsprechend daheim ausprobiert, wo ich mit zur Not hinlegen konnte oder eine Toilette nicht weit war.

Heute, ein Jahr nach der OP kann ich sagen, dass ich fast alles vertrage. Mit Ausnahme vielleicht von Trockenfleisch. Aber es lässt sich auch ohne Trockenfleisch recht gut leben.

Es gab bei mir jedoch auch Rückschläge, es war kein permanentes Hoch. Die für mich schwierigste Zeit nach der OP war ca. einen Monat später. Ein eingeklemmter Nerv bereitete mir Schmerzen und ließ mich langsamer treten. Auch ein Signal des Körpers?

Mehr über die Signale des Körpers und auch die körperlichen Auswirkungen der OP erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Bis dahin, einen schönen Frühling!

Foto: Birgit Barilits

 

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Episode 5

Episode 6

Projekt Unbeschwert – Episode 6

Projekt Unbeschwert – Episode 6

Geschafft!! Der Beginn meines Lebens 2.0 nach einem erfolgreichen 2. OP Versuch

Willkommen liebe LeserInnen in meinem Leben 2.0!
Leben 2.0, so nennen viele Operierte ihr Leben, welches nach der OP beginnt. Warum? Weil man die Chance bekommt, ein neues Leben zu beginnen, durch die OP hat man eine “Krücke” bekommen, die einem hilft, wieder normal große Portionen zu essen (bzw. eigentlich mini-mini Portionen, aber ich meine damit, dass man keine riesigen Portionen mehr braucht, um satt zu werden), die das Hungergefühl reduziert und die einen dabei unterstützt ein neues Essverhalten zu erlernen.

Die OP ist aber eben nur eine Krücke und kein Allheilmittel. Denn eines ist gewiss: Es wird der Magen operiert und nicht der Kopf. Und diese Tatsache kann einem sehr schnell zum Verhängnis werden und es erfordert viel Kraft, Aufwand, Durchhaltevermögen und kritische Selbstanalyse, wenn man sein Leben 2.0. wirklich nutzen will.

Aber erst einmal zu meiner OP und meinen ersten Tagen danach. Es sind ja noch weitere Blogeinträge geplant, wo ihr mehr darüber erfahrt, wie mein Leben 2.0 abläuft 🙂

Einen Tag vor der OP wurde ich im Spital aufgenommen, es wurde noch Blut abgenommen und einige andere Untersuchungen gemacht, um auch wirklich sicher zu gehen, dass es mir gut geht. Das ist es Gute bei der OP. Man geht vorbereitet in die OP und ist gut durchgecheckt. Bei mir passte alles und so konnte die OP wie geplant stattfinden.

Langsam stieg die Aufregung. Was mich wohl nach der OP erwarten würde? Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst: dass ich Schmerzen haben würde, mich wochenlang nur von flüssiger Nahrung ernähren kann oder sonst irgendwie Einschränkungen haben würde. Ich hatte von Leuten gelesen, denen es super ging, andere haben die ersten Monate wirklich zu kämpfen gehabt. Aber, wie schon beim letzten Mal geschrieben: JedeR macht seine eigenen Erfahrungen und das sollte man im Hinterkopf behalten.

Am nächsten Tag wurde ich um 5 “geweckt” (gut geschlafen hatte ich nicht wirklich…), ich sollte gleich die Erste im OP sein. Um halb 8 ging es los und ich wurde in die OP Vorbereitung geschoben. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich meinen Namen sagen sollte und mein Geburtsdatum. Man wollte sicher gehen, dass ich auch die richtige OP bekam und nicht zufällig mit einer neuen Hüfte aufwachte oder so was. Die letzten Minuten bevor ich dann final in den OP geschoben wurde waren nicht angenehm. Langsam stieg die Panik. Was, wenn doch bei der Narkose etwas schief gehen würde? Würde ich wieder wach werden und es wäre nicht erfolgreich gewesen? Es war nicht die OP, vor der ich mich fürchtete, sondern die Narkose. Denn auch die Narkose birgt ein Risiko, gerade bei viel Übergewicht und bei mir noch mehr, das hatte man ja gesehen… Die Tränen kullerten nur so, aber die OP PflegerInnen versuchten mich zu beruhigen und schnell bekam ich vom geschäftigen Treiben um mich herum nichts mehr mit und befand mich im Reich der Träume.

— 4 Stunden später–

Ich wachte auf und lag auf derselben Intensivstation wie auch schon drei Monate zuvor. Diesmal hingen aber deutlich weniger Kabel an mir. Das konnte nur ein gutes Zeichen sein! Schon kam ein Pfleger und eröffnete mir, dass alles gut gelaufen sei. Gott sei dank!!! Mein Leben 2.0. hatte begonnen!! Mir war kurz übel, aber heutzutage gibt es für alles Mittel und Wege, um Beschwerden zu lindern, und schnell war die Übelkeit wieder vorbei. Man hielt mir ein Telefon an die Wange, so konnte ich meinem Vater sagen, dass ich wieder unter den Lebenden war. Allerdings war ich noch ziemlich benebelt. Kein Wunder. Immerhin hatte ich eine OP hinter mir.

