Gesunde Ernährung im Arbeitsalltag?

Gesunde Ernährung im Arbeitsalltag?

Das ist ein Thema, dass viele beschäftigt. Zeit und Muße für Kochen, Essen und Genuss fehlen irgendwie…

Dabei ist es sooo wichtig! Liebe LeserInnen, lasst euch diese Zeit nicht nehmen, schaut nochmal auf eure Woche, vielleicht gibt es doch kleine, feine Möglichkeiten eurer Ernährung und damit eurer Gesundheit, eurem Körper etwas mehr Zeit zu widmen!

Ich selbst behaupte mal von mir, dass ich auch zu denen gehöre, die viel arbeiten, allerdings kann ich mir meine Zeit ganz gut einteilen, da ich selbstständig tätig bin. Trotzdem kommt es vor, dass meine Tage sehr dicht bepackt sind, sodass ich auch mal durcharbeite und keine großartige Mittagspause habe. Dann schaue ich drauf, dass ich eine Jause mit habe. Das kann sein ein „Salat im Glas“ und ein Weckerl, oder eine Suppe die ich aufwärme oder sogar kalt trinke, oder ein Shake, oder auch mal nur 1 Packerl Buttermilch, Nüsse und Karotten. 15min Pause zum Essen, dass MUSS drin sein. Ansonsten bin ich auch nicht leistungssfähig und das rächt sich irgendwann.

Am Abend koche ich eigentlich bis auf wenige Ausnahmen täglich frisch. Da ich nun schon einige Jahre Übung habe 😉 geht das auch recht flott. In 15-30min, je nachdem was ich koche, habe ich ein frisches Gericht auf den Tisch und der Rest wird eingekühlt für den nächsten Tag. Nebenbei lässt sich auch noch Gemüse für den nächsten Tag schnippeln oder die Bohnen für den Eintopf einweichen. Wenn mehr Zeit ist, koche ich auch größere Mengen vor, auch von ganz klassischen Gerichten, die ich dann portionsweise einfriere als „Notration“. Eine Rindsuppe mit Fleisch und viel Wurzelgemüse, Chili con carne (Ja, Diätologinnen essen sowas!), Erdäpfelgulasch vegetarisch, Und ich gehe auch mal essen oder bestelle was vom Lieferdienst, wenn es sich nicht anders ausgeht.

Hier habe ich ein paar Vorschläge für euch aus meinem Repertoire:

Flotte Frühstücksvarianten:

  1. Joghurt mit Beeren, Flocken und Nüssen, kann auch am Abend vorbereitet werden.
  2. Griechischer Joghurt mit Walnüssen und Honig (in 2min hergerichtet)
  3. Frühstücksshake mit Beeren, Topfen und Haferflocken (Auch. Na maximal 5min)
  4. Weiches Ei mit Butterbrot
  5. Haferbrei mit Apfel und Zimt (10min)
  6. Brot mit Cottage Cheese und Gurkenscheiben
  7. Schinkenbrot mit Avocado

Mittagessen „auf die Schnelle“:

  1. Shake mit Topfen, Beeren und Mandelmus (in der Früh vorbereiten und mitnehmen)
  2. 0,5l Buttermilch, Karotten, Apfel (beides schon geschnitten im Tegerl, geht sogar am Vortag) und Nüsse
  3. AndSoy Suppe in der Thermoskanne (am Abend vorkochen)
  4. Overnight Oats im Glas zum Mitnehmen (am Abend vorbereiten)
  5. Salat im Glas zum Mitnehmen mit hartem Ei (am Abend vorbereiten, hart gekochte Eier habe ich meistens im Kühlschrank)
  6. Salat im Glas zum Mitnehmen mit Linsen (ebenso)
  7. Vollkornbrot/Sandwich mit Käse und Gemüse (Paprika, Gurken, Karotten, … geht in der Früh in 5min)

Dessert: 1 Rippe dunkle Schokolade, 2 Datteln, 1 Schokopudding (selbst gemacht natürlich), Mandarine, wenn die Mama zu Besuch war: Kuchen! Dessert gibt es aber nicht täglich.

Abendessen dass sich fast von selbst kocht:

  1. Ofengemüse mit Feta (20min, währenddessen Dusche oder Wäsche machen)
  2. Ofengemüse mit Fisch aus der Pfanne
  3. Linsensuppe (im Kochmixer)
  4. Kürbiscremesuppe mit Feta Würferl (ebenso)
  5. Fisch aus dem Pergament mit Cocktailtomaten und Ofenkartoffel
  6. Omelette mit Pilzen (10min geschtätzt)
  7. Faschiertes orientalisch gewürzt in Chiccoree Schifferl oder Salatblättern (ok das dauert 20min)

Worauf ich beim Bestellen von Lieferdiensten achte: Das es nicht immer Pizza ist 😉. Nein. Wenn schon Pizza dann richtig im Lokal. Beim Essen gehen greifen manche ja gerne zu den „sicheren“ Lieblingsgerichten wie Schnitzerl oder Geschnetzeltem, aber schaut doch mal was es sonst noch auf der Speisekarte gibt. Fisch und Fleisch natur abgebraten mit Reis/Erdäpfeln und Gemüse geht fast immer und fast überall. Bei vegetarischen Gerichten achte ich darauf, dass eine Eiweißquelle dabei ist. Beispielsweise Hülsenfrüchte, Tofu, Feta, Ei. Beim Asiaten gibt es viel Gemüse aus dem Wok oder Gemüse-Eier-Reis, …

Nun kam letztens bei einer Fortbildung die Frage auf, was tun, wenn ich aber sehr oft essen gehe, und Sorgen bezüglich der Qualität habe…?

Das ist nicht so leicht zu beantworten. Qualität in welcher Hinsicht? Wenn man den Anspruch hat, dass immer alles BIO und perfekt nährstoffschonend zubereitet ist, könnte das teuer oder schwierig werden… Ich antworte dann gerne in diese Richtung…: Der Tag ist lang und es gibt (meistens) noch 2 Mahlzeiten, die ich dann eigenverantwortlich „besser“ gestalten kann! Es ist schon sinnvoll und verständlich, dass die gesunde Ernährung sich irgendwie dem Berufsalltag anpassen sollte, also machbar sein muss, aber irgendwo muss man dann auch selbst Anpassungen und Änderungen vornehmen und ein Minimum an Zeit investieren. Der Körper und auch der Kopf der drauf sitzt wird es danken. Auch kleine Änderungen, kleine Schritte sind der Start eines neuen Weges und können sich sehr positiv auswirken! 😊

Mein Tipp: Das Tellermodell im Auge behalten, und ansonsten mit Genuss und in Ruhe essen und nicht ständig überlegen ob das jetzt die perfekte Nährstoffkombi war oder ob in dem Mischgemüse noch jedes Vitaminchen drin war. Stress gibt es ja ohnehin schon genug…

Tellermodell:

Was für ein Kunstwerk! 😉

In diesem Sinne – fangt klein an! Ich unterstütze euch gerne auf dem Weg in einen gesünderen Ernährungsalltag, denn mir ist schon klar, dass es mit diesem Beitrag alleine nicht getan ist, dass vielleicht das eine oder andere ernährungstechnische Problem vorhanden ist, dass von der Theorie zur praktischen Umsetzung noch irgendwas fehlt, dass euch hindert… Vielleicht kann ich helfen! 😊

 

Eure Diätologin

 

Fotos: Fotolia, Birgit Barilits

Die Gutachtenerstellung vor einer bariatrischen Operation

Die Gutachtenerstellung vor einer bariatrischen Operation

Gutachtenerstellung – Was ist DiätologInnen dabei besonders wichtig?

