Projekt Unbeschwert – Episode 5

Projekt Unbeschwert – Episode 5

Satz mit x… Der erste OP-Versuch ist gescheitert: Wie geht es weiter?

Liebe LeserInnen,

Willkommen im Februar-Beitrag! Heute möchte ich euch daran teilhaben lassen, wie ich den ersten OP-Versuch erlebt habe. OP-Versuch? Ja, ihr habt richtig gelesen. Eigentlich gibt es ja nicht mehrere “Versuche” und eigentlich sollte ja beim ersten Mal alles gut gehen. Eigentlich. Wie ich bereits geschrieben habe, jeder Körper ist anders und einzigartig und mein Körper bzw. meine Lungen scheinen sehr sensibel zu sein, was dazu geführt hat, dass meine OP abgebrochen werden musste.

Aber von vorne und der Reihe nach.
Am 15.1. bin ich mit gepackter Tasche und ein bisschen Aufregung (ich war erstaunt, wie ruhig ich war!!) ins Spital gefahren. Ich lebe alleine, aber für die OP und die ersten 2 Wochen nach der OP waren meine Eltern da und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar. Das war eine große Unterstützung, vor allem auch mental. Wenn man weiß, dass man nicht alleine ist lebt es sich wesentlich ruhiger. So begleitete mich mein Vater ins Spital.

Der Tag vor der OP verging wie im Flug. Es wurden noch ein paar Untersuchungen gemacht und dann war es auch schon Zeit zum Schlafen gehen. Die OP sollte am 16.1. früh morgens stattfinden. Nette Zimmernachbarinnen machten den Aufenthalt sehr angenehm. Neben mir lag eine junge Frau, die sich vor 2 Jahren hatte operieren lassen. Sie hatte ihr Wunschgewicht erreicht und war glücklich. Ich war skeptisch mir gegenüber. Ich bin, seit ich denken kann übergewichtig, kenne mich selbst gar nicht schlank. Ob ich wohl auch so toll abnehmen könnte wie sie? Bald würde ich es erfahren, die OP war ja schon am nächsten Tag.

Am nächsten Tag wurde ich früh morgens abgeholt und durch lange Gänge geschoben. Dann ging die Türe zum OP Bereich auf und ich stand im “Wartebereich”. Ich weiß nicht, wie oft ich meinen Namen und mein Geburtsdatum nennen sollte. Aber damit wollten sie verhindern, dass womöglich mir die neue Hüfte eingesetzt wird, die eigentlich der Herr neben mir bekommen sollte und man wollte sicherstellen, dass ich auch wirklich die bin, die den Omega-Loop Bypass bekommt. Diese Hürden nahm ich und wurde in den OP geschoben. Von da an erinnere ich mich nur noch daran, dass ich die Sauerstoffmaske aufgesetzt bekam und dann schlief ich ein.

Als ich aufwachte, befand ich mich auf der Intensivstation. Im Spital, wo ich operiert wurde, werden die frisch Operierten eine Nacht auf der Intensivstation betreut. Ich hatte mich auf schlimme Schmerzen eingestellt. Ich wachte auf und war an vielen Kabeln angeschlossen. Schmerzen hatte ich jedoch überhaupt keine. Langsam schaute ich runter auf meinen Bauch, um zu sehen, wie dieser aussah. Ich schaute und stellte fest: Ich hatte nichts am Bauch! Wie bitte?? Wenige Minuten später kam ein Arzt und löste das Rätsel: “Da haben Sie uns aber einen gehörigen Schreck eingejagt”, meinte der dann zu mir. “Wir mussten die OP leider abbrechen, da wir Sie nicht intubieren (=in Narkose versetzen) konnten.” Was??? Ich war also nicht operiert worden?? Was war passiert? Bei der Narkoseeinleitung haben sich meine Lungen verkrampft. Bronchospasmus nennen sie das in der Fachsprache. Normalerweise kann man mit Medikamenten die Lungen wieder “entkrampfen”, das hat aber aus irgendeinem Grund bei mir nicht funktioniert und man musste die OP abbrechen. So lag ich also da, mit vielen Schläuchen, die an Maschinen hingen und war enttäuscht. Die ganze Vorbereitung umsonst?? Das konnte es doch nicht gewesen sein…