Erstaunlicherweise hielten sich auch meine Schmerzen in Grenzen, ich fühlte mich keinesfalls so elend, wie ich gedacht hatte. Nach 2 Stunden musste ich zur Toilette. Und siehe da: Ich war sogar in der Lage aufzustehen und auf die Toilette zu gehen!! Zwar langsam und etwas wackelig auf den Beinen, aber mithilfe einer Schwester und dem Geländer an der Wand des Ganges ging das Ganze erstaunlich gut. Nichtsdestotrotz war ich schläfrig, plauderte zwar mit meinem Vater, hatte jedoch die Augen weitestgehend geschlossen.

Am Nachmittag bekam ich Durst. War aber unsicher: Durfte ich schon trinken? Immerhin war gerade an meine Magen herumorperiert worden! Was, wenn da etwas nicht dicht war? Aber: Studieren geht über Probieren und ich sollte sogar versuchen zu trinken. Ganz langsam nahm ich einen Schluck, in Erwartung, dass er sofort wieder Retour kommen würde. Aber nichts da. Er blieb drin und kullerte durch den Magen. Super! Es ist schon erstaunlich, was man mit der heutigen Medizin alles machen kann. Im Vorhinein hatte ich gelernt, dass man gerade zu Beginn kleine Schlucke nehmen muss, Trinken in großen Schlucken und “in einem Zug” sei wohl erst mal nicht möglich (oder gar nicht mehr möglich) und ich nahm daher zu Beginn Baby-Schlucke. Immer in gespannter Erwartung, wie mein Körper darauf reagieren würde. Ihr seht also schon: Die vielen ersten Male hatten begonnen! (Einen ausführlicheren Beitrag über die vielen ersten Male nach der OP gibt es im April) Ich musste alles neu ausprobieren, lernen und schauen, wie es mir damit geht. Laaaaaangsam. Es dauert ca. sechs Wochen, bis die inneren Wunden vollständig verheilt sind. Diese Zeit sollte man dem Magen und Darm auch geben, ihn möglichst gut und pfleglich behandeln und so bei der Heilung unterstützen.

Wie das geht? Nicht rauchen, leicht verdauliche Kost essen die den Magen nicht zu sehr belastet und die er nicht groß “verarbeiten” muss, kauen, kauen, kauen, nichts mit Kernen und sonstigen Dingen essen, die eventuell in den Nähten hängen bleiben können usw. In einem zertifizierten Adipositaszentrum gehört die ernährungsmedizinische Vorbereitung jedoch zwingend zur OP Vorbereitung dazu und ich kann nur jeder und jedem raten, dass man sich vorher mit dem Thema “Ernährung und Verhalten nach der OP” auseinandersetzt. Es kommt zwar eh meist anders, als man sich das vorgestellt hat, aber man hat zumindest gewisse Grundlagen, Verhaltensweisen und Empfehlungen, an die man sich halten kann.

Am Abend kam dann mein Vater noch einmal vorbei und da wurde ich langsam wieder fitter. Also ging ich ein paar erste Schritte mit ihm auf dem Gang. Je schneller der Kreislauf in Schwung kam, desto besser! Ich war glücklich, das war ja alles viel besser gelaufen, als ich mir gedacht hatte.

Die ersten Schritte…

Nachdem die Nacht komplikationsfrei verlaufen war, wurde ich am nächsten Tag auf die Normalstation verlegt. Dort erwartete mich zum Mittagessen eine leckere Brühe. Mir war weder übel noch hatte ich starke Schmerzen. Ob ich überhaupt operiert war? Ja, schon, denn es waren 5 große Pflaster auf meinem Bauch und das Gehen und an- und ausziehen war doch etwas mühsam.

Am Abend gab es noch eine “lustige” Begebenheit: Bei der genaueren Betrachtung meines Bauches fiel mir eine Art “Hügel” an einer Stelle auf. Was das wohl sein konnte? Als eine Schwester kam, fragt ich sie um Rat, sie wusste aber auch nichts und holte einen Arzt hinzu. Er kam, drückte auf meinem Bauch herum (das tat zugegebenermaßen schon recht weh…), konnte aber eine weitere Diagnostik nur per Ultraschall feststellen. Leider war der zuständige Facharzt dafür jedoch bereits im Feierabend, der Arzt nahm sich jedoch Zeit und gemeinsam suchten wir ein Ultraschallgerät auf. Der Arzt flitzte durch die Gänge, ich war zwar schon recht gut zu Fuß, aber mit seinem Tempo konnte ich nur 36 Stunden nach der OP nicht mithalten. “Ach, ich habe ganz vergessen, dass Sie erst so kurz operiert sind” kommentierte er nur und flitzte weiter. Der Ultraschall zeigte aber weder freie Flüssigkeit, noch irgendein anderes Ergebnis, was einen Grund zur Beunruhigung darstellen sollte, von daher konnte ich diesmal in gemächlicherem Tempo wieder aufs Zimmer gehen.