Die Gutachtenerstellung stellt einen besonders wichtigen Schritt bei der Genehmigung eines adipositaschirurgischen Eingriffes dar. Das diätologische Gutachten wird bei der zugehörigen Krankenkasse eingereicht. Diese bewilligt daraufhin die lebensverändernde Operation oder lehnt diese Form der Behandlung ab.
Ehrlich, so objektiv wie möglich, genau und vollständig – so sollte das Gutachten am Ende aussehen.
Dies ist natürlich nur mit Ihrer Mithilfe möglich! Ohne ausführliche Informationen aus vielen Bereichen Ihres Lebens kann das Gutachten nicht ausführlich erstellt werden, was eine Bewilligung bei der Krankenkasse folglich erschwert. Aber welche Informationen sind im Gutachten wichtig?

Angefangen bei Ihren persönlichen Daten über Ihren aktuellen körperlichen Zustand (Diagnose, Größe, Gewicht, BMI) bis hin zu einer ausführlichen Diäthistorie, Ihrer körperlichen Aktivität bis zur detaillierten Ernährungsanamnese – all diese Informationen sind essentiell für die Gutachtenerstellung.

Was uns DiätologInnen abschließend noch besonders am Herzen liegt, ist die Aufklärung über die Wichtigkeit regelmäßiger ärztlicher und diätologischer Nachkontrollen sowie bei den meisten Operationsmethoden einer lebenslangen Vitamin- und Mineralstoffsubstitution. Dies muss Ihnen VOR einem bariatrischen Eingriff klar sein und DANACH natürlich eingehalten werden, um langfristig Komplikationen und Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Als zertifizierte Gutachterinnen für PatientInnen vor adipositaschirurgischen Eingriffen bekennen wir uns zu folgenden Grundsätzen:

  • Die PatientInnensicherheit steht immer an erster Stelle.
  • Die Erstellung des Gutachtens erfolgt nach bestem diätologischem Wissen und Gewissen.
  • Die PatientInneninformationen werden wahrheitsgemäß und unverändert im Gutachten integriert.
  • Die festgesetzten und akkordierten Honorarrichtlinien des Verbandes der Diaetologen Österreichs werden eingehalten (eingerechtfertigter höherer Preis oder zusätzliche Leistungen anzubieten ist möglich).
  • Jeder Patient/jede Patientin erhält präoperativ die gleichen Informationen und wird optimal aufgeklärt, um sich mündig für oder gegen einen adipositaschirurgischen Eingriff zu entscheiden.

Mag. Birgit Barilits, BSc (Wien), Raphaela Lebeth, BSc (Korneuburg), Diätologinnen

Vor der Entscheidung zur OP/ der Gutachtenerstellung

Die Bedeutung „konservativer“ Therapie zur Gewichtsreduktion in unseren Augen

Was verstehen wir darunter? Die konservative (nicht-operative) Behandlung der Adipositas umfasst einerseits die qualifizierte Ernährungsberatung und -umstellung mit Hilfe einer Diätologin, die Bewegungstherapie sowie bei Bedarf eine psychologische Beratung. Den es ist nicht nur ein Bauchthema, sondern auch ein Kopfthema… Auch die Operation ist leider keine Wunderpille, keine einfache Lösung, sondern Arbeit.

Viele Betroffene, die sich eine Operation überlegen, haben schon einige gescheiterte Diätversuche hinter sich. Diäten gibt es wie Sand am Meer. Von Atkins-, Kartoffel- oder Kohlsuppendiäten über FDH bis hin zu noch gefährlicheren, radikaleren Varianten (zB Abnehmtabletten etc.). Häufig finden diese Diäten unter Eigenregie, also nicht diätologisch begleitet statt. Es kommt aber auch vor, dass Betroffene noch keine diätologisch und/oder ärztlich begleitete, nachhaltige Gewichtsreduktion versucht haben, sondern v.a. am JoJo-Effekt durch durchgeführte Crashdiäten gescheitert sind. Hier wäre es wünschenswert, dass der betroffenen Person noch einmal eine Chance gegeben wird. Besonders, wenn es sich um sehr junge PatientInnen handelt. Natürlich gibt es auch Personen, bei denen die Operation dringend gemacht werden sollte, da bereits massive gesundheitliche Probleme bestehen. In solchen Fällen fehlt dann häufig die Zeit für einen (weiteren) konservativen Versuch.

Ein weiterer Vorteil eines solchen „konservativen“ Abnehmversuches ist, dass dabei Ernährungswissen vermittelt wird und Gewohnheiten langfristig zum Positiven verändert werden können. Selbst, wenn der Versuch nicht zufriedenstellend gelingen sollte, werden immerhin wichtige Ernährungsskills und Verhaltensweisen vermittelt, die für die Zeit nach der Operation im Alltag der PatientInnen enorm wichtig sind!

 

Eure DiätologInnen

 

Foto: Fotolia

Logo: Verband der Diätologen Österreich, mit freundlicher Genehmigung

Projekt Unbeschwert – Episode 2

Projekt Unbeschwert – Episode 2

Der Weg von der Entscheidung bis zur OP-Freigabe: Über Ärzte, Adipositaszentren und Gutachten

Hallo liebe LeserInnen!

Nachdem Sie ja im letzten Beitrag mehr darüber erfahren haben, wie es zum Entschluss für die bariatrische OP gekommen ist, erfahren Sie in diesem Beitrag etwas darüber, welche Schritte und Untersuchungen notwendig sind, um so eine OP überhaupt von der Krankenkasse genehmigt zu bekommen.

Mit dem Entschluss für die OP im Kopf ging es als Erstes zu meinem Hausarzt. Er ist ein Hausarzt, wie er im Buche steht, einfach toll. Immer ein offenes Ohr und ein riesiges Repertoire an Fachärzten, an die er überweist. Ich berichtete ihm also von meinem „Problem“ und erzählte von dem Wunsch mich operieren zu lassen. Er war auf meiner Seite und stimmte mir zu, dass es so nicht weiter gehen konnte. Ich verließ die Praxis mit einer Adresse für ein Spital in Wien, die eine Adipositasambulanz haben und sehr erfahren sind bei der Durchführung solcher OPs.

Zwei Wochen später hatte ich den Termin. Vorher hatte mich schon ein wenig in das Thema eingelesen und mich über die unterschiedlichen OP-Methoden informiert. Der Termin selbst war relativ unspektakulär und ich war fast schon etwas enttäuscht. Nachdem ich kurz meinen „Werdegang“ beschrieben hatte, riet man mir zu einem so genannten Omega-Loop Bypass, auch „Mini-Bypass“ genannt. Außerdem bekam ich einen DIN A4 Zettel voller „Aufgaben“, die ich zu erledigen hatte, bevor ich zur Krankenkasse gehen konnte, um die OP zu beantragen. Zudem bekam ich die Auflage, dass ich bis zur OP noch 5kg abnehmen sollte.  Aufgeregt verließ ich das Spital und hatte 1000 Gedanken im Kopf, wie es weiter gehen sollte und wo ich anfangen sollte. Immerhin arbeite ich Vollzeit und es war schon einiges zu erledigen.

