Und wie ist das mit dem Essen nach der Operation…?

Und wie ist das mit dem Essen nach der Operation…?

Der Kostaufbau nach der Operation, DO´s and DONT´s

Passend zur Episode 6 gibt es hier einige wichtige DO´s and DONT´s zur Ernährung unmittelbar nach der Operation. Bitte beachtet, dass dies nur ein Ausschnitt ist, keinesfalls vollständig und lediglich einen Eindruck liefern soll. Es ist immens wichtig, jede vom jeweiligen Zentrum/Klinik angebotene Gelegenheit zu nutzen um sich über die Ernährung danach – vom unmittelbaren Kostaufbau bis zur Langzeiternährung – zu informieren. Wenn finanziell möglich, lohnen sich auch begleitende Einzelberatungen bei KollegInnen.

Der Kostaufbau gestaltet sich grundsätzlich in drei Phasen und erfolgt je nach OP und Befinden des Patienten unterschiedlich schnell:

  • Flüssigphase – Brühe, Tee, …
  • pürierte Kost und
  • schließlich der Übergang zur sogenannten leichten Vollkost*

* Der Heilungsprozess wird ungünstig beeinflusst durch zu scharfe, zu saure, zu fette, geräucherte oder gepökelte Speisen, sowie alles, was Blähungen auslösen könnte. Auch sehr kaltes oder sehr heißes Essen kann Probleme bereiten, da die Temperaturanpassung nicht mehr so gut erfolgen kann. Unbedingt gemieden werden sollte zudem alles, was grobkörnig ist und mechanische Reizungen auslösen könnte (z. B. grobes, frisches Brot, Kräuter).

Die Dauer der einzelnen Phasen des Kostaufbaus richtet sich im Wesentlichen nach der Verträglichkeit und Toleranz der Nahrung. Wichtig ist – nicht nur unmittelbar nach der OP sondern für IMMER – eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß (täglich mind. 60 bis 120 g, dies hängt ab von Größe und dem sich verändernden Gewicht) sicherzustellen.

Der Schwerpunkt der Mahlzeiten liegt daher auf eiweißhaltigen, fettarmen Lebensmitteln, die ggf. durch Eiweißsupplemente ergänzt werden (zitiert aus: „Ernährung vor und nach bariatrischen Eingriffen, M. Hellbardt, Leipzig, Ernährungsumschau 11/2012). Dies bewirkt einerseits eine schnelle und länger anhaltende Sättigung, andererseits sorgt es dafür, dass der Körper vom überschüssigen Fett „zehrt“ und Muskelmasse möglichst erhalten bleibt und vielfältige Mangelerscheinungen vermieden werden.

Die DO´s and DONT´s:

Speziell in den ersten Tagen und Wochen nach der Adipositasoperation kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Die häufigsten Gründe für Übelkeit und Erbrechen sind:

  • zu schnelles Essen
  • der Verzehr von zu großen Nahrungsmengen
  • unzureichendes Kauen von Lebensmitteln nach der 4. postoperativen Woche
  • das Trinken von Flüssigkeiten zu den Mahlzeiten

Versuche daher, im Laufe der ersten Wochen aus deinen Fehlern zu lernen und zu reflektieren, was zu der unerwünschten Reaktion wie Übelkeit oder Erbrechen geführt hat. Erbrechen sollte unbedingt vermieden werden. Lerne aus den Reaktionen Ihres Körpers. In der ersten Zeit nach dem Eingriff stehen die Operationsnähte noch unter erheblichem Druck, so dass sie im schlimmsten Fall nach Erbrechen reißen können. Später kann häufiges Erbrechen zu einer Ausdehnung des Magenpouches führen.

