Projekt Unbeschwert – Episode 12

Projekt Unbeschwert – Episode 12

1,5 Jahre nach der OP: Wie hat sich mein Leben verändert? 

Liebe Leserinnen und liebe Leser, 

Kennt ihr das, wenn man nach der Sommerpause wieder auf Kolleginnen oder Freunde trifft und die Frage aufkommt: “Hast du einen schönen Sommer gehabt”? Das eine oder andere Mal muss man dann überlegen, was überhaupt alles im Sommer los gewesen ist. Da kommen dann die ganzen positiven, aber vielleicht auch weniger positiven Erinnerungen zurück. Häufig kommt dann aber doch: “Ja, ich hatte einen schönen Sommer”. 

Warum ich das schreibe? Weil ich eine ähnliche Frage inzwischen immer häufiger gestellt bekomme:”Wie geht es dir 1 ½ Jahre nach der OP?” In diesen 1 ½ Jahren ist so viel passiert, da muss man auch erst einmal überlegen, was für Erinnerungen da alle in meinen Sinn kommen. 

Dies ist die letzte Episode dieses Blogs. Ich möchte heute eine Art Fazit ziehen und ein paar Gedanken mit euch teilen, die mich im vergangenen Jahr bewegt haben. 

Ob die OP gelingt oder nicht, ob man Komplikationen hat oder nicht, all das kann einem keiner vorhersagen und versprechen. Mit diesem Gedanken in meinem Kopf bin ich am 6. April 2018 in den OP geschoben worden. Aber ich war mir sicher, dass es der richtige Schritt war. Warum ich mir so sicher war? Weil ich wusste, dass mein Hormongleichgewicht auf konservative Art und Weise nicht wieder herzustellen und mein Magen einfach zu groß war. Ich hatte mich entschieden, dass ich ein aktives Leben mit Reisen und Sport führen wollte. Dieser festen Überzeugung bin ich bis heute und dies ist für mich die Grundlage, warum ich offen mit der OP umgehe und mit der Entscheidung mich operieren zu lassen. Und damit begegne ich auch einer eventuellen Kritik (die ich wirklich nur 2x in diesen ganzen 1 ½ Jahren gehört habe): ”Du hast mit der OP ja nur den bequemen Weg gewählt”. 

Über die OP als eine Art “Krücke” habe ich ja bereits geschrieben. Heute, nach 1 ½ Jahren kann ich sagen: “Ja, die Krücke war notwendig, sie wird auch weiterhin notwendig sein, aber ich habe die Chance genutzt, die Krücke genommen und bin losgelaufen, bzw. geradelt. Und durch den kleineren Magen habe ich weniger Hunger und esse weniger. Dieser reduzierte Hunger durch die OP ist eigentlich die größte Errungenschaft für mich. Ich brauche keine riesigen Portionen mehr, um satt zu werden. 

Die im wahrsten Sinne des Wortes schmerzhafteste Zeit nach der OP hatte ich zwei Wochen nach der OP, als ich mir einen Nerv am Bauch eingeklemmt hatte. Meine Bewegung war sehr, sehr eingeschränkt und ich hatte Schmerzen. Mein Kopf war fit und ich war voller Energie, mein Körper machte mir aber einen Strich durch die Rechnung. Aber an der OP habe ich deshalb nicht gezweifelt. Und mit viel Magnesium und B-Vitaminen hat sich der Nerv auch wieder entspannt und mit dem Nerv habe auch ich mich entspannt. 