Zuvor ging es jedoch noch einmal zurück zum Hausarzt, der mir eine Menge Überweisungen zu Fachärzten gab: Zum Ultraschall und Röntgen, zum Kardiologen, zur Magenspiegelung, zum Lungenfunktionstest  und in ein Labor. Neben der Abklärung der „Hard Facts“ sind aber im Rahmen der Genehmigung noch zwei weitere Termine von großer Wichtigkeit: Der Termin bei einem Psychologen/einer Psychologin und bei einer zertifizierten Diätologin (nur zertifizierte und bei der Krankenkasse gelistete DiätologInnen dürfen ein solches Gutachten ausstellen). Beide müssen ein (objektives) Gutachten erstellen und darlegen, was für oder auch gegene eine Operation spricht.

In manchen Spitälern werden all diese Untersuchungen im Haus selbst gemacht, bei mir fanden die Termine alle extern statt. Beim Termin mit dem Arzt, der mir die Magenspiegelung machen sollte, erlebte ich jedoch eine böse Überraschung. Eine Magenspiegelung ambulant ist auch mit einer kurzen Betäubung möglich, dies konnte bei mir jedoch auf Grund des vielen Übergewichts nicht mehr gemacht werden. Außerdem sei es fraglich, ob seine Liege mich aushalten würde, meinte der Arzt. Alles nachvollziehbare Fakten und Faktoren, dies wurde jedoch in einer Art und Weise hervor gebracht, dass dies mehr als erniedrigend war. Dies ist leider ein Faktum, mit dem sehr übergewichtige Menschen immer wieder konfrontiert sind: Das Reduzieren der eigenen Person nur auf das Gewicht. Nicht nur im gesellschaftlichen Leben, sondern auch bei ÄrztInnen. Dabei würde man sich gerade von ihnen in Hilfestellungen und Beratung wünschen. Alle Leiden und Beschwerden kommen laut vieler ÄrztInnen nur vom Gewicht und eventuelle andere Ursachen werden erst gar nicht in Betracht gezogen. Dies mag in vielen Fällen stimmen, jedoch nicht in allen und umso schwieriger ist es für uns PatientInnen, ÄrztInnen zu vertrauen.
Die Art und Weise, wie der Arzt mit mir gesprochen hat veranlasste mich dazu, ihm den Rücken zu kehren. Ich spürte förmlich, wie ekelhaft oder abstoßend er mich fand und diesem Arzt wollte ich nicht ausgeliefert sein, wenn er mir eine Kamera in den Magen schiebt.
Gottseidank war mein Hausarzt da, er hatte wieder einmal die richtige Arztempfehlung und dieser Arzt nahm mich als Patientin so an, wie ich war und schien nicht pauschal über mich zu urteilen. Zumindest gab er mir nicht das Gefühl.

Gespannt war ich auf das Gespräch mit der Psychologin und der Diätologin. Beim psychologischen Gespräch geht es vor allem darum herauszufinden, ob man an der so genannten Binge-Eating Störung (oder anderen Essstörungen) leidet, was ein Grund für eine Ablehnung einer OP sein kann. Auch geht es um die Abklärung der Ursachen für das hohe Übergewicht. Da ich ja bereits einiges an Erfahrung mit PsychologInnen gemacht hatte, ging ich relativ relaxed dorthin. Was ich dort jedoch vorfand, schockte mich. Das ganze „Gespräch“ mit der Psychologin dauerte lediglich 10 Min. Die einzigen Fragen, die mir gestellt wurden waren, wie groß und schwer ich war und ob ich irgendwelche Vorerkrankungen habe. Die Fragen des Leitfadens über die Gründe der Adipositas und dem Erforschen ob eine Binge-Eating Störung vorhanden ist, beantwortete sie selbst, ich wurde gar nicht danach gefragt. Schwups war das Gespräch auch schon fertig, ich wurde noch gebeten, ich solle mich doch einige Zeit nach der OP noch einmal melden, dann könne man ja noch einen Kaffee trinken, es sei immer erstaunlich wie gut die Leute abnehmen würden. Rechnung über 120€ und draußen war ich. Ich verließ die Praxis und war äußerst irritiert. Was wäre, wenn ich nun wirklich ernsthafte psychische Probleme gehabt hätte und eine OP nicht wirklich ratsam gewesen wäre? Es wurde einzig und allein nur der Profit gesehen, alles andere war egal. Gerade bei einer Psychologin hätte ich mir etwas anderes erwartet.

Umso erfreulicher war dann aber die ernährungsmedizinische Beratung und Aufklärung. Im Internet hatte ich eine passende Diätologin für das Erstellen von ernährungsmedizinischen Gutachten gefunden. Im Vorhinein hatte ich ein Ernährungstagebuch geführt und die Gutachtenerstellung umfasste nicht nur Fragen zum aktuellen Status, sondern es fand auch eine umfassende Beratung über die ernährungsmedizinische OP Vorbereitung statt sowie eine BIA Messung, um die Körperzusammensetzung festzustellen. Und natürlich ging es auch um die Ernährung nach der OP, denn jedeR OperierteR muss sich darüber im Klaren sein, dass man seine Ernährungsgewohnheiten nach der OP radikal umstellen muss. Zum einen wird die Anatomie des Magen-Darm Trakts verändert und dies bedeutet beispielsweise, dass man Essen und Trinken trennen soll, dass man extrem gut kauen muss und sich auch im Klaren darüber sein muss, dass man sein Leben lang zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe nehmen muss. Der Körper kann nicht mehr genügend davon aus der Nahrung aufnehmen (und gerade in der ersten Zeit isst man ohnehin sehr, sehr wenig). Wenn man nicht konsequent Vitamine und Mineralstoffe einnimmt, dann besteht langfristig ein großes Risiko für grobe und gefährliche Mangelerscheinungen. Der zweite Grund ist natürlich das Thema „Was soll man essen“. Nach der OP gibt es erst einmal einen Kostaufbau, der Magen-Darm Trakt muss verheilen, die Nähte müssen verheilen und die Hormone müssen auch erst einmal mit der Umstellung klar kommen. Deshalb soll man die ersten zwei Monate nach der OP Schonkost essen, dann erst darf man zu Vollkost übergehen. Und natürlich muss man auch dann darauf achten, was man isst. Es ist sehr wichtig, dass man genügend Eiweiß zu sich nimmt, gerade beim Abnehmen ist dies sehr wichtig, damit der Körper Fett und keine Muskelmasse abbaut. Und natürlich funktioniert die Abnahme auch nur, wenn der Körper weniger Energie erhält, als er verbraucht. Mit einem radikal kleineren Magen ist das natürlich viel einfacher, nichts desto trotz sollte man sich damit auseinandersetzen, was man zu sich nimmt und hoch-kalorische und sehr fettige und süße Lebensmittel und Speisen eher meiden. Die allgemeinen Ernährungsempfehlungen waren mir natürlich bekannt, ich hoffte nur inständig, dass ich nach der OP mich konsequenter daran halten kann, als vorher. Denn Wissen ist das Eine. Umsetzen das andere. Bei diesem Teil der OP-Vorbereitung hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich richtig aufgeklärt war und fühlte mich bereit für die OP.