  • Zu schnelles Essen: Wenn du vor der Operation ein „schneller Esser“ warst solltedst du dich nach dem Eingriff ganz bewusst auf das langsame Essen konzentrieren. Schauen z. B. beim Essen auf die Uhr. Wenn dein Körper nach dem Essen mit Übelkeit oder Erbrechen reagiert, versuche bei der darauffolgenden Mahlzeit bewusst, 3–5 min länger zu essen. Nimm dir gerade am Anfang diese Zeit, um Verträglichkeiten auszutesten.
  • Verzehr von zu großen Nahrungsmengen: Teste nach dem Eingriff dein individuelle Verzehrsmenge aus. Iss vorerst mit einem kleinen Löffel oder einer kleinen Gabel und zähle die Bissen ab. Wenn dir zB. nach dem 7. Löffel übel wird, versuche bei der nächsten Mahlzeit, nur 6 Löffel voll zu essen. Jeder Löffel und jeder kleinste Bissen zu viel führt nach einer Magenoperation direkt zu einer unangenehmen Reaktion des Körpers.
  • Unzureichendes Kauen von Lebensmitteln: Nach der 4. postoperativen Woche kann es durch unzureichendes Kauen von Lebensmitteln zu Erbrechen oder Übelkeit kommen. Kau bewusst und genieß die Speisen durch langes Kauen. Spüre den Geschmack und die Konsistenz der Lebensmittel im Mund.
  • Trinken von Flüssigkeiten zu den Mahlzeiten: Durch das Trinken von Flüssigkeiten zu den Mahlzeiten erfolgt eine schnelle Füllung des Magens, so dass Verzehrsmengen schnell überschätzt werden. Daher sollte Essen und Trinken in zeitlichem Abstand von 30 min stattfinden, damit der kleine Magen mit hochwertigen Lebensmitteln gefüllt wird, die deinem Körper auch Substanz liefern.

Die Portionsgrößen müssen dem kleinen Magenpouch dauerhaft, das heißt ein Leben lang, angepasst bleiben. Wenn du deinen Mini-Magen mit süßen Lebensmitteln füllst, wirst du möglicherweise recht unmittelbar „bestraft“ (mit Durchfall oder Erbrechen) und du gefährdest deinen Abehm-Erfolg und deine Gesundheit! Besonders gefährdet sind operierte Personen, die „alles“ vertragen und essen können!

Also, die Devise lautet NACHDENKEN – INFORMIEREN – PLANEN und sich an den PLAN halten.

 

Deine Diätologin

 

Literaturtipp/Buchtipp:

Ernährung bei Adipositas-Operationen, Magenbypass – Omega-Loop-Bypass – Schlauchmagen, von Birgit Lötsch, Eva Russold, Bernhard Ludvik

Quellen:

  • Case Management in der Adipositaschirurgie, Hanna Dörr-Heiß u. Eva Wolf, Springer Verlag (Arbeitsblätter)
  • Ernährung im Kontext der bariatrischen Chirurgie, Mario Hellbardt (Hrsg.), Pabst Science Publishers
  • Beratungsbroschüren des Krankenhauses der barmherzigen Schwestern Wien
  • Bariatrisches Assessment, Stefanie Wagner, BSc, Bachelorarbeit an der FH St. Pölten
  • Ernährung vor und nach bariatrischen Eingriffen, M. Hellbardt, Leipzig, Ernährungsumschau 11/2012
Und nach dem Training ein Heidelbeersmoothie…

Und nach dem Training ein Heidelbeersmoothie…

ExpertInnen empfehlen in einem relativ engen Zeitfenster nach dem Krafttraining Eiweiß aufzunehmen. Das Milchprotein wird schnell aufgenommen und hat eine optimale Aminosäurenzusammensetzung. So kann der Muskel besser wachsen und regenerieren. Und so schmeckts auch gut, wenn es in einen cremigen Smoothie verpackt ist! Aber da sollte man natürlich vorher auch wirklich trainieren…;)

Wenn also nach dem Training nicht eine reguläre Mahlzeit mit einer Eiweißquelle folgt, dann kann der Otto Normaltrainierer auch mal so ein „Shake“ nehmen. Damit nicht teure, mit Süßstoffen vollgepumpte, mysteriöse Pulvermischungen zum Einsatz kommen, kann man den auch selbst machen. Das sieht dann zB so aus:

Heidelbeersmoothie 

Zutaten für 2 große Gläser:

  • 100g Heidelbeeren, frisch oder tiefgekühlt
  • 250g Topfen 10%
  • Saft von 1 Zitrone
  • 1 EL Mandelmus (optional)
  • 25g Whey (optional)
  • 250ml Wasser

Nährwerte pro Glas (ca.): 220kcal, 25g Eiweiß, 10g Kohlenhydrate, 8g Fett

Alle Zutaten im Standmixer gut durchpürieren. Der Saft der Zitrone kann ruhig mit den Kernen hinein, bzw. kann die Zitrone auch geschält und mitgemixt werden. Wer mag kann noch eine kleine Banane dazumixen. Die Variationsmöglichkeiten sind beinahe endlos! Verschiedenes Obst und idealerweise ein Anteil Gemüse, Kräuter, … In Schraubgläser gefüllt lässt sich der Homemade Shake auch gut transportieren oder für den nächsten Tag vorbereiten. Ab und an dient er auch als Frühstücksersatz oder Mahlzeitenersatz. Die Obstportionen sind so auch gleich mal erledigt. Praktisch! 🙂

Viel Spaß beim Trainieren und Smoothie mixen! Aber Achtung: Shakes bedeuten auch immer zusätzliche kcal! 😉

 

Foto: Birgit Barilits

 

 

Ofengemüse mit Topfen – gar nicht fad :)

Ofengemüse mit Topfen – gar nicht fad :)

Das ist ja so ein Ding, wenn man bei Ernährungsberatungen mehr Gemüse empfiehlt, beispielsweise in Form von „Gemüsesticks“ mit Topfendip… Da schlafen dann dem Gegenüber manchmal die Gesichtszüge ein. Ich stelle mir dann die Gedanken vor, die da so durchs gegenüberliegende Gehirn wandern, … „Nicht schon wieder Gemüsesticks“, „Klischee“, „fader gehts ja ned“, „ich hasse diese ewige Gemüseschnippelei“, „aufwändig“… etc.

Aber ich probiers einfach nochmal ;). Ja, Gemüsesticks mit Topfendip. Aber nicht fad, sondern gut gewürzt, mit guten Ölen, zum Sattessen und obendrein noch gesund!

Die Zutaten fürs Ofengemüse (2 Portionen):

  • ca. 400g bunte Karottenmischung
  • 2 kleine bis mittelgroße Zucchini
  • 1 Fenchelknolle
  • 1-2 EL Olivenöl
  • Rosmarin, Thymian, Oregano, Salz, Pfeffer, Cayenne-Pfeffer
  • 50g Pecorino

Das Gemüse putzen, die Karotten der Länge nach vierteln, so dass in etwa gleich große Stifte herauskommen. Die Zucchini etwas größer schneiden, damit sie nicht zu weich werden. Die Karotten habe ich mit Olivenöl, Rosmarin, Salz und Cayenne-Pfeffer gewürzt, die Zucchini mit Thymian, Oregano, Salz und Pfeffer. Einfach die Stifte in einer Salatschüssel mit Olivenöl und den Gewürzen vermischen. Auf Backpapier ausbreiten und bei 180 – 200° Heißluft ca. 20min backen. Beim Servieren mit kleinen Pecorino-Würferl bestreuen. Ich liebe diesen salzigen Schafkäse! 🙂

Die Zutaten für den Topfendip (2 Portionen):

  • 250g Magertopfen
  • 1 EL Leinöl
  • 2 EL Hanfsamen geschält
  • 1 kl. Zwiebel, fein geschnitten
  • 1 EL Dill
  • Salz, Pfeffer
  • 1 EL grober Dijonsenf
  • etwas Wasser

Den Topfen gleich in der Gemüseschüssel anrühren, so gehen die Reste der Gewürze und des Olivenöls hinein und nichts wird verschwendet.

Die Nährwerte pro Portion ca.: 500kcal, 36g EW, 25g F, 36g KH, 11g Ballaststoffe

Ich garantiere, das schmeckt nicht fad und macht auf gesunde weise schön satt! 🙂 Dazu noch ein grüner Salat… yummy… und schon hat man das mit dem täglichen Gemüse „erledigt“ ;).