Die ersten neun Monate ging das Abnehmen wirklich fast wie von alleine. Beziehungsweise mit viel Bewegung und bewusstem Essen hatte ich bis Ende November 55 kg abgenommen. Im Dezember kam dann ein kleiner Knackpunkt, der mich bis heute beschäftigt und wohl auch immer eine Challenge für mich bleiben wird. Der Stress kam zurück. Ganz zu Beginn dieses Blogs habe ich euch ja einmal erzählt, wie es bei mir zu so viel Übergewicht gekommen ist. 76 kg zu viel hat man nicht mal “Einfach so”. Der Stress, sowohl der soziale, als auch der physische Stress hat mich häufig in die Knie gezwungen und ich konnte damit nicht richtig umgehen. Essen senkt die Konzentration von Stresshormonen im Körper und war mein Ventil, um den Stress zu kompensieren. Und das ist leider bis heute so geblieben. Kurz nach der OP habe ich wirklich nur ganz wenig essen können, da war das Kompensieren von Stress mit Essen nicht möglich. Nach neun Monaten konnte ich jedoch schon wieder etwas mehr essen und das Kompensieren von Stress mit Essen wurde möglich. Und so war der Dezember eine große Herausforderung für mich, um den richtigen Umgang mit Stress zu lernen. Und was soll ich sagen: Leider habe ich bis heute nichts finden können, was mich ähnlich befriedigt wie Essen. Ich muss extrem wachsam sein und ständig mein Handeln hinterfragen, um nicht in alte Muster zurück zu fallen. Dass ich alles vertrage, keine Dumpings habe und keine Unverträglichkeiten habe ist Fluch und Segen zugleich. Manchmal wünschte ich, dass ich Süßigkeiten nicht so gut vertragen würde. Andererseits ist auf diese Art und Weise ein “normales” Leben ohne Einschränkungen möglich. 

Apropos Leben ohne Einschränkungen. Dieses Ziel, welches ich durch die Abnahme erreichen wollte, ist zu 100 % erfüllt worden. Ein paar Beispiele habe ich euch ja bereits im Eintrag über das Thema Sport und Bewegung geschrieben, aber ich möchte es hier noch einmal unterstreichen. Was hat sich geändert?

  • Ich kann wieder bequem reisen. Flugzeugsitze passen, im Zug ist niemand pikiert, dass ich den Platz neben ihm/ihr reserviert habe.
  • Ich kann in ein klappriges Holzboot steigen und auf eine einsame Insel fahren und
  • ich kann über Zäune klettern und unbemerkt in der Masse untertauchen.
  • Ich kann die Beine übereinanderschlagen und
  • freihändig Fahrrad fahren!
  • Auch kann ich nun Kleidung von der Stange kaufen und Kleider tragen. Meine Beine sind zwar noch im Vergleich zu meinem Oberkörper sehr voluminös, aber es gibt ja auch knielange Kleider. Ach wie ich Kleider inzwischen liebe!!
  • u.v.m.

Nichtsdestotrotz bin ich immer noch ein bisschen aufgeregt, wenn ich neue Dinge ausprobiere, immer mit dem Hintergedanken, dass das ja auch nicht klappen könnte. Aber in 95 % der Fälle klappt es. Merke: Du kannst immer so viel, wie dein Kopf dir sagt, dass du kannst”. An der Kopf-Sache muss ich noch arbeiten. Es kommt nicht von ungefähr, dass die guten Sportlerinnen und Sportler MentaltrainerInnen haben. 

In punkto Lebensqualität ist mein Leben also wirklich viel, viel unbeschwerter. Dass dies auch mein Körper so sieht, das zeigen die Untersuchungen, die ich in regelmäßigen Abständen machen lasse. Im Verhältnis Muskel- zu Fettmasse habe ich vor allem Fettmasse verloren, in den letzten Monaten habe ich sogar Muskelmasse aufbauen können. Der Zustand meiner Zellen war in den ersten Monaten nach meiner OP ok. Jetzt hat er sich aber noch einmal verbessert. Genau so verhält es sich mit meinen Blutwerten. Diese waren zwar auch schon vor der OP in Ordnung (ich bin Gott sei Dank von Diabetes, Bluthochdruck oder sonstigen Erkrankungen verschont geblieben), aber auch bei mir ist der Blutzuckerspiegel gesunken und die Nährstoffversorgung ist sehr gut. Die Nährstoffversorgung ist oftmals das Kritische nach so einer Art OP. Ich muss mein Leben lang recht hoch dosierte Vitamine und Mineralstoffe zu mir nehmen, da mein Darm kürzer ist und ich dadurch nicht mehr so viele Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen kann. Dies nehme ich aber gerne in kauf für ein unbeschwertes Leben. Und zwei weitere vorher recht unangenehme Sachen gehören nun der Vergangenheit an: mein Belastungsasthma und das Schnarchen. 