Es hat etwa 2 Monate gedauert, bis ich alle Untersuchungsergebnisse beisammen hatte. Dann musste ich zum chefärztlichen Dienst der Krankenkassen. Man hatte mir vorher schon signalisiert, dass es bei mir wohl überhaupt gar kein Problem sei, die OP genehmigt zu bekommen. Schließlich war mein BMI bereits jenseits der 50. Trotzdem, man weiß ja nie. Aufgeregt saß ich im Bus und fuhr meinem „Urteil“ entgegen. Nach einer Wartezeit, die mir ewig vorkam saß ich dann vor dem Arzt, er fragte noch ein paar Dinge und genehmigte mir dann die OP. Juhu!!!!! Geschafft!!!! Nun waren alle Hürden genommen und ich konnte  wieder zurück zum Spital und die nächsten Schritte planen und einen OP Termin festmachen.

Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich entschied, dass ich es FreundInnen und ArbeitskollegInnen sagen werde. Meine Familie hatte ich schon zu Beginn der Untersuchungen „eingeweiht“, es war mir wichtig, dass sie hinter mir standen.

Wie die Reaktion der Menschen war, denen ich das erzählte und Gedanken darüber, ob man es überhaupt jemandem erzählen sollte, das erzähle ich euch beim nächsten Mal…

 

Adipositas und Adipositaschirugie in Österreich – ein paar Zahlen.

Adipositas und Adipositaschirugie in Österreich – ein paar Zahlen.

Prävalenz von Übergewicht in Österreich

Der österreichische Ernährungsbericht 2017, frei abrufbar zB hier: www.bmgf.gv.at ergab, dass 41,0 % der untersuchten erwachsenen Bevölkerung übergewichtig bzw. adipös sind. Übergewicht bedeutet einen Bodymass Index über 25, Adipositas Grad 1 liegt vor bei einem BMI ab 30, Adipositas Grad 2 ab BMI 35, extreme Adipositas ab BMI 40. Männer sind häufiger von Übergewicht betroffen als Frauen. Am stärksten sind laut Ernährungsbericht Männer im Alter von 51- bis unter 65 von Übergewicht bzw. Adipositas betroffen (48 % bzw. 20 %). Aber auch jeder vierte 15- bis unter 25-jährige Mann ist übergewichtig und jede sechste Frau im Alter zwischen 19 bis unter 25 Jahren. Bei den 51- bis unter  65-jährigen Teilnehmerinnen ist sogar jede dritte übergewichtig (Quelle: Österreichischer Ernährungsbericht 2017, https://www.bmgf.gv.at/home/Ernaehrungsbericht2017, abgerufen am 26.09.2018).

Folgen von Übergewicht

Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Schäden am Bewegungsapparat, psychische Probleme, Kosten für die Allgemeinheit, … die Folgen sind hinlänglich bekannt und die Ausmaße steigen auf allen Ebenen. Sowohl auf der persönlichen/individuellen Ebene als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Über die „Schuldfrage“ diskutiere ich hier aus vielerlei Gründen nicht. Dazu möchte ich auf einen interessanten Artikel verweisen.

Fakt ist jedenfalls, dass ich als Diätologin mit der Thematik Übergewicht und Adipositas sehr häufig konfrontiert bin. Das ist meine Arbeit, mein Hauptthema, und es macht mir große Freude mit Menschen zusammenzuarbeiten, die das Thema aktiv angehen wollen. Manchmal kommt da auch die Thematik bariatrische Operation auf. Egal wie ich dazu stehe – ich muss zugeben das wechselt ständig – sie passieren, sie werden gemacht und die Betroffenen brauchen die bestmögliche Aufklärung vorab und die bestmögliche Betreuung währenddessen und danach um gesund zu werden, zu bleiben und in ein schlankeres Leben zu starten. Der Kopf wird dabei aber nicht „mitoperiert“, der macht da sozusagen oft auch „Schwierigkeiten“ und auch daher braucht es eine Betreuung, idealerweise multidisziplinär sowie eine gute Vertrauensbasis.

Häufigkeit und Art bariatrischer Operationen in Österreich

Hier erlaube ich mir um einen Eindruck zu vermitteln, einen Ausschnitt! aus einer Tabelle einzufügen, um die Häufigkeit der bariatrischen OPs in Österreich darzustellen. Inzwischen gibt es auch neuere Daten dazu, beispielsweise „IFSO Worldwide Survey 2016: Primary, Endoluminal, and Revisional Procedures.“ DOI: 10.1007/s11695-018-3450-2, diese sind für mich allerdings nur gegen Bezahlung erhältlich und ich denke das die Zahlen unten bereits für sich sprechen.

(Quelle: Bariatric Surgery and Endoluminal Procedures: IFSO Worldwide Survey 2014, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28405878, abgerufen am 26.09.2018)

In Österreich wurden also im Jahr 2014 bereits 2553 Operationen durchgeführt. Die am Häufigsten eingesetzte Methode war dabei der RYGB, der Roux-en-y-Gastric Bypass. Kurz erklärt wird bei dieser Operation der Magen verkleinert, und zwar zu einem sehr kleinen, sogenannten „Pouch“ dessen Größe der Chirurg bestimmt. Der Pouch kann ca. 15-20ml fassen. Zusätzlich wird der Dünndarm mittels Herstellung einer Schlinge abgetrennt, hochgezogen und so verkürzt. Dadurch werden der Zwölffingerdarm und eine wiederum vom Chirurgen bestimmte Länge des Jejunum ausgeschaltet. Durch diese Maßnahmen können nur mehr sehr kleine Mengen gegessen werden (restriktiv, einschränkend). Da in diesen Darmabschnitten ein großer Teil der Nährstoffe aufgenommen wird und dies nun nicht mehr möglich ist, nennt man das Verfahren auch malabsorptiv. Je nachdem wie viel Darm ausgeschaltet wird, ist die Malabsorption stärker oder geringer. Diese Malabsorption betrifft alle Nährstoffe, sowohl die energiegebenden als auch die Mikronährstoffe.

Die nun neuen physiologischen Gegebenheiten verlangen nach der OP ein völlig anderes Ernährungsregime. Wieviel, wie oft, was gegessen wird – alles ist plötzlich verändert. Zudem muss sehr genau auf eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet werden, vor allem der so wichtigen Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente). Ansonsten können sehr schwere Nebenwirkungen bis hin zu einer dauerhaften Schädigung des Körpers und des Nervensystems die Folge sein.

Umfassende Betreuung ist das A & O

Am besten schon BEVOR es zu einer Operation kommt. Beim chirurgischen Eingriff wird immerhin ein eigentlich gesundes Organ zerschnippelt. Ist eine Gewichtsreduktion aber nicht mehr anders möglich,  dann darf eine kompetente, begleitende Betreuung durch zertifizierte DiätologInnen nicht fehlen. Einige KollegInnen in unterschiedlichen Krankenhäusern oder auch freiberuflich stellen sich dieser Aufgabe. In den spezialisierten Krankenanstalten stehen häufig umfassende Betreuungsangebote mit Vorträgen, Workshops, Gruppentreffen und Selbsthilfegruppen zur Verfügung – Nutzen Sie diese Möglichkeiten!

Eine Lebens- und Ernährungsumstellung vor sowie nach der Operation ist nicht immer einfach, weshalb es von großer Bedeutung ist, qualifizierte Ansprechpartner zu haben. Bei Fragen, Unsicherheiten oder aufgetretenen Problemen stehe ich Ihnen in Wien und meine Kollegin Raphaela Lebeth (https://www.diaetologie-lebeth.at) in Korneuburg gerne zur Verfügung.