Die ersten „Bissen“ 😉 …

Am Sonntag bekam ich zum Frühstück bereits ein ungetoastetes Toastbrot. Ich schnitt die Rinde ab und aß ganz langsam und bedacht, auch hier wieder mit der Erwartung, dass mein Magen in irgendeiner Weise rebellieren würde. Aber auch das tat er nicht. Ich war hocherfreut. Nach einem halben Toast war ich satt. Nachmittags saß ich bereits mit meinem Vater in der Cafeteria des Spitals und freute mich über Kamillentee (soll ja bekanntlich beruhigen und tat hoffentlich dem Magen auch gut) und freute mich noch mehr, dass es mir so gut ging. Noch besser: am nächsten Tag sollte ich entlassen werden!

Dem war tatsächlich so, mein Leben 2.0 Zuhause konnte beginnen. Die ersten 3 Tage sollte ich mich noch von breiiger Kost ernähren. Alles, was irgendwie den Magen “in Arbeit” versetzen könnte, sollte ich auslassen. Im Vorhinein hatte ich mir bereits einige Rezepte herausgesucht, die man dann in den ersten Wochen kochen konnte. Bei meinem ersten Frühstück zuhause gab es Rührei (natürlich ohne Röstaromen und nur mit wenig Salz) und nach einem halben Rührei war ich satt. Man muss wirklich sehr, sehr gut auf seinen Körper hören und bei dem kleinsten Sättigungsgefühl aufhören zu essen. Das klingt einfach, ist es aber gar nicht. Vorher gab es bei mir entweder Hunger oder “zu viel gegessen”. Das war schon die erste Hürde, dass man da gut auf seinen Körper hört. Und diese Hürde besteht weiterhin und wird nach den ersten 9 Monaten erst richtig auf die Probe gestellt, wenn man sich erst an alles gewöhnt hat. Es gibt weiterhin viele, viele leckere Sachen auf der Welt und gerade bei Buffets oder bei Gelegenheiten, wo es viel gutes Essen gibt, ist man schnell versucht mehr zu essen, als man eigentlich sollte. Dieses Problem hat man jedoch die ersten Tage und Wochen und manchmal sogar Monate nicht.

Eine weiter “Neuerung” bei der Ernährung ist es, dass man ca. alle 3 Stunden etwas essen soll. Es ist ja eh nicht viel, aber der Körper braucht Nahrung – insbesondere Eiweiß – und es ist erwiesen, dass, wenn man zu wenig davon isst, weniger abnimmt und noch mehr den Risiken der Mangelernährung ausgesetzt ist. Dies wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Zudem soll man zwischen Essen und Trinken in etwa eine halbe Stunde Zeit verstreichen lassen. Gerade am Anfang bedeutet das viel Organisation und Abstimmung immer die Zeiten einzuhalten und zu schauen, wie das Ganze jetzt getaktet wird. So war ich die ersten Tage vor allem damit beschäftigt, mich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Ein Glück, dass ich noch nicht arbeiten musste!

Das waren also die ersten 4 Tage meines Lebens 2.0. Ich hatte mir das Schlimmste ausgemalt, aber es war so ungefähr das Beste passiert, was mir hätte passieren können. Nämlich: Es ging mit gut! Und das machte mich so glücklich! Und: Ich war nach mini-mini Portionen satt! Viele Frisch-Operierte (oder auch Langzeit-Operierte) verspüren erst einmal kein Hungergefühl und müssen sich zum Essen zwingen. Das kann ich von mir nicht behaupten. Ich hatte Hunger. Aber ich war nach sehr, sehr kleinen Portionen satt und ich kann euch gar nicht sagen, wie froh mich das machte. Meine Erwartungen an die OP, nämlich das ich weniger Hunger hatte bzw. schneller satt wurde, hatte sich jetzt schon erfüllt.

Mein Leben 2.0. war also großartig und eigentlich bilderbuchmäßig gestartet und ich war gespannt, was es noch für mich bereithalten würde.

Darüber und über meine vielen “Ersten Male” erzähle ich euch im April.

 

Fotos: Autorin (anonym)

 

Episode 1

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Episode 4

Episode 5

Projekt Unbeschwert – Episode 4

Projekt Unbeschwert – Episode 4

Hallo liebe LeserInnen!