Wen ich aber bisher noch gar nicht wirklich erwähnt habe, das sind die Menschen, die mich in den letzten 1 ½ Jahren begleitet haben. Ich tue dies hier nicht nur, um mich bei ihnen zu bedanken, sondern auch um zu zeigen, dass ein breites UnterstzützerInnennetzwerk sehr, sehr hilfreich ist. Da ist natürlich vor allem das gesamte medizinische Personal im Spital, meine Psychologin, meine Ernährungsberaterinnen und mein Hausarzt samt seinem gesamten Team. Ich fühle mich hervorragend betreut und beraten und sie sind immer da, wenn ich sie brauche.
Wichtig sind und waren aber auch meine Freunde und all die tollen Menschen, die ich in den letzten 1 ½ Jahren kennengelernt habe. Sie haben immer ein offenes Ohr und ich habe so viel mit ihnen erlebt! Sei es auf dem Rad, in indischen Großstädten, kalifornischen Nationalparks, in der Selbsthilfegruppe oder einfach am Donaukanal oder im Kaffeehaus. Danke, danke, danke!
Und zu guter Letzt meine Familie. Sie hat von klein auf meine Reise, meine Probleme und die damit verbundenen Herausforderungen mitbekommen und mich nie im Stich gelassen, sondern war im Gegenteil immer da für mich und hat mir jegliche Hilfestellung gegeben, die ich brauchte. Ihre Meinung war und ist mir sehr wichtig und ich kann nicht dankbar genug sein für den Support meiner Familie bis zur OP, aber auch danach. Vor allem ihre Betreuung in den ersten beiden Wochen nach der OP. Wenn man die Familie bei so einer OP mit im Boot hat, ist das wirklich eine riesige Stütze und ich kann nur jeder und jedem wünschen, dass sie/er so unterstützt wird, wie meine Familie mich unterstützt hat. So eine Familie ist wirklich ein Geschenk und nicht selbstverständlich!

Gestern habe ich eine lange Radtour mit vielen lieben Menschen gemacht und mich lange mit einem Freund unterhalten. Er erzählte mir:” Cycling literally changed my life and opend a new world for me” (das Rennrad fahren hat mein Leben verändert und mir eine neue Welt eröffnet). Diese Aussage kann ich in Bezug auf die OP zu 100 % bestätigen. Die OP hat mir die Chance gegeben, mein Leben zu verändern und diese Chance habe ich genutzt und mir damit eine neue Welt eröffnet. Die Reise ist noch nicht zu Ende. Die “prognostizierten” 80 % des Übergewichts habe ich abgenommen. Ein paar Kilo weniger wären noch toll. Viel wichtiger ist mir jedoch das unbeschwerte Leben und eine gute Gesundheit. Und das ich achtsam mit mir und meinem Körper umgehe und nicht müde werde, nach Lösungen zu suchen, wie Stress anders kompensiert werden kann, als durch essen. 

Danke euch allen, liebe Leserinnen und Leser, die ihr an meiner Reise bzw. meinem “Projekt unbeschwert” Anteil genommen habt. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen (wenn auch subjektiven und wie immer sehr individuellen) Eindruck davon geben, wie die ersten 1 ½ Jahre bei mir nach der OP verlaufen sind. Diese Einträge zu schreiben haben auch mir immer wieder die Möglichkeit gegeben, meine Aktionen zu reflektieren, und ich habe den ein oder anderen AHA-Moment dadurch erlebt. Wenn ihr Fragen, Anregungen, Kritik oder sonst etwas zu diesem Blog äußern wollt, dann könnt ihr sehr gerne über Birgit Barilits mit mir in Kontakt treten. 

Euch allen alles Gute, vielen Dank fürs Lesen und hört auf euch, euren Körper und euren Instinkt! 