 

Mag. Birgit Barilits, BSc & Raphaela Lebeth, BSc, Diätologinnen

 

Projekt Unbeschwert – Episode 1

Projekt Unbeschwert – Episode 1

Episode 1 – Die Adipositas-OP als letzte Hoffnung

Viele Leute fragen sich vermutlich, wie ich es soweit habe kommen lassen. Ich solle doch einfach aufhören so viel zu essen und mich zusammenreißen. Genau das frage ich mich auch manchmal. Und dann fallen mir die vielen Dinge ein, die mich den den letzten 21 Jahren beschäftigt und beeinflusst haben und dessen Gesamtheit dazu beigetragen hat, dass ich heute so bin, wie ich bin und so aussehe, wie ich aussehe. Und dann merke ich, dass ich eben nicht einfach so aufhören kann zu essen. Sei es aufgrund von physischen Ursachen (ja, mein Magen ist nicht so groß wie eine Tomate, sondern eher so groß wie eine Honig-, wenn nicht gar Wassermelone), weshalb ich häufig Hunger habe und viel essen muss, um satt zu sein. Oder aber auch aufgrund von seelischen Ursachen, wobei für mich Essen ein Ventil für stressige Situationen ist. Inzwischen ist übermäßiges Essen aber auch einfach zur Gewohnheit geworden, da muss noch nicht einmal Stress mit im Spiel sein.

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Eintrag heute mag vielleicht so klingen, als wär mein gesamtes bisheriges Leben nur negativ gewesen. Nein, so war es wirklich nicht, natürlich war nicht mein ganzes Leben eine Enttäuschung oder Katastrophe. Es gab viele schöne Erlebnisse, tolle Chöre und schöne Aktionen mit diversen Freundeskreisen. Ich bin mit einer tollen Familie gesegnet, die immer zu mir gestanden hat und zu mir steht und dafür bin ich mehr als dankbar. Aber da ich in diesem Eintrag ja meine “Gewichtsgeschichte” behandeln möchte und erzählen möchte, wie es zu der Entscheidung für die OP kam, stehen natürlich eher die negativen Dinge im Vordergrund. Die Erlebnisse, die mich überhaupt so weit gebracht haben und welche die vielen tollen Erlebnisse in meinen Leben teilweise überlagert haben.

Richtig begonnen hat meine “Gewichtsgeschichte”, als ich neun Jahre alt war, in der vierten Klasse der Volksschule. Ich hatte immer schon ein wenig Probleme damit, Freundschaften zu schließen, hatte keine beste Freundin und war oft neidisch auf Klassenkameradinnen, die eine Solche hatten. Meine Lösung: Süßigkeiten! Denn Süßigkeiten schlossen mich nicht aus und der Zucker war ein wunderbarer Seelentröster. Der Schlüssel der daheim verschlossenen Süßigkeitentruhe war schnell gefunden und von meinem Taschengeld kaufte ich mir keine Mädchenzeitschriften, sondern beim Greissler neben der Schule weitere Süßigkeiten.

So begannen die Probleme. Meine Eltern machten sich Sorgen, hatte ich doch inzwischen bereits einiges an Übergewicht und nicht mehr nur harmlose “Speckfalten”. Sie gingen mit mir zum Arzt und wir beschlossen, dass ich am Besten eine Kur machen sollte, um abzunehmen.

Dies sollte nicht die einzige Kur bleiben, insgesamt habe ich knapp 1 ½ Jahre meines Lebens in diversen stationären Kuraufenthalten verbracht. Bei allen habe ich sehr gut abgenommen und war stolz auf meine Leistungen. Ich bekam Komplimente, Lob und fühlte mich super. Doch leider hielten die dort erzielten Erfolge nicht lange an.

Mit diversen PsychologInnen arbeitete ich intensiv an den zugrunde liegenden Ursachen meines Übergewichts. Müsste man die Ursache kurz und knapp beschreiben, so würde ich es unter den Worten “fehlende Liebe” subsumieren. Fehlende Liebe, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise verstanden werden kann. Zum einen eben jene bereits beschriebenen Freundschaften. Dies hat sich eigentlich nie wirklich verändert, es war mal mehr, mal weniger präsent, vor allem aber zwischen 1. und 5. Klasse Gymnasium und während meines Bachelorstudiums. Im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht auf einfach eine verzerrte Wahrnehmung war, aber das habe ich damals so nicht gesehen. Essen war gerade in diesen Zeiten ein zuverlässiger Begleiter. Es enttäuschte mich nicht, sondern half mir über manch langen Abend oder ein einsames Wochenende hinweg.
Der andere Teil der fehlenden Liebe war aber auch die Liebe zu mir selbst. Es gab selten Situationen, wo ich wirklich glücklich und zufrieden mit mir war. Ich habe immer sehr hohe Erwartungen an mich selbst gestellt und mir ehrgeizige Ziele gesetzt. Diese konnte ich jedoch nur selten wirklich erreichen. Zurück blieb Frust und das Gefühl des Versagens, es schon wieder nicht geschafft zu haben. Und was gab es zum Trost? Richtig. Essen. Gegessen habe ich meist alleine und heimlich. Essen in der Öffentlichkeit war mir unangenehm. Sah man mich in Gesellschaft essen, konnt man sich nicht erklären, warum ich so eine Figur hatte. Die großen Mengen und vielen Süßigkeiten aß ich alleine und heimlich. Essen war schon wie eine Droge geworden, oft ging ich sogar zu unterschiedlichen Supermärkten, damit die Leute nicht sahen, wie oft ich einkaufte.

Auch meine Umwelt ließ mich spüren, dass ich mit meiner Figur nicht zum Mainstream gehörte. Ich wurde immer wieder auf der Straße und in der Öffentlichkeit angesprochen, dass ich doch dringend abnehmen solle und was für eine Zumutung ich doch für die Gesellschaft bin und dass ich bloß abhauen sollte.
Als Jugendliche hatte ich einmal ein Date, wir hatten uns online kennengelernt. Wir wollten ins Kino. Pünktlich erschien ich vor dem Kino und wartete und wartete, es kam aber niemand. Nach einer halben Stunde bin ich dann wieder gegangen. Am Abend kam eine SMS, in der er schrieb, dass er wieder gegangen wäre, ich solle es ihm nicht übel nehmen, mit so einer Dicken wolle er nichts anfangen.
Auch beim Radfahren wurde ich nicht mit Kommentaren verschont, das schlimmste Erlebnis hatte ich, als ich einen langen steilen Berg hinauf fuhr. Es war anstrengend und ich fuhr dementsprechend langsam. Den ganzen Berg hinauf begleiteten mich vier “freundliche Herren” in einem aufgemotzten weißen Auto. Sie riefen mir zu, was für eine fette Sau ich doch sei und warfen mir allerhand Beschimpfungen und Beleidigungen an den Kopf. Als ich endlich oben angekommen war, war ich fertig mit der Welt. Ich ließ meinen Tränen freien Lauf, aber anstatt es jemandem zu erzählen, aß ich.