Ich wünsche Euch allen ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr 2019! Wir haben bei unserer Silvesterfeier darüber gesprochen, was wir 2018 hinter uns lassen bzw. wie wir 2018 beschreiben würden. Und dazu fiel mir bei mir nur eines ein: unbeschwert(er). Während ich diese Blogeinträge verfasse, erlebe ich die Dinge wie im Zeitraffer. Für die Einträge haben wir uns aber dazu entschieden jede Episode einem Thema zu widmen und für eine erfolgreiche Abnahme und das “Leben danach” die ersten 6 Episoden “nur” über die Vorbereitung und die OP zu berichten. Deshalb: Lasst Euch überraschen, was Euch dieses Jahr an Erfahrungen erwartet! Ich verspreche Euch: Sie werden vielfältig sein!

Der Eintrag heute passt sehr gut, denn ungefähr vor genau einem Jahr habe ich die intensive Phase der Vorbereitung auf die OP begonnen.
Richtig begonnen hat die individuelle OP-Vorbereitung aber natürlich schon früher. Ich komme immer gerne ein wenig informiert zum Arzt und so hatte ich mich bereits grob über das Thema “bariatrische OPs” informiert, bevor ich ins Adipositas-Zentrum ging. Nach dem Gespräch dort verbrachte ich die Abende nach der Arbeit oft vor dem Computer und las viel in den zahlreichen Gruppen in den sozialen Netzwerken, die sich mit dem Thema beschäftigen. Es gibt immer wieder Einträge dort, die mich sehr verwundern, aber das Wort “Schwarmintelligenz” bzw. “Schwarmwissen” scheint hier angebracht zu sein. JedeR kann aus eigenen Erfahrungen berichten und schildern wie er/sie mit der Situation und Vorbereitung umgeht. Auffällig ist, dass kein Verlauf der OP und auch die Vorbereitung und das Danach dem anderen gleicht. Aber es tat sehr gut, dass es Leute gibt, die im selben gleichen Boot sitzen und denen man Fragen stellen kann – auch wenn die Antworten teilweise mit Vorsicht zu genießen sind. Nichtsdestotrotz bin ich ein großer Freund dieser Gruppen und beteilige mich auch jetzt nach der OP aktiv an den Diskussionen.

Der digitale Austausch mit Operierten bzw. Menschen, die vor einer OP stehen, war aber nur eine Säule meiner individuellen Vorbereitung. Ich war mir bewusst, dass es nach der OP nicht einfach werden würde und so wollte ich mir bereits vor der OP eine Art “Netzwerk” aufbauen, auf welches ich zurückgreifen kann, wenn es mir nach der OP nicht so gut geht. Denn auch das habe ich im Laufe der Vorbereitung festgestellt und mich darauf vorbereitet: Die OP ist für mich wie eine Blackbox. Man weiß nicht, was dahinter ist, es kann wunderbar sein, es kann aber auch weniger schön sein, man weiß es nicht. Man kann aber zumindest manche Dinge beeinflussen und getreu dem Motto “Expecting the worst- hoping for the best” habe ich mich darauf konzentriert, dass ich Unterstützung habe, wenn es mir nach der OP nicht so gut geht.
Auch “Offline”, nämlich in Wien selbst, gibt es diverse Selbsthilfegruppen zum Thema Adipositas-OPs und zu einer solchen Gruppe bin ich hingegangen und es war super. Dort gibt es die unterschiedlichsten Menschen: Langzeit-operierte, Frisch-operierte, Nicht-operierte und andere Menschen, die sich für das Thema interessieren oder einfach nur mal schauen wollen. Jung, alt, alles ist vertreten und das Gespräch und der Austausch mit den Leuten war noch einmal intensiver als in den sozialen Netzwerken und natürlich auch regionaler. Und auch hier gab es Leute, die supertoll abgenommen hatten, andere hatten zwar toll abgenommen, aber wieder einiges zugenommen, wieder andere hatten viele Komplikationen und, und, und. Jede Geschichte war auch hier wieder anders. All die Erfahrungen und Schilderungen haben meinen Horizont erweitert und ich habe neue Inputs bekommen, konnte Fragen stellen und habe Dinge gelernt oder Seiten erfahren, die ich noch nie bedacht hatte.

Die Treffen finden monatlich statt und ich bin regelmäßig dort. Einige der Teilnehmenden sind inzwischen zu FreundInnen geworden. Den Besuch einer solchen Gruppe kann ich nur jeder/m ans Herz legen, denn auch nach der OP kann man sich dort Rat holen und nicht nur Freud’, sondern auch Leid teilen und man bekommt jedes Mal wieder neuen Auftrieb und auch Mut, wenn es mal nicht so gut läuft. Also eine wirklich wichtige Säule.