Alle Episoden:

Episode 1

Episode 2

Episode 3

Episode 4

Episode 5

Episode 6

Episode 7

Erfolge 🙂

Episode 8

Episode 9

Episode 10

Episode 11

Erfolge 🙂 

Adipositaschirugie – Risiken und Nebenwirkungen

Adipositaschirurgie – Zahlen und Fakten 

Adipositaschirurgie?

Und wie ist das mit dem Essen nach der Operation?

Rad: Fotolia

Foto: Birgit Barilits

Projekt Unbeschwert – Episode 6

Projekt Unbeschwert – Episode 6

Geschafft!! Der Beginn meines Lebens 2.0 nach einem erfolgreichen 2. OP Versuch

Willkommen liebe LeserInnen in meinem Leben 2.0!
Leben 2.0, so nennen viele Operierte ihr Leben, welches nach der OP beginnt. Warum? Weil man die Chance bekommt, ein neues Leben zu beginnen, durch die OP hat man eine “Krücke” bekommen, die einem hilft, wieder normal große Portionen zu essen (bzw. eigentlich mini-mini Portionen, aber ich meine damit, dass man keine riesigen Portionen mehr braucht, um satt zu werden), die das Hungergefühl reduziert und die einen dabei unterstützt ein neues Essverhalten zu erlernen.

Die OP ist aber eben nur eine Krücke und kein Allheilmittel. Denn eines ist gewiss: Es wird der Magen operiert und nicht der Kopf. Und diese Tatsache kann einem sehr schnell zum Verhängnis werden und es erfordert viel Kraft, Aufwand, Durchhaltevermögen und kritische Selbstanalyse, wenn man sein Leben 2.0. wirklich nutzen will.

Aber erst einmal zu meiner OP und meinen ersten Tagen danach. Es sind ja noch weitere Blogeinträge geplant, wo ihr mehr darüber erfahrt, wie mein Leben 2.0 abläuft 🙂

Einen Tag vor der OP wurde ich im Spital aufgenommen, es wurde noch Blut abgenommen und einige andere Untersuchungen gemacht, um auch wirklich sicher zu gehen, dass es mir gut geht. Das ist es Gute bei der OP. Man geht vorbereitet in die OP und ist gut durchgecheckt. Bei mir passte alles und so konnte die OP wie geplant stattfinden.

Langsam stieg die Aufregung. Was mich wohl nach der OP erwarten würde? Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst: dass ich Schmerzen haben würde, mich wochenlang nur von flüssiger Nahrung ernähren kann oder sonst irgendwie Einschränkungen haben würde. Ich hatte von Leuten gelesen, denen es super ging, andere haben die ersten Monate wirklich zu kämpfen gehabt. Aber, wie schon beim letzten Mal geschrieben: JedeR macht seine eigenen Erfahrungen und das sollte man im Hinterkopf behalten.

Am nächsten Tag wurde ich um 5 “geweckt” (gut geschlafen hatte ich nicht wirklich…), ich sollte gleich die Erste im OP sein. Um halb 8 ging es los und ich wurde in die OP Vorbereitung geschoben. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich meinen Namen sagen sollte und mein Geburtsdatum. Man wollte sicher gehen, dass ich auch die richtige OP bekam und nicht zufällig mit einer neuen Hüfte aufwachte oder so was. Die letzten Minuten bevor ich dann final in den OP geschoben wurde waren nicht angenehm. Langsam stieg die Panik. Was, wenn doch bei der Narkose etwas schief gehen würde? Würde ich wieder wach werden und es wäre nicht erfolgreich gewesen? Es war nicht die OP, vor der ich mich fürchtete, sondern die Narkose. Denn auch die Narkose birgt ein Risiko, gerade bei viel Übergewicht und bei mir noch mehr, das hatte man ja gesehen… Die Tränen kullerten nur so, aber die OP PflegerInnen versuchten mich zu beruhigen und schnell bekam ich vom geschäftigen Treiben um mich herum nichts mehr mit und befand mich im Reich der Träume.