Ich wusste, dass Essen ein Seelentröster war, aber die Strategien Essen durch etwas anderes zu ersetzen wie z. B. die beste Freundin anrufen oder ein Bad nehmen, haben bei mir nicht funktioniert. Wie auch, wenn man keine wirkliche beste Freundin hat und eigentlich Niemanden, der wirklich weiß, wie es in einem aussieht?
Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht, ich war immer aktiv und bin es auch noch, ich hatte Hobbys und einen Freundeskreis, habe mich jedoch fast immer ein bisschen wie die “Außenseiterin” gefühlt, wie “der Problemfall”. Ich hatte (und habe es auch teilweise heute noch) immer das Gefühl, dass ich wesentlich mehr in Freundschaften investiert habe, als ich zurückbekam. Aus dem Ganzen wurde ein totaler Teufelskreis, jegliche Ablehnung schob ich auf mein Gewicht, fühlte mich einsam und nicht zugehörig, aß … Im Nachhinein betrachtet, handelte es sich dabei um eine bequeme Methode, jegliche Enttäuschung, Konflikt oder Sonstiges aufs Übergewicht zu schieben und nicht zu hinterfragen. Vielleicht hatten die Dinge ja auch andere Ursachen, als immer nur das Gewicht?!  Aber hinterher ist man immer schlauer, damals habe ich das nicht so gesehen.

Das Gefühl “abnormal” zu sein war omnipräsent, Kleidung konnte ich schon lange nicht mehr in normalen Geschäften kaufen, Flugsitze wurden zu eng, Stühle unbequem und die Sorge, etwas aufgrund meines Gewichtes kaputtzumachen war groß.
Trotzdem: Wie anfangs bereits erwähnt war in dieser Phase zwischen meinem 10. und 20. Lebensjahr nicht alles schlecht, aber mein Gewicht stellte so etwas wie eine unsichtbare Mauer dar zwischen mir und meiner Umwelt, die ich nicht imstande war, dauerhaft einzureißen.

Ich war immer schon ein sehr aktiver Mensch, bin mit jedem Gewicht Fahrrad gefahren. Ja, auch mit 140 kg, da hatte mein Fahrradmechaniker sehr viel Geduld mit mir und hat mir stabilere Speichen eingebaut, da sich auf Grund des viele Gewichtes immer wieder Speichen lösten. Egal, so konnte ich fahren! Ich war Volleyball spielen und schwimmen und bis heute reise ich total gerne und bin ein sehr kommunikativer Mensch, der gerne unter Leuten ist. Durch mein Gewicht waren mir aber Grenzen gesetzt, meine Aktivität wurde nach und nach immer mehr eingeschränkt. Mit Normalgewichtigen konnte ich beim Sport nicht mithalten. Ich schaffte die Dinge zwar, aber ich war viel langsamer als sie. Das führte mir immer wieder vor Augen, wie “anders” ich war und das Anschauen des eigenen Scheiterns tat verdammt weh. Warum musste ich auch immer solche Sachen machen!

Nach solchen Ereignissen aß ich entweder noch mehr, oder aber ich beschloss, dass es jetzt reicht und schmiedete Pläne, wie ich den Kilos an den Leib rücken wollte. Zu Beginn klappte das meistens alles wunderbar, sobald aber meine sorgsam geschmiedeten Pläne und Listen durch Unvorhergesehens, Stressiges, Demütigendes, … durchkreuzt wurden fiel meine Selbstdisziplin zusammen wie ein Kartenhaus. Immer, wenn ich mich voll und ganz dem Abnehmen widmen konnte und wenig Störfaktoren von außen kamen, dann klappte das Abnehmen. Wurde es aber turbulenter und lief etwas nicht nach Plan, dann war wieder alles egal und ich aß wieder unkontrolliert.

In dieser Zeit – bis ich 25 war, wäre eine Operation nicht die richtige Wahl für mich gewesen, zu viele äußere Faktoren und innere Blockaden waren da und wenn ich mir das heute durchlese, dann war die psychische Belastung in der Zeit so groß, da wäre die OP nicht das Mittel der Wahl gewesen.

Dies hat sich erst in den letzten fünf Jahren geändert, denn meine “äußere Situation” sollte sich 2013 ändern, als ich für mein Masterstudium nach Wien zog. Vom ersten Tag an habe ich tolle Leute in Wien kennengelernt, fühlte mich als Teil und nicht mehr nur als Außenseiterin und wurde so akzeptiert, wie ich war. Dieses Gefühl hatte ich so bisher fast nie gehabt. Ich war gefestigt in meinem Umfeld, das Essen konnte ich aber trotzdem nicht lassen. Warum? 12 Jahre voller Diäten, Erfahrungen und Erlebnisse sind nicht spurlos an mir vorüber gegangen, ich hatte keine richtige Beziehung mehr zum Essen bzw. sie war völlig gestört. Hinzu kam, dass mein Magen durch das häufige “zu viel Essen” und das viele Essen über einen langen Zeitraum so gedehnt war, dass ich viel mehr essen musste, um statt zu sein.

Nach zwei Reisen, die für mich sehr demütigend und schmerzhaft waren (ich wurde noch mehr auf mein Gewicht angesprochen als sonst und mir wurden beim Sport/Bewegung wieder einmal mehr meine Grenzen aufgezeigt), gelang es mir dann aber doch noch einmal im Jahr 2015 einen Abnehmversuch zu starten. Jetzt, im Gegensatz zu meinen Versuchen vorher, mit Unterstützung einer Freundin. Dafür bin ich ihr ewig dankbar. Alles lief super, mit viel Sport und gesunder und ausgewogener Ernährung nahm ich 22 kg ab, ganz allein ohne Hilfe und auch nicht in einer Reha, sondern mitten im Leben, im Studienalltag! Ein super Gefühl!!

Aber wie Sie sich denken können, das war nicht das Happy End, sonst würde ich diesen Blog hier nicht schreiben. Denn dann kam ein großer Streit mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin (erinnerte stark an meine vorherigen Erfahrungen mit Freundschaften), trotz Abnahme war ich beim Wandern mit Normalgewichtigen immer noch zu langsam und ich war so enttäuscht von mir!! Hinzu kam meine Masterarbeit, die mir sehr viel Energie und Nerven raubte. Denn auch hier wurde ich meinen selbst gesteckten Erwartungen nicht gerecht. Es war also wieder passiert: Es gab Stress von außen, oder Dinge, die für mich Stress bedeuteten und damit konnte ich nicht richtig umgehen. Ich hatte mich so diszipliniert beim Abnehmen, den Hunger unterdrückt (ja, auch wenn ich nicht wahnsinnig wenig gegessen habe, die Portionen waren kleiner als vorher und ich hatte häufig Hunger), diese Ereignisse zusammen waren aber zu viel für mich. Ich konnte mit dem Stress, den das Abnehmen eh schon verursachte und dem Stress von außen nicht mehr umgehen, das Stresshormon Cortisol war so außer Kontrolle geraten, dass ich wieder aß.

Dies sollte sich leider so schnell nicht ändern und nach 1 ½ Jahren hatte ich wieder 30 kg zugenommen und wog noch mehr, als vor dem letzten Abnehmversuch. Meine Unzufriedenheit war groß. In meinem Tagebuch habe ich folgende Notiz hinterlassen: “Was mich extrem fertigmacht, ist mein Gewicht. Wie schon die letzten 500.000 Jahre, wie immer in meinem Leben. Wie eine Krankheit, die mal mehr und mal weniger ausgeprägt ist. Immer wenn ich einen neuen Versuch unternehme sie zu heilen und Hoffnung besteht, dass es klappt und dass alles gut wird, dann kommt sie mit voller Wucht zurück”.