Drei Tage später wurde ich entlassen, so fehlte mir ja nichts. In diesen drei Tagen habe ich ein bisschen nachgedacht. Mir war von vorn herein bewusst, dass man nie weiß, was passiert. Und die Komplikation kam nicht von der OP selbst, sondern von der Narkose. Ich sprach also noch einmal mit ein paar Ärzten und holte mir Rat und wir entschieden, dass ich der Ursache für die Komplikation erst einmal auf den Grund gehe und dann, wenn es eine Freigabe gibt, es noch einmal probieren werde. Wieder erwies sich mein Hausarzt als perfekter Tippgeber in Sachen Arztempfehlung und er empfahl mir einen sehr guten Lungenfacharzt. Dort wurde ich buchstäblich “auf Herz und Nieren” geprüft, alle Ergebnisse sahen gut aus. Der letzte Test brachte dann aber zutage, dass meine Lungen sehr sensibel auf Gase bzw. Reize von außen reagieren und so konnte man sich erklären, warum das mit der Narkose nicht geklappt hatte. Gottseidank konnte man die Lungen auf die Belastung durch die Narkose “vorbereiten” und ich musste eine Art Asthmaspray nehmen, um sie möglichst du entspannen. So bekam ich die OP- Freigabe und ging erneut ins Spital. Inzwischen war schon März 2018, der neue OP Termin war für den 6. April angesetzt, Freitag nach Ostern.

Ihr seht also: Die OP ist keine Lappalie, jede Narkose ist mit einem Risiko verbunden und in diesem ersten Falle hat es bei mir nicht geklappt. Ob so was häufig vorkommt, fragt ihr euch vielleicht? Ich habe auf Facebook nachgefragt, mir hat niemand geantwortet, dem es ähnlich ergangen ist. Also: Jeder Weg ist individuell.

Um es jedoch vorwegzunehmen: Der 2. Versuch hat geklappt. Ich bin operiert. Wie es mir ergangen ist und wie die ersten Tage nach der OP aussehen, das erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

Fotos: Fotolia, Autorin (anonym)

 

Episode 1

Episode 2

Episode 3

Episode 4

Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass

Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass

Liebe LeserInnen,

hier darf ich euch mit der folgenden Einleitung ein ganz besonderes Projekt, einen ganz besonderen und persönlichen Bericht vorstellen. Die Geschichte einer Betroffenen – das „Projekt Unbeschwert – Mein Leben mit einem Magenbypass“.

Dies ist ein Bericht aus ganz persönlicher Sicht – der Sicht einer Patientin, aber auch ich werde zum Thema passende Einträge schreiben. Gleich vorweg – all das stellt keine Werbung oder Empfehlung für einen bariatrischen Eingriff dar. Für Fragen/Termine zum Thema stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Ebenso wie meine Kollegin in Korneuburg, Diätologin Raphaela Lebeth – https://www.diaetologie-lebeth.at/ – die das Projekt gemeinsam mit mir betreut.

Aber nun lasse ich Euch/Sie sich selbst ein Bild machen und übergebe die Feder – Los geht es! 🙂

 

Einleitung

Warum ein Blog über Adipositas-OPs?