— 4 Stunden später–

Ich wachte auf und lag auf derselben Intensivstation wie auch schon drei Monate zuvor. Diesmal hingen aber deutlich weniger Kabel an mir. Das konnte nur ein gutes Zeichen sein! Schon kam ein Pfleger und eröffnete mir, dass alles gut gelaufen sei. Gott sei dank!!! Mein Leben 2.0. hatte begonnen!! Mir war kurz übel, aber heutzutage gibt es für alles Mittel und Wege, um Beschwerden zu lindern, und schnell war die Übelkeit wieder vorbei. Man hielt mir ein Telefon an die Wange, so konnte ich meinem Vater sagen, dass ich wieder unter den Lebenden war. Allerdings war ich noch ziemlich benebelt. Kein Wunder. Immerhin hatte ich eine OP hinter mir.

Erstaunlicherweise hielten sich auch meine Schmerzen in Grenzen, ich fühlte mich keinesfalls so elend, wie ich gedacht hatte. Nach 2 Stunden musste ich zur Toilette. Und siehe da: Ich war sogar in der Lage aufzustehen und auf die Toilette zu gehen!! Zwar langsam und etwas wackelig auf den Beinen, aber mithilfe einer Schwester und dem Geländer an der Wand des Ganges ging das Ganze erstaunlich gut. Nichtsdestotrotz war ich schläfrig, plauderte zwar mit meinem Vater, hatte jedoch die Augen weitestgehend geschlossen.

Am Nachmittag bekam ich Durst. War aber unsicher: Durfte ich schon trinken? Immerhin war gerade an meine Magen herumorperiert worden! Was, wenn da etwas nicht dicht war? Aber: Studieren geht über Probieren und ich sollte sogar versuchen zu trinken. Ganz langsam nahm ich einen Schluck, in Erwartung, dass er sofort wieder Retour kommen würde. Aber nichts da. Er blieb drin und kullerte durch den Magen. Super! Es ist schon erstaunlich, was man mit der heutigen Medizin alles machen kann. Im Vorhinein hatte ich gelernt, dass man gerade zu Beginn kleine Schlucke nehmen muss, Trinken in großen Schlucken und “in einem Zug” sei wohl erst mal nicht möglich (oder gar nicht mehr möglich) und ich nahm daher zu Beginn Baby-Schlucke. Immer in gespannter Erwartung, wie mein Körper darauf reagieren würde. Ihr seht also schon: Die vielen ersten Male hatten begonnen! (Einen ausführlicheren Beitrag über die vielen ersten Male nach der OP gibt es im April) Ich musste alles neu ausprobieren, lernen und schauen, wie es mir damit geht. Laaaaaangsam. Es dauert ca. sechs Wochen, bis die inneren Wunden vollständig verheilt sind. Diese Zeit sollte man dem Magen und Darm auch geben, ihn möglichst gut und pfleglich behandeln und so bei der Heilung unterstützen.

Wie das geht? Nicht rauchen, leicht verdauliche Kost essen die den Magen nicht zu sehr belastet und die er nicht groß “verarbeiten” muss, kauen, kauen, kauen, nichts mit Kernen und sonstigen Dingen essen, die eventuell in den Nähten hängen bleiben können usw. In einem zertifizierten Adipositaszentrum gehört die ernährungsmedizinische Vorbereitung jedoch zwingend zur OP Vorbereitung dazu und ich kann nur jeder und jedem raten, dass man sich vorher mit dem Thema “Ernährung und Verhalten nach der OP” auseinandersetzt. Es kommt zwar eh meist anders, als man sich das vorgestellt hat, aber man hat zumindest gewisse Grundlagen, Verhaltensweisen und Empfehlungen, an die man sich halten kann.

Am Abend kam dann mein Vater noch einmal vorbei und da wurde ich langsam wieder fitter. Also ging ich ein paar erste Schritte mit ihm auf dem Gang. Je schneller der Kreislauf in Schwung kam, desto besser! Ich war glücklich, das war ja alles viel besser gelaufen, als ich mir gedacht hatte.