Immer wieder habe ich aber auch gelesen und gehört, wie wichtig der Einbezug des Kopfes bei der OP ist. Extremes Übergewicht wie ich es habe, hat in den seltensten Fällen nur genetische Ursachen, sondern meistens auch psychische und Verhaltensursachen. Psychologen habe ich ja in meinem Leben bereits relativ häufig aufgesucht, jedoch nicht wirklich erfolgreich. Aber vielleicht hatte ich den/die RichtigeN einfach noch nicht gefunden!? Es konnte jedenfalls nicht schaden, noch einen Versuch zu wagen.  Eine Freundin hatte mir eine Psychologin empfohlen, die auf das Thema Essstörungen spezialisiert ist und dort habe ich einige Termine wahrgenommen und schon einmal meine “Gewichtsgeschichte” erzählt. Wir haben versucht Mechanismen zu erarbeiten, wie ich nach der OP auch meinen Kopf mit ins Boot hole. Das Anwenden der Mechanismen vor der OP war jedoch weniger erfolgreich. Neue Erkenntnisse über die seelischen Ursachen meines Übergewichts bzw. Strategien oder neue Verhaltensweisen anstatt Essen waren eher Mangelware und zumindest kurzfristig nicht von Erfolg gekrönt. Im Nachhinein glaube ich auch, dass ich die wahren Ursachen meines Übergewichts (“Stress” wie in Episode 1 bereits beschrieben) eigentlich erst nach der OP herausgefunden habe und dass die Psychotherapie auch deshalb nicht von dem gewünschten Erfolg gekrönt war. Nichtsdestotrotz war ich froh, dass nun eine Psychologin meine Geschichte kannte und wo ich dann auch nach der OP hingehen kann, ohne alles von vorne erzählen zu müssen. Und 1x habe ich das nach der OP bereits genutzt und es hat mir sehr geholfen.

Aber da war ja auch noch etwas über eine Auflage des Krankenhauses, dass ich 5kg abnehmen sollte vor der OP. Der Grund dafür ist vor allem, dass auch durch auch eine geringe Gewichtsreduktion (und bei meinen Gewicht waren 5kg wirklich nicht viel) die Leber kleiner wird. Viele Übergewichtige leiden unter einer sogenannten Fettleber und je größer die Leber ist, desto schwieriger ist die Operation. Manchmal müssen ÄrztInnen sogar eine andere OP-Methode wählen, wenn die Leber zu groß ist. Diese Auflage hat man mir bereits im August gegeben und ich war mir sehr sicher, dass ich das mit Links bis zur OP im Jänner schaffen würde. Aber hier machte mir meine Selbstdisziplin einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Die Monate vor Weihnachten sind bei mir immer mit viel Arbeit und Trubel verknüpft, zudem fand noch eine Dienstreise statt und meine Vorbereitung auf die OP bestand nur aus dem Lesen der Beiträge in den sozialen Medien. All meine Pläne über die gesunde Ernährung und den vielen Sport hatte ich scheinbar vergessen.

Die Ernährungsberaterin hatte mir bereits einiges über die Ernährung vor und nach der OP erzählt und auch in den zahlreichen Büchern stand viel darüber. An Wissen mangelte es mir also nicht. Aber ich schaffte es einfach nicht, die Dinge umzusetzen. Damit ging es mir ganz und gar nicht gut, ich zog mich zurück und wollte allein sein und ich hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und Angst, dass ich nicht operiert werden könnte.
Irgendwie habe ich dann aber doch am 2. Weihnachtsfeiertag den Schalter umlegen können und streng kohlenhydrat- und fettarm gegessen, damit die Leber möglichst klein wird. Auch habe ich angefangen mit zusätzlichen Vitaminen die Nährstoffspeicher meines Körpers bestmöglichst zu füllen, denn ein gut versorgter Körper wird schneller gesund. Die OP war für den 16.1. angesetzt und der Skiurlaub über Silvester wurde dazu genutzt, noch einmal intensiv Sport zu treiben. Und auch da bin ich standhaft geblieben gegenüber den Leckereien der Hütten oder sonstigen Versuchungen. Also, geht doch!

Im Prinzip war nun alles “bereit”. Ich war mit meinem neu geschaffenen “Adipositas-Netzwerk” sehr zufrieden, habe am Schluss doch noch einmal die Kurve gekriegt und die OP konnte kommen!

Bilder: Birgit Barilits, Fotolia

 

Episode 1

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Episode 3

Episode 5

Projekt Unbeschwert – Episode 3

Projekt Unbeschwert – Episode 3

Bald wird sich mein Leben grundlegend verändern: (Wie) Sage ich es meinem Umfeld?