Eure Diätologin

Mag. Birgit Barilits, BSc

 

Fotos: Birgit Barilits

 

Omelette. Frühstück, Mittagessen oder Abendessen?

Omelette. Frühstück, Mittagessen oder Abendessen?

Omelette geht bei mir eigentlich immer ;). BIO Freilandeier in allen Varianten. Mit Omelette hat man die Möglichkeit noch quasi jedes Gemüse wunderbar einzuarbeiten. Unten im Bild sehr ihr zB Paprika, Zwiebel, Pflücksalate.

Frühstücksomelette

Zutaten für 2 Personen:

  • 5 Eier
  • 1 Zwiebel
  • 1 roter Paprika
  • 2 Scheiben Speck (optional)
  • Rucola/Babyspinat/Pflücksalate
  • gemischte geröstete Samen (Kürbis, Sonnenblumenkerne, Hanf, Sesam)
  • Parmesan
  • Salz, Pfeffer
  • Eventuell etwas Balsamico zum marinieren des Salates, eventuell etwas Öl wenn man keinen Speck verwendet. Es soll schließlich gute Fette enthalten, aber nicht von Fett triefen! 😉

Die Zubereitung:

Speck in Streifen schneiden und in der Pfanne langsam braten, so dass das Fett austritt. Dazu die geschnittenen Zwiebel geben und anrösten. Die Eier mit etwas geriebenem Parmesan verquirlen und über Speck und Zwiebel gießen. Wenn das Omelette fast gestockt ist, die gewürfelten Paprika darüberstreuen und mit Salz und Pfeffer würzen.

Den Pflücksalat waschen und marinieren. Ich habe etwas Balsamico und Olivenöl verwendet, frisch und gut schmeckts auch mit einer Marinade aus Zitronensaft und Olivenöl.

Das Omelette teilen, auf zwei Teller geben und mit jeweils einer schönen Handvoll Salat, ein paar Paprikawürfeln, Parmesanhobeln und gerösteten Samen garnieren.

Guten Appetit! 🙂

 

Eure Diätologin

 

Foto: Birgit Barilits

Schnelles, ballaststoffreiches Brot inkl. Resteverwertung

Schnelles, ballaststoffreiches Brot inkl. Resteverwertung

Backlaune hier nochmal. 🙂 Ich mag ab und zu gerne Mandelmilch, aber nicht die aus dem Supermarkt, sondern selbst gemachte. Seit ich den AndSoy Kochmixer benutze geht das extrem unkompliziert und leicht. Aber trotzdem fallen Reste an – ich nenne es mal „Nusstrester“. Es wäre viel zu Schade, den wegzuwerfen! Eine Möglichkeit diesen zu verwerten ist ihn einfach in Brotteig zu verarbeiten. Daher habe ich hier nun ein schnelles „Resterezept“ für euch:

Die Zutaten (ca. Mengen, beim Brot ist das nicht so heikel):

  • 240g Dinkelmehl
  • 80g Leinsamenmehl
  • 140g Nusstrester (frisch, feucht)
  • 1 Packerl Trockenhefe
  • 1 TL Salz
  • 2 TL Anis
  • 2 TL Fenchel
  • Wasser

Hier gibt es keine Nährwerte, da ich den Nusstrester nicht berechnen kann. Aber Leinsamenmehl hat pro 100g ca. 40g Eiweiß und über 30g Ballaststoffe! In Summe ergibt das mit dem Nusstrester ein Brot das reich an Ballaststoffen und gutem, pflanzlichen Eiweiß ist. Ich würde es aber nicht als „Eiweißbrot“ bezeichnen.

Die Zubereitung:

Alle Zutaten vermischen, mit zunächst 250ml lauwarmen Wasser angießen und mit den Knethaken kneten bis sich der Teig etwas zieht. Gegebenenfalls noch mehr Wasser dazugeben. Der Teig sollte knetbar sein, aber nicht zu hart. 30min zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen. Zu einer schönen Rolle formen, noch bemehlen und auf Backpapier geben. Bei Heißluft 200° ca. 50min backen. Zwischendurch mal „anklopfen“ (am Brot, nicht am Rohr 😉 ) und wenn es hohl klingt ist es fertig.