Lange habe ich mich dagegen gesträubt, ja sogar dagegen ausgesprochen, mich einer Adipositas OP zu unterziehen. Ich wollte es alleine schaffen. Ich hatte bereits einige Male bewiesen, dass ich es kann, das mit dem Abnehmen! Nachdem ich nun aber ganze 21 Jahre meines Lebens damit beschäftigt bin, mich mal mehr, mal weniger mit dem Thema Übergewicht und Adipositas auseinanderzusetzen, unzählige Abnehmversuche hinter mir habe, in Rehakliniken war, meinen Lebensstil versucht habe zu ändern und in Verhaltenstherapien versucht habe die Ursachen des übermäßigen Essens zu finden, musste ich mir irgendwann eingestehen, dass ich es vermutlich doch nicht auf die konservative Art schaffe, dauerhaft abzunehmen. Deshalb habe ich mich (zumindest zu Beginn) schweren Herzens dazu entschlossen, als allerletzten Versuch einen solchen Eingriff bei mir vornehmen zu lassen. Warum schweren Herzens? Mit der Entscheidung für die OP habe ich mir auch gleichzeitig eingestanden, dass ich es eben nicht schaffe und dieses Eingestehen hat mich sehr viel Überwindung gekostet.

Wie jeder Mensch, so ist auch die Geschichte eines/einer jeder/jedes Einzelnen unterschiedlich und einzigartig. Dieser Blog hat nicht zum Ziel, für eine Adipositas OP zu werben. Für wen und wann eine OP gut und sinnvoll ist, das hängt von vielen Faktoren ab und ist äußerst individuell und nicht pauschal zu sagen. Und für manche ist es auch der falsche Weg. Ich möchte in dem Blog über die vielschichtigen Probleme, Risiken, Umstellungen, aber natürlich auch Freunden und Erfolge, die mit der OP verknüpft sind, informieren. Sie bekommen einen Einblick in das Wie/Was/Warum es bei mir zu so einer OP gekommen ist und wie ich mit der neuen Situation umgehe und was mich beschäftigt. Mir ist aufgefallen, dass nicht nur bei vielen Menschen und Ärztinnen und Ärzten, sondern auch bei den Operierten selbst oder solchen, die sich auf eine Adipositas OP vorbereiten, viel Unwissen und Unsicherheit in Bezug auf das Thema herrscht. Dieser Blog soll auch dazu beitragen, dass eine etwas größere Personengruppe mehr über die vielschichtige (individuelle) Thematik Adipositas/Adipositastherapie und hier vor allem dann auch über die Adipositaschirurgie erfährt.

Aber anstatt eines wissenschaftlichen Artikels möchte ich hier teilweise auf ernsthafte, teilweise auf lustige oder ironische Weise von meinem “Projekt Unbeschwert” erzählen. Denn das ist es für mich: Ein Projekt, um in ein in vielerlei Hinsicht unbeschwerteres Leben (so erhoffe ich es mir zumindest) zu gehen. Sowohl im Hinblick auf das (hoffentlich) schrumpfende Gewicht, als auch im Hinblick auf mein gesamtes Leben. Ich erhoffe mir, dass mein Leben unbeschwerter wird und die aktuell vielfältigen Einschränkungen aufgrund des Gewichts weniger werden. Anstelle des Fetts wünsche ich mir in meinem Leben wieder mehr Platz für Freude, Zuversicht und Normalität- Unbeschwertheit eben. Sie sehen, es ist viel Konjunktiv und Hoffnung, eine Garantie für einen Erfolg dieser OP gibt es nicht.

Ich werde sicherlich nicht alles richtig machen und meine Lebensweise nach der OP wird wohl nicht immer so sein, wie es vielleicht von ErnährungsberaterInnen und ÄrztInnen empfohlen wird. Aber wer ist schon perfekt?? Ich gebe jedoch mein Bestes, um zumindest zum größten Teil mein Leben so zu gestalten, wie man es nach einem solchen Eingriff tun sollte (wobei es da auch wieder verschiedene Meinungen und Herangehensweisen gibt, wie eigentlich überall). Diesen “Guidelines” füge ich noch Individualität hinzu und würze es mit Lebensfreude und Experimentierfreudigkeit. So entsteht hoffentlich ein tolles, gesundes und wohlschmeckendes Gericht, welches mich stärkt und begleitet bei meinem “Projekt Unbeschwert” (und auch darüber hinaus!)

Lassen Sie sich überraschen und freuen Sie sich auf zwölf Episoden meiner Reise in ein unbeschwerteres Leben!

 

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