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

pünktlich zu Weihnachten, welches vermutlich viele von euch mit Freunden und Verwandten feiern, kommt hier – sozusagen „druckfrisch“ – mein Beitrag über die Frage ob und wie ich meiner Familie, meiner Arbeitsstelle und meinen Freunden von der OP erzählte. In den vergangenen Beiträgen habe ich euch ja bereits an der Entscheidungsfindung und den Voruntersuchungen teilhaben lassen. Nun war es aber auch an der Zeit, mein Umfeld darüber zu informieren, was ich vorhatte…

Die Frage, ob man es dem Umfeld sagt, dass man operiert wird, oder ob dies für jemanden zu persönlich ist, das kann nur jede/r für sich selbst beantworten. Ich kenne Menschen, da weiß von der OP nur der allerengste Familienkreis und sonst niemand. Zu groß ist die Sorge vor “Verurteilung”, übler Nachrede, … oder vielleicht will man so etwas Persönliches auch nicht preisgeben. Man weiß schließlich nicht, wie das Umfeld reagiert und ob das informierte Umfeld dann eher eine Last oder eine Stütze ist.

Für mich war sehr schnell klar, dass ich mit dem Thema offen umgehen werde. Ich bin ein kommunikativer Mensch und die OP würde so vieles in meinem Leben verändern, ich würde es nicht aushalten das alles für mich zu behalten. Zudem wäre es in Zukunft mit sehr viel “flunkern” verbunden, wenn ich nicht zumindest einige “Schlüsselpersonen” in mein Vorhaben einweihen würde.

Die Einladung zu einer Hochzeitsfeier in der Heimat kam gerade Recht, denn ich wollte meine Eltern gerne persönlich in meine Pläne einweihen. Und es war fast so, wie ich vermutet hatte: Meine Eltern haben mir lange zugehört und waren sich dann beide einig, dass der Schritt auf jeden Fall der Richtige ist, dass sie mich voll und ganz bei meinem Vorhaben unterstützen. Sie haben auch gleich angeboten während und nach der OP nach Wien zu kommen und für mich da zu sein und dafür war ich ihnen unendlich dankbar. Das Gefühl nach so einer OP dann nicht alleine zu sein ist sehr beruhigend. Auch meine Eltern stimmten mir zu, dass der Zeitpunkt nun der Richtige sei, das Umfeld stabil und das Risiko für Folgeschäden durch die Adipositas inzwischen so groß, dass diese auf jeden Fall schwerer wiegen als das Risiko der OP und lebenslange Einnahme von Supplementen. Mir hat es sehr, sehr gut getan zu wissen, dass meine Eltern hinter mir stehen und das war und ist mir sehr wichtig. Ihre Zustimmung hat meine Zweifel (die bis zur OP da waren) weiter minimiert und nun fühlte sich die Entscheidung noch besser an.

Meinen Bruder habe ich einen Tag später eingeweiht. Wir trafen uns in einem Cafe und das, was er mir gesagt hat, war zum einen Teil erschreckend, zum anderen Teil gut.
Mein Bruder war heilfroh, dass ich mich für eine OP entschieden hatte. Er meinte, er hätte ohnehin nach einer Möglichkeit gesucht, mit mir darüber zu sprechen. Denn er mache sich Sorgen, ich sei in dem Jahr ja bereits ein paar Mal krank gewesen und schon wegen der zukünftigen Gesundheit sei es zwingend notwendig rasch zu handeln. Mein Bruder arbeitet bei der Rettung und er meinte, dass viele seiner PatientInnen mit ähnlichem Gewicht wie ich nicht mehr so mobil sind und viel schlechter dran und dass ich deshalb schnell handeln solle.
Verwundert haben mich aber seine Erfahrungen, die er als mein Bruder gemacht hat. Er bekam immer mal wieder ungläubige Fragen von Leuten wie “Was, die ist deine Schwester?”. Auch Bekannte aus unserem Umfeld haben ihn schon angesprochen was denn mit mir los sei, ich sei doch so erfolgreich, aber warum würde ich nur so aussehen, wie ich aussehe? Diese Aussagen haben mich sehr nachdenklich und auch ein bisschen traurig gemacht. Es ist sehr schlimm, dass sich mein Bruder für mich rechtfertigen musste und mich teilweise auch verteidigen musste. Aber auch von ihm und auch von meinem zweiten Bruder habe ich volle Rückendeckung erhalten und fuhr gestärkt zurück nach Wien – mit der geballten Unterstützung der Familie.