Viel Spaß beim ausprobieren!

Eure Diätologin

 

Fotos: Birgit Barilits

 

Achtung: Enthält Werbung 😉 (Nennung AndSoy Mixer)

Kräutertopfen-Auflauf mit kleinen Tomaten

Kräutertopfen-Auflauf mit kleinen Tomaten

Wer mag Topfenauflauf? Iiiiiiiiich! 🙂 Dieses Mal gibt es die kleine Proteinbombe aber nicht süß, sondern pikant!

Die Zutaten:

  • 250g Magertopfen
  • 250g Bröseltopfen
  • 100g Gries
  • 2 Eier
  • Frische Kräuter nach Geschmack (viel!) zB Schnittlauch, Petersilie, Kerbel oder Rosmarin, Thymian, Salbei, … auch ein Hauch Minze macht sich sehr gut darin!
  • 2 Handvoll kleine Tomaten
  • Salz, Pfeffer
  • 1 Tl Backpulver
  • Butter/Öl zum Auspinseln der Form
  • Evtl. Parmesan

Die Nährwerte:

Ähnlich, etwas mehr als bei der süßen Variante, besonders wenn man mit Parmesan arbeitet.

Die Zubereitung:

Eier und Grieß gut verschlagen und mind. 15 min ziehen lassen. Die Kräuter fein hacken und unter den Topfen rühren, würzen. Nun alles gemeinsam verrühren und auch das Backpulver darunter mischen. Eine Form auspinseln und evtl. mehlen. Ofen Vorheizen auf 180°C. Masse in die Form füllen und mit den kleinen halbierten Tomaten belegen. Backen bis alles schön goldbraun ist und sich der Rand leicht von der Form löst. Evtl. vor dem Servieren mit Parmesan bestreuen.

Guten Appetit! 🙂

 

Mag. Birgit Barilits, BSc, Diätologin

Fotos: Birgit Barilits

Die Frage nach der Milch…

Die Frage nach der Milch…

Milch ist halt immer so ein Thema. Bei fast jedem Ernährungsvortrag oder Workshop kommt DIE Frage nach der Milch.

Um diese ranken sich viele Mythen und Meinungen, es wurden auch von den verschiedensten Seiten Beiträge, Posts etc. geschrieben, Studien mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen gibt es zu Hauf. In meiner täglichen Praxis kommt mir trotzdem immer wieder die Frage unter: „Was ist jetzt mit der Milch, ist sie gesund oder ungesund?“ Und das Fazit: Die ultimative Wahrheit gibt es in der Ernährungswissenschaft nicht.

„Also wie ist das jetzt mit der Milch…?“ Mit solchen Fragen tue ich mir halt schwer… Was ist schon gesund und was ungesund? Und wie soll ich das in einer Minute beantworten? 😉 Kein Lebensmittel ist nur gesund oder nur ungesund. Alles hat Vorteile und Nachteile. Einflüsse gibt es von Seiten der Produktion/Herstellung, der Menge und Häufigkeit des Konsums, der Zubereitung, der Verträglichkeit.

Milch aus Massentierhaltung, von unglücklichen Tieren, die nicht artgerecht gefüttert und gehalten werden ist sicherlich anders – wenn man will in dem Sinne „nicht so gesund“, als Milch von Bio-Viecherln aus Weidehaltung. Persönlich kaufe ich BIO Produkte und sehe Milch als Lebensmittel, das vielleicht mal in den Kaffee kommt oder in die Palatschinke ;). Ansonsten halte ich mich an vergorene Milchprodukte und köstlichen Käse.

Ein Naturjoghurt, mit einer Portion frischem Obst und Nüssen ist sicherlich „gesünder“ als ein fertiges, gekauftes Fruchtjoghurt mit Knusperflocken und Schokoflakes.