Die ersten Schritte…

Nachdem die Nacht komplikationsfrei verlaufen war, wurde ich am nächsten Tag auf die Normalstation verlegt. Dort erwartete mich zum Mittagessen eine leckere Brühe. Mir war weder übel noch hatte ich starke Schmerzen. Ob ich überhaupt operiert war? Ja, schon, denn es waren 5 große Pflaster auf meinem Bauch und das Gehen und an- und ausziehen war doch etwas mühsam.

Am Abend gab es noch eine “lustige” Begebenheit: Bei der genaueren Betrachtung meines Bauches fiel mir eine Art “Hügel” an einer Stelle auf. Was das wohl sein konnte? Als eine Schwester kam, fragt ich sie um Rat, sie wusste aber auch nichts und holte einen Arzt hinzu. Er kam, drückte auf meinem Bauch herum (das tat zugegebenermaßen schon recht weh…), konnte aber eine weitere Diagnostik nur per Ultraschall feststellen. Leider war der zuständige Facharzt dafür jedoch bereits im Feierabend, der Arzt nahm sich jedoch Zeit und gemeinsam suchten wir ein Ultraschallgerät auf. Der Arzt flitzte durch die Gänge, ich war zwar schon recht gut zu Fuß, aber mit seinem Tempo konnte ich nur 36 Stunden nach der OP nicht mithalten. “Ach, ich habe ganz vergessen, dass Sie erst so kurz operiert sind” kommentierte er nur und flitzte weiter. Der Ultraschall zeigte aber weder freie Flüssigkeit, noch irgendein anderes Ergebnis, was einen Grund zur Beunruhigung darstellen sollte, von daher konnte ich diesmal in gemächlicherem Tempo wieder aufs Zimmer gehen.

Die ersten „Bissen“ 😉 …

Am Sonntag bekam ich zum Frühstück bereits ein ungetoastetes Toastbrot. Ich schnitt die Rinde ab und aß ganz langsam und bedacht, auch hier wieder mit der Erwartung, dass mein Magen in irgendeiner Weise rebellieren würde. Aber auch das tat er nicht. Ich war hocherfreut. Nach einem halben Toast war ich satt. Nachmittags saß ich bereits mit meinem Vater in der Cafeteria des Spitals und freute mich über Kamillentee (soll ja bekanntlich beruhigen und tat hoffentlich dem Magen auch gut) und freute mich noch mehr, dass es mir so gut ging. Noch besser: am nächsten Tag sollte ich entlassen werden!

Dem war tatsächlich so, mein Leben 2.0 Zuhause konnte beginnen. Die ersten 3 Tage sollte ich mich noch von breiiger Kost ernähren. Alles, was irgendwie den Magen “in Arbeit” versetzen könnte, sollte ich auslassen. Im Vorhinein hatte ich mir bereits einige Rezepte herausgesucht, die man dann in den ersten Wochen kochen konnte. Bei meinem ersten Frühstück zuhause gab es Rührei (natürlich ohne Röstaromen und nur mit wenig Salz) und nach einem halben Rührei war ich satt. Man muss wirklich sehr, sehr gut auf seinen Körper hören und bei dem kleinsten Sättigungsgefühl aufhören zu essen. Das klingt einfach, ist es aber gar nicht. Vorher gab es bei mir entweder Hunger oder “zu viel gegessen”. Das war schon die erste Hürde, dass man da gut auf seinen Körper hört. Und diese Hürde besteht weiterhin und wird nach den ersten 9 Monaten erst richtig auf die Probe gestellt, wenn man sich erst an alles gewöhnt hat. Es gibt weiterhin viele, viele leckere Sachen auf der Welt und gerade bei Buffets oder bei Gelegenheiten, wo es viel gutes Essen gibt, ist man schnell versucht mehr zu essen, als man eigentlich sollte. Dieses Problem hat man jedoch die ersten Tage und Wochen und manchmal sogar Monate nicht.