Ich hatte mich auch auf der Arbeit dazu entschieden, die Wahrheit zu sagen. Es hätte sonst viele Fragen aufgeworfen. Wir essen immer alle gemeinsam zu Mittag – das Essen danach würde anders sein, ich würde eine Weile auf der Arbeit fehlen und vielleicht würde es mir am Anfang nicht so gut gehen. Ich wollte offen sein. Gottseidank waren die Verantwortlichen auf der Arbeit genauso offen der OP gegenüber, wie ich mir das erhofft hatte und sie sagten mir ebenfalls Unterstützung zu. Wir schauten gemeinsam nach einem günstigen Zeitpunkt und dementsprechend konnte ich dann die OP planen. Eine wirklich schöne Rückmeldung habe ich von einer Kollegin bekommen. Ich hatte ihr von der OP und dem Wie und Warum erzählt und sie freute sich für mich. Am Abend schrieb sie mir eine Nachricht, die mich total freute: Sie fände es mutig, wie ich mit meiner Geschichte umgehe und ich sei eine starke Frau. Sie sei sehr froh, mich zu kennen.

Solche Nachrichten und viele, viele weitere nette Reaktionen und “Geständnisse” von manchen Leuten haben mich total bestärkt. Ich muss wirklich sagen, dass mein Umfeld durchwegs positiv auf die OP reagiert hat und meine Entscheidung mein gesamtes Umfeld mit einzuweihen sehr, sehr richtig war. Ich glaube, dass es auch für “danach” Vorteile haben kann. Ich gehe jetzt mit meiner Krankheit so offen um wie nie und ich möchte die OP nutzen meine Hormone zu “resetten”. Ich werde aber auch danach sicher das ein oder andere Mal Hilfe benötigen und darf nicht mehr den Fehler machen alles nur mit mir alleine auszumachen und mich zu verkriechen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Probleme meist dann weniger wurden, wenn ich mich jemandem anvertraut habe und Unterstützung bekommen habe. Diese Tatsache sollte ich nun erst recht nach der OP nutzen und bei Problemen um Unterstützung bitten. Und nachdem ich so viel positiven Zuspruch seitens meines Umfeldes für die Entscheidung bekommen habe, würde es mir sicher leichter fallen bei eventuellen Problemen mit Vertrauenspersonen zu sprechen.

Fotoquelle: Pixabay

 

Episode 1

Episode 2

Episode 4

 

Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass

Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass

Liebe LeserInnen,

hier darf ich euch mit der folgenden Einleitung ein ganz besonderes Projekt, einen ganz besonderen und persönlichen Bericht vorstellen. Die Geschichte einer Betroffenen – das „Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass“.

Dies ist ein Bericht aus ganz persönlicher Sicht – der Sicht einer Patientin, aber auch ich werde zum Thema passende Einträge schreiben. Gleich vorweg – all das stellt keine Werbung oder Empfehlung für einen bariatrischen Eingriff dar. Für Fragen/Termine zum Thema stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Ebenso wie meine Kollegin in Korneuburg, Diätologin Raphaela Lebeth – https://www.diaetologie-lebeth.at/ – die das Projekt gemeinsam mit mir betreut.

Aber nun lasse ich Euch/Sie sich selbst ein Bild machen und übergebe die Feder – Los geht es! 🙂

 

Einleitung

Warum ein Blog über Adipositas-OPs?

Lange habe ich mich dagegen gesträubt, ja sogar dagegen ausgesprochen, mich einer Adipositas OP zu unterziehen. Ich wollte es alleine schaffen. Ich hatte bereits einige Male bewiesen, dass ich es kann, das mit dem Abnehmen! Nachdem ich nun aber ganze 21 Jahre meines Lebens damit beschäftigt bin, mich mal mehr, mal weniger mit dem Thema Übergewicht und Adipositas auseinanderzusetzen, unzählige Abnehmversuche hinter mir habe, in Rehakliniken war, meinen Lebensstil versucht habe zu ändern und in Verhaltenstherapien versucht habe die Ursachen des übermäßigen Essens zu finden, musste ich mir irgendwann eingestehen, dass ich es vermutlich doch nicht auf die konservative Art schaffe, dauerhaft abzunehmen. Deshalb habe ich mich (zumindest zu Beginn) schweren Herzens dazu entschlossen, als allerletzten Versuch einen solchen Eingriff bei mir vornehmen zu lassen. Warum schweren Herzens? Mit der Entscheidung für die OP habe ich mir auch gleichzeitig eingestanden, dass ich es eben nicht schaffe und dieses Eingestehen hat mich sehr viel Überwindung gekostet.