Wenn ich einen fertigen Joghurt-Fruchtsmoothie einmal pro Woche trinke, ist das vermutlich unproblematisch, wenn ich das jeden Tag konsumiere, gemeinsam mit weiteren weniger günstigen Gewohnheiten, sehr wahrscheinlich nicht so gut.

Wenn ich Laktose nicht vertrage, dann ist für mich normale Milch „ungesund“, weil es mir Beschwerden verursachen wird, laktosefreie Milch im Kaffee (und da sehe ich schon die nächste Diskussion auf mich zukommen 😉) wird unproblematisch sein.

Bei entzündlichen/rheumatischen Erkrankungen ist auf die Arachidonsäure zu achten, diese ist natürlich in sehr fetten Milchprodukten vermehrt zu finden.

Weitere Behauptungen, wie „Milch verursacht Osteoporose“, „Milch macht dick“ oder „verschleimt“ rechne ich eher der Welt der Ernährungslegenden zu. Ausnahmen bestehen jedoch eventuell… 2-3l Milch pro Tag als Getränk, oder süße Kakaomilch, oder sehr fetter Käse in großen Mengen, tragen zu einem möglichen Kalorienüberschuss bei. Wobei es auch Studien gibt, die darauf hinweisen das ein hoher Konsum von Milchprodukten zur Gewichtsreduktion beitragen kann – es kommt halt drauf an, wie man es macht.

Nach einer Mandeloperation empfehlen DiätologInnen möglicherweise einmal keine Milchprodukte zu nehmen, die sich an den Rachen anlegen, da diese eine Weide für Bakterien bieten könnten. Ansonsten – es gibt keine eindeutigen Hinweise aus Studien, die darauf hindeuten, dass Milch verschleimen würde, bei Erkrankungen der Atemwege kontraproduktiv wären.

Das sogenannte „Kalzium-Paradoxon“ bedeutet, dass es in Ländern wo kaum Milch konsumiert wird weniger Knochenbrüche gibt. Hier wird angenommen, dass der Phosphoranteil in der Milch die Kalziumaufnahme behindert, oder das der hohe Eiweißanteil die Calciumausscheidung begünstigt. Der in der Milch enthaltene Eiweißbaustein Lysin unterstützt aber beispielsweise die Calciumaufnahme im Darm, und auch ein hoher Eiweißkonsum (aber nicht dauerhaft zu hoch) scheint sich positiv auf die Knochendichte auszuwirken. Man kann also weder sagen, dass viel Milch vor Osteoporose schützt, noch, dass viel Milch Osteoporose begünstigt. Es spielen einfach zu viele andere (Ernährungs- und Lifestyle) Faktoren mit.

Mein Fazit ist also wieder einmal der Spruch „von überall ein bissi was und von nix zu viel“ 😉. Klingt langweilig, ist aber so. Zudem überwiegen bei den (vergorenen) Milchprodukten meiner bescheidenen Meinung nach die Vorteile: Hochwertiges Eiweiß, gutes Fett, Milchsäurekulturen, schöner Calciumgehalt, fördert die Verdauung und nicht zuletzt der gute Geschmack! Wir sind halt Omnivoren, wir dürfen genießen, und Genuss bedeutet nix in Massen zu verspeisen. Wenn man Milchprodukte gut verträgt und gerne hat, nur zu! Und ja, man kann durchaus auch ohne Milch ;). Allerdings halte ich es für sinnvoll, die entsprechenden Ersatzprodukte genau zu begutachten hinsichtlich Inhaltsstoffen.

Wenn Sie sich zu einem Thema beraten lassen möchten, sei es die Prävention oder Ernährungstherapie von Osteoporose, Laktoseintoleranz, gesunde Gewichtszu- oder abnahme, wenden Sie sich gerne an mich.

Herzlichst, Ihre Diätologin

Mag. Birgit Barilits, BSc, Ernährungsberatung mit Genuss

PS: Ich halte es für ein Qualitätsmerkmal, wenn in einer Beratung etwas differenziert dargestellt wird, und auf die individuellen Bedürfnisse und Anliegen geachtet wird.

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