Inzwischen hatte ich mein Studium beendet, das Studienende war leider weniger schön, ich war enttäuscht von meinem Professor und enttäuscht über mich wegen der Abschlussnote. Es war wieder das Gefühl des Versagens. Mal wieder schmiedete ich Pläne, um abzunehmen, konnte sie aber nicht einhalten. Die Folge: Noch mehr Enttäuschung und es machte sich wieder einmal dieses “Egal-Gefühl” in mir breit. Es kam, wie es kommen musste, der Fokus aufs gesunde Essen kam erst gar nicht richtig in Fahrt und ich nahm weiter zu.

Das Gute an der ganzen Sache im Gegensatz zu früher war aber, dass ich nun immer mehr verstand warum ich so handelte, wie ich handelte und meine Aktionen hinterfragte. In mein Tagebuch schrieb ich folgende Sätze: “Es sind Gefühle der Enttäuschung, fehlende Anerkennung und Liebe, vielleicht auch Selbstüberschätzung, die mein seelisches Gleichgewicht ins Wanken bringen, worauf ich dann sehr, sehr häufig mit Essen reagiere. Dabei werden viele positive Dinge ausgeblendet oder schlecht gemacht, vielleicht übersehe ich sie auch einfach. Beispielsweise das Lob von Kolleginnen, über meine angenehme Art und die Anerkennung, die ich auf der Arbeit erfahre”. Ich hatte für mich also eine Antwort darauf gefunden, warum ich so handelte, wie ich handelte. Das Problem war, dass ich daraus keine Konsequenzen ableiten konnte, die mir halfen besser mit den Situationen klar zu kommen. Wie behandelt man Enttäuschung und Selbstüberschätzung?

Anfang 2017 hatte ich Gürtelrose und ging zu einem Vertretungsarzt, mein Hausarzt war im Urlaub. Die Ärztin hatte mich drei Minuten gesehen und sagte dann, ohne mich und meine Geschichte zu kennen “Warum lassen Sie sich nicht operieren? Sie kriegen die OP sofort genehmigt”. Stinksauer verließ ich die Praxis. Was bildete sich diese Ärztin ein? Diese Aussage war nicht böse gemeint (und das sind sicher viele Aussagen und Ratschläge gewesen, die ich bisher bekommen habe), aber ich habe mich sehr angegriffen gefühlt und ihr Kommentar klang so, als wäre das ganz einfach und die Lösung zu allen Problemen. Aber ich wollte es doch alleine schaffen! Und die Lösung für die ganze Gewichtsthematik war das vermutlich nicht. Dennoch: Der Gedanke bzw. Kommentar zur OP war in meinem Kopf, wenn auch ganz weit weg.

Es ging mir aber zunehmend schlechter, ich begann auch körperliche Beschwerden zu haben (was ich erstaunlicherweise vorher nicht hatte – eigentlich wirklich ein kleines Wunder bei knapp 80 kg Übergewicht!), mein Rücken tat weh, die Füße und auch meine Fitness ließ nach. Deshalb suchte ich nach einem Ratgeber und fand ein Buch, welches mir die Augen öffnete: ein Buch über den Zusammenhang zwischen Hormonen und Übergewicht. In Kombination mit einem Buch über den Zusammenhang zwischen der Funktionsweise des Gehirns und Übergewicht machte das alles für mich total Sinn! Ich fand mich in so vielen Aussagen und Beschreibungen wieder!! Aus dieser Perspektive hatte ich meine “Gewichtsgeschichte” bisher noch nicht betrachtet. Also beschloss ich, als allerletzten Versuch die in dem Buch beschriebene Vorgehensweise zum “Überlisten des Gehirns” auszuprobieren. Ziel sollte es sein, das Hormongleichgewicht im Körper wieder herzustellen, welches durch die Jahre des Ab- und Zunehmens und durch die Größe meines Magens völlig aus dem Gleichgewicht geraten war. Sollte dieser Versuch nicht klappen, so sagte ich mir, dann würde ich mir eine Überweisung für ein Adipositaszentrum holen, um mich über die Möglichkeiten einer bariatrischen OP zu informieren.

Und wie sollte es anders kommen, es funktionierte nicht, ich habe das Programm nicht durchgehalten. Ich haderte mit mir und ging (noch) nicht zum Arzt. Die finale Entscheidung zum Hausarzt zu gehen fiel dann in Griechenland auf der Insel Korfu. Ich machte Urlaub mit einer Freundin, wir wanderten, lagen am Strand, machten Touren. Bei keinen der genannten Aktivitäten habe ich mich richtig wohlgefühlt, ich hatte das Gefühl, dass ich nirgendwo zugehörig bin. Weder fühlte ich mich der “Gruppe der Dicken” zugehörig, noch der “Gruppe der Normalgewichtigen”.

Das Fazit meiner “Gewichtsgeschichte” – meine Möglichkeiten waren ausgeschöpft, ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen als das Thema OP anzugehen. Meine Lebenssituation war gut und stabil, ich hatte keine Probleme, aber viel Hunger und den damit verbundenen Stress. Meine Motivation für die OP war: Den Teufelskreis des Auf und Ab und des Zunehmens und Abnehmens entkommen, den Hunger loswerden und durch einen kleineren Magen schneller satt zu sein. Und in der Folge bei sinkendem Gewicht all das tun, was ich will, all die Dinge tun, die Normalgewichtige auch tun, ohne Angst davor zu haben. Endlich nicht mehr Verstecken müssen oder Ausreden finden, warum ich Dinge nicht machen kann und endlich keine Gedanken mehr machen ob ich dies und jenes schaffe und wenn ja, wie.

Mit diesen Gedanken im Kopf und der für mich gefällten Entscheidung, dass eine OP für mich die wohl letzte und einzige Chance ist, die ich noch nicht probiert hatte, ging ich schlussendlich am 31.8.17 zum Hausarzt und bat ihn um eine Überweisung in ein Adipositaszentrum.

 

Fotoquelle: Pixabay

 

Next: Ein paar Fakten… zum Thema Übergewicht und Adipositas OPs in Österreich

Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass

Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass

Liebe LeserInnen,

hier darf ich euch mit der folgenden Einleitung ein ganz besonderes Projekt, einen ganz besonderen und persönlichen Bericht vorstellen. Die Geschichte einer Betroffenen – das „Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass“.

Dies ist ein Bericht aus ganz persönlicher Sicht, aber auch ich werde zum Thema passende Einträge schreiben. Gleich vorweg – all das stellt keine Werbung oder Empfehlung für einen bariatrischen Eingriff dar. Für Fragen/Termine zum Thema stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Ebenso wie meine Kollegin in Korneuburg, Diätologin Raphaela Lebeth – https://www.diaetologie-lebeth.at/ – die das Projekt gemeinsam mit mir betreut.

Aber nun lasse ich Euch/Sie sich selbst ein Bild machen und übergebe die Feder – Los geht es! 🙂

 

Einleitung

Warum ein Blog über Adipositas-OPs?