Eine weiter “Neuerung” bei der Ernährung ist es, dass man ca. alle 3 Stunden etwas essen soll. Es ist ja eh nicht viel, aber der Körper braucht Nahrung – insbesondere Eiweiß – und es ist erwiesen, dass, wenn man zu wenig davon isst, weniger abnimmt und noch mehr den Risiken der Mangelernährung ausgesetzt ist. Dies wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Zudem soll man zwischen Essen und Trinken in etwa eine halbe Stunde Zeit verstreichen lassen. Gerade am Anfang bedeutet das viel Organisation und Abstimmung immer die Zeiten einzuhalten und zu schauen, wie das Ganze jetzt getaktet wird. So war ich die ersten Tage vor allem damit beschäftigt, mich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Ein Glück, dass ich noch nicht arbeiten musste!

Das waren also die ersten 4 Tage meines Lebens 2.0. Ich hatte mir das Schlimmste ausgemalt, aber es war so ungefähr das Beste passiert, was mir hätte passieren können. Nämlich: Es ging mit gut! Und das machte mich so glücklich! Und: Ich war nach mini-mini Portionen satt! Viele Frisch-Operierte (oder auch Langzeit-Operierte) verspüren erst einmal kein Hungergefühl und müssen sich zum Essen zwingen. Das kann ich von mir nicht behaupten. Ich hatte Hunger. Aber ich war nach sehr, sehr kleinen Portionen satt und ich kann euch gar nicht sagen, wie froh mich das machte. Meine Erwartungen an die OP, nämlich das ich weniger Hunger hatte bzw. schneller satt wurde, hatte sich jetzt schon erfüllt.

Mein Leben 2.0. war also großartig und eigentlich bilderbuchmäßig gestartet und ich war gespannt, was es noch für mich bereithalten würde.

Darüber und über meine vielen “Ersten Male” erzähle ich euch im April.

 

Fotos: Autorin (anonym)

 

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Projekt Unbeschwert – Episode 5

Projekt Unbeschwert – Episode 5

Satz mit x… Der erste OP-Versuch ist gescheitert: Wie geht es weiter?

Liebe LeserInnen,

Willkommen im Februar-Beitrag! Heute möchte ich euch daran teilhaben lassen, wie ich den ersten OP-Versuch erlebt habe. OP-Versuch? Ja, ihr habt richtig gelesen. Eigentlich gibt es ja nicht mehrere “Versuche” und eigentlich sollte ja beim ersten Mal alles gut gehen. Eigentlich. Wie ich bereits geschrieben habe, jeder Körper ist anders und einzigartig und mein Körper bzw. meine Lungen scheinen sehr sensibel zu sein, was dazu geführt hat, dass meine OP abgebrochen werden musste.

Aber von vorne und der Reihe nach.
Am 15.1. bin ich mit gepackter Tasche und ein bisschen Aufregung (ich war erstaunt, wie ruhig ich war!!) ins Spital gefahren. Ich lebe alleine, aber für die OP und die ersten 2 Wochen nach der OP waren meine Eltern da und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Das war eine große Unterstützung, vor allem auch mental. Wenn man weiß, dass man nicht alleine ist lebt es sich wesentlich ruhiger. So begleitete mich mein Vater ins Spital.

Der Tag vor der OP verging wie im Flug. Es wurden noch ein paar Untersuchungen gemacht und dann war es auch schon Zeit zum Schlafen gehen. Die OP sollte am 16.1. früh morgens stattfinden. Nette Zimmernachbarinnen machten den Aufenthalt sehr angenehm. Neben mir lag eine junge Frau, die sich vor 2 Jahren hatte operieren lassen. Sie hatte ihr Wunschgewicht erreicht und war glücklich. Ich war skeptisch mir gegenüber. Ich bin, seit ich denken kann übergewichtig, kenne mich selbst gar nicht schlank. Ob ich wohl auch so toll abnehmen könnte wie sie? Bald würde ich es erfahren, die OP war ja schon am nächsten Tag.