Wie jeder Mensch, so ist auch die Geschichte eines/einer jeder/jedes Einzelnen unterschiedlich und einzigartig. Dieser Blog hat nicht zum Ziel, für eine Adipositas OP zu werben. Für wen und wann eine OP gut und sinnvoll ist, das hängt von vielen Faktoren ab und ist äußerst individuell und nicht pauschal zu sagen. Und für manche ist es auch der falsche Weg. Ich möchte in dem Blog über die vielschichtigen Probleme, Risiken, Umstellungen, aber natürlich auch Freunden und Erfolge, die mit der OP verknüpft sind, informieren. Sie bekommen einen Einblick in das Wie/Was/Warum es bei mir zu so einer OP gekommen ist und wie ich mit der neuen Situation umgehe und was mich beschäftigt. Mir ist aufgefallen, dass nicht nur bei vielen Menschen und Ärztinnen und Ärzten, sondern auch bei den Operierten selbst oder solchen, die sich auf eine Adipositas OP vorbereiten, viel Unwissen und Unsicherheit in Bezug auf das Thema herrscht. Dieser Blog soll auch dazu beitragen, dass eine etwas größere Personengruppe mehr über die vielschichtige (individuelle) Thematik Adipositas/Adipositastherapie und hier vor allem dann auch über die Adipositaschirurgie erfährt.

Aber anstatt eines wissenschaftlichen Artikels möchte ich hier teilweise auf ernsthafte, teilweise auf lustige oder ironische Weise von meinem “Projekt Unbeschwert” erzählen. Denn das ist es für mich: Ein Projekt, um in ein in vielerlei Hinsicht unbeschwerteres Leben (so erhoffe ich es mir zumindest) zu gehen. Sowohl im Hinblick auf das (hoffentlich) schrumpfende Gewicht, als auch im Hinblick auf mein gesamtes Leben. Ich erhoffe mir, dass mein Leben unbeschwerter wird und die aktuell vielfältigen Einschränkungen aufgrund des Gewichts weniger werden. Anstelle des Fetts wünsche ich mir in meinem Leben wieder mehr Platz für Freude, Zuversicht und Normalität- Unbeschwertheit eben. Sie sehen, es ist viel Konjunktiv und Hoffnung, eine Garantie für einen Erfolg dieser OP gibt es nicht.

Ich werde sicherlich nicht alles richtig machen und meine Lebensweise nach der OP wird wohl nicht immer so sein, wie es vielleicht von ErnährungsberaterInnen und ÄrztInnen empfohlen wird. Aber wer ist schon perfekt?? Ich gebe jedoch mein Bestes, um zumindest zum größten Teil mein Leben so zu gestalten, wie man es nach einem solchen Eingriff tun sollte (wobei es da auch wieder verschiedene Meinungen und Herangehensweisen gibt, wie eigentlich überall). Diesen “Guidelines” füge ich noch Individualität hinzu und würze es mit Lebensfreude und Experimentierfreudigkeit. So entsteht hoffentlich ein tolles, gesundes und wohlschmeckendes Gericht, welches mich stärkt und begleitet bei meinem “Projekt Unbeschwert” (und auch darüber hinaus!)

Lassen Sie sich überraschen und freuen Sie sich auf zwölf Episoden meiner Reise in ein unbeschwerteres Leben!

 

Nächster Eintrag: Episode 1 – Die Adipositas-OP für mich als letzte Hoffnung

Wann, wenn nicht jetzt?

Wann, wenn nicht jetzt?

Hast du ein Auto? Wenn nicht, dann stell dir doch bitte mal vor, du hättest eines. Ein Auto, bei dem an der Armatur ein paar Warnleuchten aufblinken. ZB von der Bremse, oder vom Tank der gleich leer ist. Was machst du?

1. Wartest du, bis du gegen eine Wand oder den Vordermann fährst, weil du nicht mehr bremsen kannst?

2. Wartest du, bis du auf der Autobahn oder im Nirgendwo strandest?

Nein! Du tust rechtzeitig was (hoffentlich)!

In diesem Sinne – wenn es irgendwo zwickt und zwackt, so ein bisschen, immer wieder mal, aber meistens ignorierst du es, … dann sieh es als Signal an, daß es höchste Zeit ist etwas zu tun! Beispielsweise könnte man mit so lästigen Wehwehchen wie Rückenschmerzen oder Kniebeschwerden zur Physiotherapeutin (zB Judith Dallos, Wahlphysiotherapeutin) gehen, mit Magen-Darm- oder Stoffwechselproblemen zur Diätologin (Birgit Barilits 🙂 ).

Übrigens – wenn ich den Vergleich mit dem Auto nochmal für meine Beratung hernehme: Was das Essen betrifft kann der Tank auch zu voll sein. Der darf da ruhig mal auch leer werden, damit der Körper an die Reserven geht ;).

(…ein zu dickes Auto hab ich nicht gefunden 😉 )

Wann, wenn nicht jetzt? Und wenn du noch etwas Zeit zum Nachdenken brauchst, dann startest du vielleicht im Herbst mit uns in eine neue Runde „Gewichtsreduktion mit Ernährung, Bewegung und Entspannung“ ! Meine Kollegin Conny Schatzer und ich freuen uns auf dich!

Deine Diätologin, Birgit

 

Mag. Birgit Barilits, BSc, Diätologin

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