Lange habe ich mich dagegen gesträubt, ja sogar dagegen ausgesprochen, mich einer Adipositas OP zu unterziehen. Ich wollte es alleine schaffen. Ich hatte bereits einige Male bewiesen, dass ich es kann, das mit dem Abnehmen! Nachdem ich nun aber ganze 21 Jahre meines Lebens damit beschäftigt bin, mich mal mehr, mal weniger mit dem Thema Übergewicht und Adipositas auseinanderzusetzen, unzählige Abnehmversuche hinter mir habe, in Rehakliniken war, meinen Lebensstil versucht habe zu ändern und in Verhaltenstherapien versucht habe die Ursachen des übermäßigen Essens zu finden, musste ich mir irgendwann eingestehen, dass ich es vermutlich doch nicht auf die konservative Art schaffe, dauerhaft abzunehmen. Deshalb habe ich mich (zumindest zu Beginn) schweren Herzens dazu entschlossen, als allerletzten Versuch einen solchen Eingriff bei mir vornehmen zu lassen. Warum schweren Herzens? Mit der Entscheidung für die OP habe ich mir auch gleichzeitig eingestanden, dass ich es eben nicht schaffe und dieses Eingestehen hat mich sehr viel Überwindung gekostet.

Wie jeder Mensch, so ist auch die Geschichte eines/einer jeder/jedes Einzelnen unterschiedlich und einzigartig. Dieser Blog hat nicht zum Ziel, für eine Adipositas OP zu werben. Für wen und wann eine OP gut und sinnvoll ist, das hängt von vielen Faktoren ab und ist äußerst individuell und nicht pauschal zu sagen. Und für manche ist es auch der falsche Weg. Ich möchte in dem Blog über die vielschichtigen Probleme, Risiken, Umstellungen, aber natürlich auch Freunden und Erfolge, die mit der OP verknüpft sind, informieren. Sie bekommen einen Einblick in das Wie/Was/Warum es bei mir zu so einer OP gekommen ist und wie ich mit der neuen Situation umgehe und was mich beschäftigt. Mir ist aufgefallen, dass nicht nur bei vielen Menschen und Ärztinnen und Ärzten, sondern auch bei den Operierten selbst oder solchen, die sich auf eine Adipositas OP vorbereiten, viel Unwissen und Unsicherheit in Bezug auf das Thema herrscht. Dieser Blog soll auch dazu beitragen, dass eine etwas größere Personengruppe mehr über die vielschichtige (individuelle) Thematik Adipositas/Adipositastherapie und hier vor allem dann auch über die Adipositaschirurgie erfährt.

Aber anstatt eines wissenschaftlichen Artikels möchte ich hier teilweise auf ernsthafte, teilweise auf lustige oder ironische Weise von meinem “Projekt Unbeschwert” erzählen. Denn das ist es für mich: Ein Projekt, um in ein in vielerlei Hinsicht unbeschwerteres Leben (so erhoffe ich es mir zumindest) zu gehen. Sowohl im Hinblick auf das (hoffentlich) schrumpfende Gewicht, als auch im Hinblick auf mein gesamtes Leben. Ich erhoffe mir, dass mein Leben unbeschwerter wird und die aktuell vielfältigen Einschränkungen aufgrund des Gewichts weniger werden. Anstelle des Fetts wünsche ich mir in meinem Leben wieder mehr Platz für Freude, Zuversicht und Normalität- Unbeschwertheit eben. Sie sehen, es ist viel Konjunktiv und Hoffnung, eine Garantie für einen Erfolg dieser OP gibt es nicht.

Ich werde sicherlich nicht alles richtig machen und meine Lebensweise nach der OP wird wohl nicht immer so sein, wie es vielleicht von ErnährungsberaterInnen und ÄrztInnen empfohlen wird. Aber wer ist schon perfekt?? Ich gebe jedoch mein Bestes, um zumindest zum größten Teil mein Leben so zu gestalten, wie man es nach einem solchen Eingriff tun sollte (wobei es da auch wieder verschiedene Meinungen und Herangehensweisen gibt, wie eigentlich überall). Diesen “Guidelines” füge ich noch Individualität hinzu und würze es mit Lebensfreude und Experimentierfreudigkeit. So entsteht hoffentlich ein tolles, gesundes und wohlschmeckendes Gericht, welches mich stärkt und begleitet bei meinem “Projekt Unbeschwert” (und auch darüber hinaus!)

Lassen Sie sich überraschen und freuen Sie sich auf zwölf Episoden meiner Reise in ein unbeschwerteres Leben!

 

Nächster Eintrag: Episode 1 – Die Adipositas-OP für mich als letzte Hoffnung

Die Spagetti und die Portionsgröße…

Die Spagetti und die Portionsgröße…

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Beim Spagetti kochen kam das Gespräch auf Portionsgrößen. Das Gespräch kommt auch in der Beratung immer wieder auf die Portionsgrößen. Ich bin ja ein Fan des „Tellermodells“: 1/4 Beilage, 1/4 Proteinquelle, 1/2 Gemüse. Bei Nudelgerichten oder vegetarischen Gerichten ist man da schnell drüber. Das macht im Prinzip auch nichts, wenn man einen aktiven Lebensstil hat und es nicht ständig massiv drüber ist. Aber wenn man auf sein Gewicht achten möchte oder muss, spielt es eine Rolle.

Ihr kennt das vielleicht, was in den Ring aus Daumen und Zeigefinger passt wird oft als eine Portion bezeichnet. Nun kann man diesen Ring ja etwas kleiner und auch etwas größer werden lassen… 😉

Auf den Packungen der Nudeln gibt es oft Angaben zur Portionsgröße. 80 g, 85 g beispielsweise. In Spagetti sieht das so aus:

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Nudeln roh

Auf dieser Packung wären 85 g eine Portion. Das schaut jetzt nicht nach viel aus. Und 100 und 120 g schaut jetzt nicht so sehr viel anders aus! Aber wer wiegt schon seine Nudeln ab? Man könnte in dem Fall die Spagetti auch zählen, 1 Spagetti hatte bei mir etwa 1 g ^^. Der Unterschied was die kcal und KH betrifft:

  • 85 g: 305 kcal, 60,3 g KH
  • 100 g: 359 kcal, 70,9 g KH
  • 120 g: 430 kcal, 85,1 g KH

Wie sieht das nun auf dem Teller aus? Was macht satt?

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Nudeln al dente

Also mit unserer sensationellen Bolognese Sauce waren die 85 g mehr als ausreichend :). Mit Genuss verspeist und gut gekaut waren wir nachher satt aber nicht übervoll. Für sportliche Damen und Herren die davor ordentlich Bewegung gemacht haben darfs auch mal etwas mehr sein ;).

Dieses kleine Experiment zeigt, dass man Mengen auch mal ganz leicht unterschätzen kann. Bei manchen Produkten sind auch die Portionsangaben zugunsten eines „günstigeren“ Eindrucks bezüglich kcal und Nährwerten eher klein gewählt. Wenn man draufkommt, dass 30g Cornflakes nicht wirklich satt machen, ist es aber nicht unbedingt eine gute Idee die dreifache Menge zu verputzen. Dann doch lieber selbst ein gutes Müsli mit verschiedenen Flocken und Saaten zubereiten. Also ab und zu mal etwas abwiegen. Nur so um Erfahrungswerte zu sammeln.

Herzlichst,

eure Diätologin.

 

Fotos: Birgit Barilits

 

Mag. Birgit Barilits, BSc, Diätologin