Am nächsten Tag wurde ich früh morgens abgeholt und durch lange Gänge geschoben. Dann ging die Türe zum OP Bereich auf und ich stand im “Wartebereich”. Ich weiß nicht, wie oft ich meinen Namen und mein Geburtsdatum nennen sollte. Aber damit wollten sie verhindern, dass womöglich mir die neue Hüfte eingesetzt wird, die eigentlich der Herr neben mir bekommen sollte und man wollte sicherstellen, dass ich auch wirklich die bin, die den Omega-Loop Bypass bekommt. Diese Hürden nahm ich und wurde in den OP geschoben. Von da an erinnere ich mich nur noch daran, dass ich die Sauerstoffmaske aufgesetzt bekam und dann schlief ich ein.

Als ich aufwachte, befand ich mich auf der Intensivstation. Im Spital, wo ich operiert wurde, werden die frisch Operierten eine Nacht auf der Intensivstation betreut. Ich hatte mich auf schlimme Schmerzen eingestellt. Ich wachte auf und war an vielen Kabeln angeschlossen. Schmerzen hatte ich jedoch überhaupt keine. Langsam schaute ich runter auf meinen Bauch, um zu sehen, wie dieser aussah. Ich schaute und stellte fest: Ich hatte nichts am Bauch! Wie bitte?? Wenige Minuten später kam ein Arzt und löste das Rätsel: “Da haben Sie uns aber einen gehörigen Schreck eingejagt”, meinte der dann zu mir. “Wir mussten die OP leider abbrechen, da wir Sie nicht intubieren (=in Narkose versetzen) konnten.” Was??? Ich war also nicht operiert worden?? Was war passiert? Bei der Narkoseeinleitung haben sich meine Lungen verkrampft. Bronchospasmus nennen sie das in der Fachsprache. Normalerweise kann man mit Medikamenten die Lungen wieder “entkrampfen”, das hat aber aus irgendeinem Grund bei mir nicht funktioniert und man musste die OP abbrechen. So lag ich also da, mit vielen Schläuchen, die an Maschinen hingen und war enttäuscht. Die ganze Vorbereitung umsonst?? Das konnte es doch nicht gewesen sein…

Drei Tage später wurde ich entlassen, so fehlte mir ja nichts. In diesen drei Tagen habe ich ein bisschen nachgedacht. Mir war von vorn herein bewusst, dass man nie weiß, was passiert. Und die Komplikation kam nicht von der OP selbst, sondern von der Narkose. Ich sprach also noch einmal mit ein paar Ärzten und holte mir Rat und wir entschieden, dass ich der Ursache für die Komplikation erst einmal auf den Grund gehe und dann, wenn es eine Freigabe gibt, es noch einmal probieren werde. Wieder erwies sich mein Hausarzt als perfekter Tippgeber in Sachen Arztempfehlung und er empfahl mir einen sehr guten Lungenfacharzt. Dort wurde ich buchstäblich “auf Herz und Nieren” geprüft, alle Ergebnisse sahen gut aus. Der letzte Test brachte dann aber zutage, dass meine Lungen sehr sensibel auf Gase bzw. Reize von außen reagieren und so konnte man sich erklären, warum das mit der Narkose nicht geklappt hatte. Gottseidank konnte man die Lungen auf die Belastung durch die Narkose “vorbereiten” und ich musste eine Art Asthmaspray nehmen, um sie möglichst du entspannen. So bekam ich die OP- Freigabe und ging erneut ins Spital. Inzwischen war schon März 2018, der neue OP Termin war für den 6. April angesetzt, Freitag nach Ostern.

Ihr seht also: Die OP ist keine Lappalie, jede Narkose ist mit einem Risiko verbunden und in diesem ersten Falle hat es bei mir nicht geklappt. Ob so was häufig vorkommt, fragt ihr euch vielleicht? Ich habe auf Facebook nachgefragt, mir hat niemand geantwortet, dem es ähnlich ergangen ist. Also: Jeder Weg ist individuell.

Um es jedoch vorwegzunehmen: Der 2. Versuch hat geklappt. Ich bin operiert. Wie es mir ergangen ist und wie die ersten Tage nach der OP aussehen, das erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

Fotos: Fotolia, Autorin (anonym)

 

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